Caritas Aargau und Kanton veröffentlichen Bestandesaufnahme
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Kinderbetreuung: Gefordert sind alle
Gemeinden, Kanton und Wirtschaft sollten sich stärker in der familienergänzenden Kinderbetreuung engagieren. Dies fordern die Caritas und die Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern in einer am Freitag veröffentlichten Broschüre. Gesundheitsdirektorin Stéphanie Mörikofer möchte auch informelle Betreuungsnetze stärken.
Die Broschüre mit dem Titel "Wer betreut mein Kind?" richtet sich an Eltern, Behörden und Betriebe. Die Kurzfassung einer Diplomarbeit der Höheren Fachschule für Soziale Arbeit in Solothurn fasst die verschiedenen familienergänzenden Kinderbetreuungsangebote im Aargau - Kinderkrippen, Horte, Tagesfamilien, Tagesschulen - zusammen und zieht politische Schlussfolgerungen. Unter anderem werden eine kantonale Pflegekinderverordnung und ein stärkeres Engagement der Gemeinden, des Kantons und der Wirtschaft gefordert. Die Broschüre, die auch die Adressen aller aargauischen Kinderbetreuungseinrichtungen enthält, ist erhältlich bei der Caritas (Telefon 062 822 90 10) und bei der kantonalen Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern (FGFM, Telefon 062 835 12 11).
Es fehlt das Geld
Caritas-Stellenleiter Valentin Schmid bezeichnete die Finanzknappheit als Hauptproblem. Entsprechend gebe es auch nur für 3 von 100 Kindern einen familienergänzenden Betreuungsplatz, obschon 56 Prozent der Frauen im Erwerbsalter mit Betreuungsaufgaben für Kinder unter 15 Jahren berufstätig seien. Laut FGFM-Co-Leiterin Marianne Rüegg sind vor allem Betreuungsplätze für Säuglinge und Kleinkinder äusserst rar. Gerade in dieser Phase brauchten Mütter und Väter vermehrt Unterstützung, zumal immer mehr Familien auf die Erwerbstätigkeit beider Elternteile angewiesen seien.
Die Regierung habe sich bisher noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt, erklärte Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer, Vorsteherin des Gesundheitsdepartements. Sie könne sich aber vorstellen, dass die eine oder andere Forderung des Berichts eines Tages auf dem Regierungstisch lande. Staatsschreiber Marc Pfirter wies auf die Finanzknappheit der öffentlichen Hand hin, welche der Erfüllung an sich verständlicher Unterstützungswünsche enge Grenzen setze.
Kaderkrippen im Vormarsch
Laut Caritas-Projektleiterin Annemarie Humm werden Krippen heute immer mehr der Ort für Kinder von Eltern in Kaderpositionen. Beim Kader gehe die Krippenrechnung auf, weil die Kosten für die Suche und Einarbeitung qualifizierter Fachkräfte höher seien als die Kosten eines Krippenplatzes. Betreuungsplätze müssten aber auch für Kinder weniger qualifizierter Berufsleute zur Verfügung gestellt werden. Für eine Firmenkrippe sprechen laut Migros-Krippenleiterin Silvia Benkö verschiedene Gründe: Das Know-how der Fachfrauen kann in der Firma behalten werden, die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird gefördert, und die Unternehmenskultur und die Firmenstrukturen werden familienfreundlicher.
Familien weiterhin gefordert
Der Aargau zählt knapp 50 Krippen und Horte, die sich vor allem in den Agglomerationen Aarau, Brugg, Baden und Lenzburg konzentrieren. In den ländlichen Gebieten klaffen Lücken, die sich auch künftig nicht werden schliessen lassen. Daher seien auch in Zukunft die Familien gefordert, Betreuungsnetze mit Verwandten und Bekannten aufzubauen, erklärte Regierungs-rätin Mörikofer. Zur Forderung nach Blockzeiten in der Schule sagte sie, die Umsetzung des neuen Schulgesetzes, das am 7. Juni vors Volk kommt, biete die Gelegenheit für Eigeninitiative der Eltern. Regierungsrätin Mörikofer hielt ausserdem fest, viele Frauen sähen bewusst ihre Hauptaufgabe in der Kindererziehung. Frauenemanzipation heisse auch, frei zwischen Beruf und reiner Familienarbeit wählen zu können.