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Bettagsmandat 2005 :
Die Würde der Kreatur achten

Der Regierungsrat und die drei Landeskirchen des Kantons Aargau geben abwechselnd jedes Jahr zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag einen Aufruf an die Aargauer Bevölkerung heraus. In diesem Jahr wird der Text des Bettagsmandates von den drei Aargauer Landeskirchen verantwortet.

Vor 25 Jahren hat das Aargauer Volk die neue Kantonsverfassung angenommen. Zum ersten Mal wurde darin die Achtung vor der Würde der Kreatur als Grundrecht aufgenommen: "Wissenschaftliche Lehre und Forschung haben die Würde der Kreatur zu achten." Später übernahm die Bundesverfassung dieses neue Recht.

Zur "Kreatur" gehört alles, was lebt, Pflanzen, Tiere und Menschen. Alles gehört zur einen Schöpfung Gottes. Unsere Verfassung verpflichtet uns, auf alles Lebendige und seine Lebensräume Rücksicht zu nehmen. Aus Respekt vor dem Schöpfer und vor dem einen Willen zum Leben, der sich in jeder Kreatur ausdrückt.

Aus Respekt vor der Würde der Pflanzen sollten wir unter anderem ihre natürlichen Lebensräume durch immer intensivere Landwirtschaft oder bedenkenlose Bautätigkeit nicht noch weiter einschränken. So bringen wir einheimische Pflanzenarten zum Verschwinden und gefährden gleichzeitig Tierarten, die auf diese Pflanzen angewiesen sind.

Die Würde der Tiere steht vor allem bei unserem Umgang mit Haus- und Nutztieren, speziell in der Fleischproduktion und der Forschung auf dem Spiel. Tiere, die uns anvertraut sind, sollen wir unter angemessenen Bedingungen halten und ihre Bedürfnisse respektieren.

Nicht nur Pflanzen und Tiere, auch Menschen sind Teil der Kreatur und werden mitunter unwürdig behandelt. Die einen, weil sie aus anderen Kulturen oder auf illegalen Wegen zu uns gekommen sind. Andere kommen im immer härter werdenden Berufsleben in unwürdige Situationen, wenn sie nur als Arbeitskräfte oder Kostenfaktoren betrachtet werden. Wo Menschen nur als Mittel zum Zweck der Gewinnvermehrung oder Kosteneinsparung betrachtet werden, wird ihnen ihre Würde genommen.

Der Respekt vor der Würde alles Lebendigen ist die Grundlage einer christlichen und lebenswerten Gesellschaft, die ihren Nachkommen nicht mehr Probleme sondern eine bessere Welt hinterlassen will. Jede Bürgerin, jeder Bürger, hat täglich viele Möglichkeiten anderen Menschen, Tieren und Pflanzen denselben Respekt zu erweisen, den auch sie selbst verdient haben. Mit der Würde der Kreatur steht die Würde jedes Einzelnen auf dem Spiel.

Im Auftrag der Aargauer Landeskirchen
br>Frank Worbs

  • Regierungsrat