Betreuung der Bevölkerung im Störfall
:
Übung Kontaktstelle: 200 Freiwillige im Einsatz
Wie kann die Bevölkerung nach einem grösseren Unfall im Kernkraftwerk betreut werden? 200 Freiwillige und Fachleute testeten am Donnerstag in Oftringen eine mögliche Lösung, im Rahmen der "Übung Kontaktstelle".
Verantwortliche von Bund, Kanton und Gemeinde informierten am Donnerstag in Oftringen über Zweck und Ablauf der während 3 Jahren vorbereiteten Übung "Kontaktstelle". Dabei geht es um Beratung und Betreuung von Personen, die in der näheren Umgebung eines Kernkraftwerks von einem KKW-Störfall betroffen werden. Die Medien hatten Gelegenheit, den Probebetrieb in der Kontaktstelle "live" zu erleben.
Ein gut ausgebildeter und gut geführter Bevölkerungsschutz sei nötig und sinnvoll, unterstrich Gesundheitsdirektor Ernst Hasler mit Blick auf die Unwetterkatastrophe im Wallis, im Tessin und in Norditalien. Für den Fall eines Kernkraft-Störfalls sei der Aargau gut gerüstet.
Laut Übungsleiter Martin Vögtli, Chef des aargauischen Kantonalen Führungsstabes, müssen Personen aus der näheren Umgebung eines vom Störfall betroffenen KKWs beraten und gegebenfalls medizinisch versorgt werden können. Hausärztin oder Spital wären damit mengenmässig überfordert. Das KKW-Notfallschutzkonzept des Bundes sieht deshalb für jedes schweizerische Kernkraftwerk den Betrieb einer Kontaktstelle vor. In der Kontaktstelle wird eine erste Triage zwischen betreuungsbedürftigen und anderen Personen vorgenommen. Die Kontaktstelle muss in der Nähe des KKWs liegen, aber ausserhalb des Windkorridors. Das Übungsbeispiel Oftringen wurde aus zwei Gründen ausgewählt: Nähe zum Kernkraftwerk Gösgen (SO), geeignete Infrastruktur.
Kriterium für die Triage der betroffenen Bevölkerung ist die effektive Strahlenbelastung. Sie wird via Fragebogen und mit Untersuchungen (z.B. Schilddrüsenmessung) erhoben, wie Hansjürg Knaus von der Eidgenössischen Kommission für AC-Schutz ausführte.
Ziel der "Übung Kontaktstelle" war das Sammeln von Erfahrungen mit dem Betrieb einer solchen Einrichtung unter realitätsnahmen Bedingungen. 90 Figurantinnen und Figuranten mimten potentielle Strahlenopfer, 50 Mitglieder von Zivilschutz und Samariterverein betreuten die Posten in der Kontaktstelle. Um die Infrastruktur der Übung kümmerten sich 40 Fachleute; 20 waren in der Übungsleitung engagiert.
Die Resultate des Oftringer Probebetriebs werden nun von den Aargauer Verantwortlichen zuhanden der übrigen Kantone ausgewertet.