Baustart Revitalisierung Bünz in der Gemeinde Othmarsingen
:
Arbeiten beginnen am Dienstag, 11. April 2023
Die Arbeiten für die Revitalisierung der Bünz in der Gemeinde Othmarsingen starten in der Woche nach Ostern mit der Erschliessung der Baustelle mit Baupisten. Richtig los geht die Revitalisierung aber erst ab dem 16. Mai 2023, wenn die Fischschonzeit vorbei ist und die Bauarbeiten im Wasser mit der Gestaltung des neuen Bachlaufs in Angriff genommen werden. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich etwas mehr als 1 Jahr, wobei ein Grossteil der Arbeiten im 2023 abgeschlossen werden sollen. Die Gesamtprojektkosten betragen rund 3,3 Millionen Franken.
Im Sommer 2021 hat die Bevölkerung von Othmarsingen der Revitalisierung der Bünz mit grossem Mehr zugestimmt. Kurz darauf konnte das Projekt genehmigt und der Landerwerb mit flächengleichem Realersatz für alle betroffenen Grundeigentümer abgeschlossen werden. Nicht einmal zwei Jahre nach der Abstimmung wird das Revitalisierungsprojekt, das in enger Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinde entstanden ist, wie geplant umgesetzt. Damit steht die spannendste Projektphase bevor – die Bünz wird neu gebaut. Der Projektperimeter umfasst den Bünzabschnitt von rund 875 Metern Länge zwischen der ARA Falkenmatt und der südlichen Baugebietsgrenze von Othmar-singen. Das Revitalisierungsprojekt schliesst damit nahtlos an den 2014 in der Nachbargemeinde Hendschiken renaturierten Abschnitt an.
Der Start der Bauarbeiten erfolgt am Dienstag 11. April 2023, wobei zunächst die Baustelle mit Baupisten erschlossen wird. Erste Arbeiten im Trockenen beinhalten die Erstellung einer gut 400 Meter langen Drainagesammelleitung vom Fussballplatz abwärts der Bünz entlang.
Auf der westlichen Seite wird auf der von Bünz und Falkenweg eingefassten landwirtschaftlichen Fläche eine Anpassung des Terrains zu Hochwasserschutzzwecken vorgenommen. Diese Anhebung verhindert künftig ein Über-schwemmen der Fläche bei Hochwasser. Diese Arbeiten werden parallel zur Verbreiterung des Gerinnes ausgeführt, da ein beträchtlicher Anteil des durch die Revitalisierung anfallenden Aushubs direkt vor Ort für diese Terrainanpas-sung wiederverwendet wird.
Wasserbauarbeiten starten Mitte Mai
Die eigentlichen Wasserbauarbeiten, die im Zentrum dieses Bauvorhabens stehen, starten am 16. Mai 2023, sobald die Fischschonzeit vorbei ist. Die Arbeiten am Gewässer werden vom Baugebiet her in Angriff genommen und in vier bis fünf Etappen von je rund 200 Metern Länge in Richtung ARA vorangetrieben.
Die Revitalisierungsmassnahmen sehen eine Aufweitung des Gerinnes und die Absenkung der Uferbereiche sowie eine deutliche Erhöhung des Windungsgrads des Bachlaufs vor. Dadurch entsteht ein längerer Fliessweg mit vielen Kurven, begleitet von Uferbereichen, die bei Hochwasser überspült werden. Die Sohl- und Uferverbauungen werden entfernt – bestehende Naturwerte sind praktisch keine vorhanden. Die Bünz kann somit von Grund auf neugestaltet werden, was für die zukünftige lebendige Entwicklung des Baches optimale Voraussetzungen schafft.
Revitalisierung mit natürlichen Bauweisen
Die Natur ist ein hervorragender Baumeister, entsprechend ist das Projektteam bestehend aus Wasserbauingenieuren, Biologen und Bodenspezialisten bestrebt, die Eigenschaften und Funktionen natürlicher Bachstrukturen bei der Revitali-sierung der Bünz mit natürlichen Bauelementen nachzuemp-finden. Die gewählten Strukturelemente bestehen vorwiegend aus Totholz und lebendigen Gehölzen. Prallufer – also Bereiche, die durch die Strömung ausgespült werden – lassen sich beispielsweise mit sogenannten ingenieurbiologi-schen Einbauten wie Wurzelstöcken, einer neuen Uferbestockung oder ganzen Bäumen, die im Gerinne verankert werden (Raubäume), sichern. Dadurch wird mit der Zeit die gewünschte Entstehung von Unterspülungen und Vertiefun-gen unter Wasser (Kurvenkolke) ermöglicht.
Zentrales Element der Bachgestaltung ist ein sogenanntes Niederwassergerinne. Dieses schlängelt sich durch den Einschnitt. Es ist dieser Bereich, der immer Wasser führt und als eigentlicher Wasserlauf wahrgenommen wird. Wenn die Bünz viel Wasser führt, tritt der Fluss aus der Niederwasserrinne aus und nimmt auch die seitlich angrenzenden Uferbereiche ein. Durch diese Dynamik können sich ufernahe wechselfeuchte Zonen ausbilden, die ein idealer Lebensraum für viele selten gewordene Arten darstellen. Das breite, insgesamt weiterhin lineare Flussbett sichert dabei weiterhin den Schutz des Umlandes vor grösseren Überschwemmungen.
Bauzeit und Kosten
Insgesamt ist eine Bauzeit von etwas über einem Jahr vorgesehen, mit einem Unterbruch der Arbeiten zum Schutz der Fische von November bis Mai. Der Grossteil der Arbeiten soll bereits im 2023 abgeschlossen werden. Die Gesamtprojektkosten betragen rund 3,3 Millionen Franken. Zusätzlich zur Kostenbeteiligung von Bund, Kanton und Gemeinde wird die Revitalisierung mit einem Beitrag von 200'000 Franken durch den naturemade star-Fonds von ewz unterstützt.