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Abschluss der archäologischen Ausgrabungen im Areal "Linde" in Windisch

Nach rund 130 Arbeitstagen hat die Grabungsequipe der Kantonsarchäologie Aargau am 18. Oktober 2013 die Ausgrabung im Areal des ehemaligen Restaurants "Linde" in Windisch termingerecht abgeschlossen. Das rund 1'600 m² grosse Areal steht damit der Bauherrschaft für die projektierte Überbauung mit Alterswohnungen bereit.

Durchschnittlich 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kantonsarchäologie haben eine gesamte Kubatur von rund 3'200 m³ ausgegraben und die Befunde in 275 handschriftlichen Zeichnungen sowie 600 Fotoeinstellungen dokumentiert. Knapp 3'000 archäologische Positionen sind für Schichten, Gruben, Strassen, Wandgräbchen und Gräben, Pfostennegative, einen Ofen und anderes vergeben worden. Aus dem Boden sind schätzungsweise 39'000 Einzelobjekte geborgen worden; darunter exemplarisch 181 Münzen und 48 Fibeln.

Die Grabung lag in einem bislang kaum archäologisch untersuchten Bereich von Vindonissa. Mit der vorliegenden Ausgrabung sind wichtige Anhaltspunkte zur Siedlungsgeschichte eines grösseren Areals unmittelbar südlich der Legionslager der 21. und 11. Legion erschlossen worden.

Grosse Holzgebäude und dichte Besiedlungsspuren

In der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. war das Areal mit mehreren grossen Holzgebäuden bebaut, die wohl unmittelbar westlich vor dem ersten Legionslager der 13. Legion standen. Im 2. oder 3. Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts wurde eine erste, rund sechs bis acht Meter breite Kiesstrasse im Nordteil des Areals angelegt. Gleichzeitig wurden die grossen Holzgebäude aufgegeben und stattdessen eine kleinräumigere Bebauung angelegt.

Spitzgräben des Legionslagers

Um die Mitte des 1. Jahrhunderts ist die Besiedlung des Areals komplett aufgegeben worden. Bedingt durch die Verstärkung der südlichen Befestigungslinie des Legionslagers mit einem zusätzlichen Spitzgraben, ergab sich, dass der Nordteil des Areals nun von einem Spitzgraben gequert wurde. Dieser fast fünf Meter breite und rund zwei Meter tiefe Graben wurde anlässlich der Grabung Windisch-Areal "Linde" auf fast 70 Meter Länge ausgegraben. Bei seiner Aufgabe, ca. 70 n. Chr. ist der Graben mit Siedlungsabfällen und Bauschutt – vermutlich aus dem Legionslager – aufgefüllt worden. Nachweislich hat die 11. Legion in dieser Zeit das Lager der 21. Legion übernommen und wenig später mit dessen Neubau begonnen.

Die West-Ost verlaufende Kiesstrasse bleibt über die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts bestehen, zahlreiche Schuhnägel, ein Hufschuh eines Pferdes, mehrere Erneuerungen der Kiesfahrbahn und verschiedene Reparaturen von lokalen Schäden belegen ihre Bedeutung als westöstliche Verkehrsachse südlich des Legionslagers.

Siedlungsunterbruch

Ab dem 2. Jahrhundert brechen die Besiedlungsspuren auf dem Areal fast vollständig ab. Einzig ein aus wiederverwendeten Architekturteilen (Spolien) gebauter Abwasserkanal belegt eine lokale Nutzung. Einige Münzen aus dem 4. Jahrhundert weisen auf eine sporadische Begehung des Areals in der Spätantike hin.

Erneute Überbauung im frühen 21. Jahrhundert

Für die folgenden Jahrhunderte des Mittelalters und der frühen Neuzeit waren mit Ausnahme einer Wasserleitung aus Tonröhren im Westteil des Areals keine Hinweise auf Besiedlung zu beobachten. Mit der Errichtung des Vorgängergebäudes der "Linde" und des östlich daran anschliessenden Bauernhauses begann im 17. Jahrhundert im Westteil des Areals die Besiedlung.

Mit dem aktuellen Bauprojekt wird das Areal im frühen 21. Jahrhundert nach rund 2000 Jahren wieder vollständig überbaut.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport