Aargau durch Wachstum weiterhin gefordert
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Kantonaler Bericht zur nachhaltigen Entwicklung 2016
Der aktuelle Bericht zur nachhaltigen Entwicklung zeigt für den Aargau ein solides Gesamtbild auf. Neben konstanten und positiven Entwicklungen bei der sozialen Lage und der Umweltqualität sind bei der Wirtschaft aber auch negative Tendenzen feststellbar. Das Bevölkerungswachstum ist aktuell und künftig herausfordernd.
Der Regierungsrat hat sich im Entwicklungsleitbild 2013−2022 zur nachhaltigen Entwicklung als Handlungsmaxime verpflichtet. Mit dem vierten Nachhaltigkeitsbericht zeigt der Regierungsrat nun auf, ob der Aargau auf Nachhaltigkeitskurs ist, oder ob entgegengesetzte Tendenzen feststellbar sind. Der Bericht ist eine Momentaufnahme der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Leistungsfähigkeit des Aargaus für das Jahr 2016. Die Erkenntnisse gründen auf fachlichen Aussagen zu 30 verschiedenen Themen.
Nachhaltige Entwicklung hat auch auf der globalen und nationalen Bühne aktuell an Bedeutung gewonnen. Im letzten Jahr wurde mit den Sustainable Development Goals "SDG" der UNO die neue Weltagenda 2030 verabschiedet, und der Bundesrat veröffentlichte die Nachhaltigkeitsstrategie 2016−2019. Der Aargau zeigt mit seinem Bericht vorbildlich, dass auch auf kantonaler Ebene ein Engagement notwendig ist, um die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung zu erreichen. Mit Porträts von "Menschen für den Aargau von morgen" weist der Bericht weiter daraufhin, dass auch jeder Aargauer und jede Aargauerin zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen kann.
Angespannte Wirtschaftslage
Das Wirtschaftswachstum im Kanton Aargau ist seit 2012 marginal und bleibt unter dem schweizerischen Durchschnitt. Die stagnierenden Steuereinnahmen und die steigenden kantonalen Ausgaben führten in der kantonalen Jahresrechnung 2014 zum ersten Mal seit 2003 zu einem Defizit. Die Arbeitslosenquote ist auch im Aargau leicht gestiegen, liegt jedoch weiterhin unter dem schweizerischen Durchschnitt. Über 50-Jährige haben es auf dem Arbeitsmarkt zunehmend schwer.
Konstante soziale Trends
Die Bevölkerung ist gut gebildet, die Maturitätsquoten steigen leicht an. Die Quote der gymnasialen Matura liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. Im Aargau ist nur ein kleiner, minim steigender Teil der Bevölkerung auf existenzsichernde Unterstützung durch den Staat angewiesen. Anteilsmässig besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Im Aargau gibt es pro Schulklasse ungefähr ein Kind, das von der Sozialhilfe unterstützt wird.
Beliebter Wohnkanton
Die starke Zuwanderung aus anderen Kantonen zeigt, dass der Aargau ein bevorzugter Wohnkanton ist. Er ist finanziell attraktiv und weist aufgrund der zunehmend guten Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr, der stetig sinkenden Lärmbelastung und den nahgelegenen Erholungs- und Naturräumen eine gute Wohnqualität auf. Auch das kulturelle Angebot trägt zur Attraktivität bei. Bei den Kulturausgaben pro Person und Jahr hat der Aargau jedoch an Terrain verloren und liegt im kantonalen Vergleich im letzten Viertel. Die Kehrseite der Wohnattraktivität ist der anhaltende Druck auf Landschaft und Biodiversität. Pro Tag wird im Aargau weiterhin die Fläche von rund einem Fussballfeld überbaut. In den letzten Jahren ist jedoch vor allem bei Neubauten eine steigende Anzahl Einwohner pro Hektare feststellbar. Dies deutet auf einen schonenderen Umgang mit der endlichen Ressource Boden hin. Der motorisierte Individualverkehr wächst ungebremst weiter und die Kapazitätsgrenzen der Verkehrsinfrastrukturen sind vielfach erreicht. Die stark steigende Aargauer Bevölkerung hinterlässt ihre Spuren auch bei der Luftqualität. Hier ist es zunehmend schwieriger, nennenswerte Verbesserungen zu erreichen, weil technische Fortschritte bei den Fahrzeugen durch die Zunahme der Verkehrsmenge teilweise wieder kompensiert werden.
Bedeutende Herausforderungen
Der Aargau steht aus Nachhaltigkeitssicht vor grossen Herausforderungen. Das erwartete Bevölkerungswachstum ist weiterhin prägend. Ein langfristig ausgeglichener Finanzhaushalt, die Erhaltung der Standortattraktivität aber auch raumwirksame Tätigkeiten bedingen eine sorgfältige Interessenabwägung im Hinblick auf die Lebensqualität der heutigen und kommenden Generationen. Der vierte Bericht "Nachhaltige Entwicklung im Kanton Aargau" steht dem Regierungsrat und dem Grossen Rat als Grundlage für weitere strategische Planungsberichte sowie für den Aufgaben- und Finanzplan zur Verfügung. Zudem fliesst er in die Aktualisierung des Entwicklungsleitbildes 2017−2026 des Regierungsrates ein.
- Fact Sheet (PDF, 3 Seiten, 309 KB) zum Nachhaltigkeitsbericht 2016
- Nachhaltigkeitsbericht 2016 (PDF, 68 Seiten, 6,1 MB)