Scheidung, Aufhebung des gemeinsamen Haushalts & Festlegung der Unterhaltsbeiträge

Eine Scheidung oder Trennung stellt alle Parteien vor eine grosse Belastung. Besonders wenn Kinder zugegen sind, müssen Unklarheiten geregelt werden.

Scheidung

Knapp die Hälfte aller Ehen in der Schweiz wird geschieden. Das ist für die Betroffenen zum Teil sehr belastend – emotional wie auch finanziell. Das im Jahr 2000 in Kraft getretene revidierte Scheidungsrecht brachte einige wesentliche Neuerungen hinsichtlich der Teilung der während der Ehe erworbenen Vorsorgeguthaben und der gemeinsamen elterlichen Sorgen. Mit diesen Punkten wurde der Gleichstellung von Frauen und Männern Rechnung getragen. Es zeigte sich jedoch, dass diese in der Praxis nicht immer selbstverständlich umgesetzt werden. Die Broschüre "Scheidung, Pensionskasse, AHV/IV - Das müssen Sie wissen" gibt Auskunft zu den wichtigsten Fragen rund um Scheidung und Sozialversicherungen (PDF zum Download unter "Mehr zum Thema").

Die Ehe- und Paarberatung Kanton Aargau bietet für Einwohner und Einwohnerinnen der Gemeinden der Trägerschaften teilweise kostenlose Erstberatungen an. Bei rechtlichen Schwierigkeiten bietet die Anlaufstelle Scheidungsrecht im Kanton Aargau kostenlose Erstberatungen an.

Vorgehen bei einer Scheidung oder Aufhebung des gemeinsamen Haushalts

Das am Wohnsitz der Betroffenen zuständige Bezirksgericht (öffnet in einem neuen Fenster)informiert über den Ablauf eines Scheidungs- oder Eheschutzverfahrens.

Unterhalt nach Aufhebung des gemeinsamen Haushalts

In der Zeit zwischen der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts und der Scheidung finden die Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft sinngemäss Anwendung (Art. 171 bis 179 ZGB). Bei einer begründeten Aufhebung des gemeinsamen Haushalts legt das Gericht auf Begehren eines Ehegatten unter anderem die Unterhaltsbeiträge an die Kinder und den Unterhaltsbeitrag an den Ehegatten fest (Art. 176 ZGB). Eine aussergerichtliche Trennung basierend auf einer Getrenntlebensvereinbarung ist möglich. Eine solche kann bei fehlendem Vertrauen vom Familiengericht genehmigt werden.

Nachehelicher Unterhalt

Ist einem Ehegatten nach der Scheidung nicht zuzumuten, dass er für den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufkommt, so hat ihm der andere einen angemessenen Beitrag zu leisten (Art. 125 Abs. 1 ZGB). Ob ein Beitrag geleistet werden muss, in welcher Höhe und für welche Dauer ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel der Aufgabenteilung während der Ehe, der Ehedauer, dem Einkommen und Vermögen des Ehegatten, der Verantwortung für die Kinderbetreuung etc. (Art. 125 Abs. 2 ZGB). Die Beitragspflicht erlischt mit einer erneuten Heirat der berechtigten Person oder dem Tod der verpflichteten oder berechtigten Person (Art. 130 ZGB).

Abänderung Nachehelicher Unterhalt

Eine Abänderung des vom Gericht festgesetzten Beitrags ist bei erheblicher und dauernder Veränderung der Verhältnisse möglich (Art. 129 ZGB), sofern die Abänderung von den Ehegatten in der Vereinbarung nicht ganz oder teilweise ausgeschlossen wurde (Art. 127 ZGB). Zuständig ist das jeweilige Bezirksgericht (öffnet in einem neuen Fenster).

Kindesunterhalt

Die Unterhaltspflicht der Eltern gegenüber ihren Kindern umfasst die Pflege, Erziehung und Geldzahlung (Art. 276 ZGB). Die Eltern sind nach einer Scheidung weiterhin und bis zur Volljährigkeit der Kinder verpflichtet, für den Unterhalt aufzukommen (Art. 277 ZGB).

Der Kindesunterhalt wird individuell in einem Urteil oder Unterhaltsvertrag festgelegt. Der Beitrag soll den Bedürfnissen des Kindes sowie der Lebensstellung und Leistungsfähigkeit der Eltern entsprechen. Er dient zudem der Gewährleistung der Betreuung des Kindes durch die Eltern oder Dritte (Art. 285 ZGB).

Abänderung des Kindesunterhalts

Bei erheblicher Veränderung der Verhältnisse setzt das Gericht den Unterhaltsbeitrag auf Antrag eines Elternteils oder des Kindes neu fest oder hebt ihn auf (Art. 286 Abs. 2 ZGB). Damit eine Abänderungsklage gerechtfertigt ist, muss die Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse erheblich, auf Dauer angelegt und nicht vorhersehbar sein. Das jeweilige Bezirksgericht (öffnet in einem neuen Fenster)ist zuständig für die Abänderung des Kindesunterhalts. Die Abänderung kann auch einvernehmlich geregelt werden, muss jedoch den rechtlichen Anforderungen entsprechen und durch das Familiengericht genehmigt werden (Art. 134 Abs. 3 ZGB).

Die Bezirksgerichte empfehlen die Inanspruchnahme einer Anwältin oder eines Anwalts.

Neues Kinderunterhaltsrecht ab Januar 2017

Das neue Unterhaltsrecht beseitigt die Ungleichbehandlung von Kindern verheirateter beziehungsweise geschiedener und von Kindern unverheirateter Eltern. Seit Januar 2017 werden die Kosten für die Kinderbetreuung durch den betreuenden Elternteil bei der Bemessung des Unterhaltsbeitrags für das Kind berücksichtigt (Art. 285 Abs. 2 ZGB). Der Beitrag soll gewährleisten, dass das Kind von der bestmöglichen Betreuung profitieren kann, sei es durch Dritte (zum Beispiel eine Tagesmutter oder eine Krippe) oder durch die Eltern selbst. Der Unterhalt minderjähriger Kinder hat zudem künftig Vorrang vor den übrigen familienrechtlichen Unterhaltspflichten (Art. 276a Abs. 1 ZGB).

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