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Naturnaher Waldbau, Waldstandorte und Pflanzensoziologie

Der Kanton Aargau hat die Umsetzung des naturnahen Waldbaus definiert und Mindestanforderungen gesetzt. Naturnaher Waldbau orientiert sich an den natürlichen Grundlagen. Eine der wichtigsten Grundlagen ist die Pflanzensoziologie.

Der Naturnahe Waldbau orientiert sich an den natürlichen Grundlagen wie Böden, Klima und Waldgesellschaften und nutzt natürliche Abläufe wie Naturverjüngung und Selbstdifferenzierung. Je weniger in natürliche Prozesse eingegriffen wird, desto tiefer sind Aufwand und Risiken, um bestimmte waldbauliche Ziele zu erreichen. Der unberührte Waldboden ist die Produktionsgrundlage, welche es zu erhalten gilt. Plantagen, Pestizide und Gentechnik sind nicht erlaubt.

Umsetzung im Kanton Aargau

Symbolbild eines Waldes Bild vergrössern
Nutzung natürlicher Abläufe: Die vitalsten Bäume gewinnen den Konkurrenzkampf, haben eine gute Qualität dank hoher Bestandesdichte, und die Stammzahlen nehmen ab - alles ohne Eingriffe. (© Kanton Aargau)

Der Aargau hat die Umsetzung des naturnahen Waldbaus definiert und in wichtigen Bereichen verbindliche Mindestanforderungen gesetzt, welche die Forstbetriebe erfüllen müssen. Beispielsweise sind je nach Waldstandort minimale Laubholzanteile erforderlich und ein minimaler Totholzanteil von 10 Kubikmeter pro Hektare zugunsten der Artenvielfalt gilt auf der ganzen Waldfläche.

Umsetzung des naturnahen Waldbaus (PDF, 8 Seiten, 187 KB)

Waldstandorte und Pflanzensoziologie

Jedes Waldstück ist durch Bodentyp, Klima und Topographie geprägt. Entsprechend ist es für bestimmte Baumarten gut, weniger gut, oder gar nicht geeignet. Die entsprechenden Einflussgrössen (Meerershöhe, Hangneigung, Exposition, Niederschläge, Muttergestein, Bodentyp, pH-Wert, Tiefgründigkeit) sind in der Pflanzensoziologie zusammengefasst.

Zeigerpflanzen geben Hinweise

Weil die meisten Wälder nicht mehr ihre natürliche Baumartenzusammensetzung aufweisen, lässt sich der Waldstandort nicht anhand der Bäume bestimmen. Deshalb wird auf sogenannte Zeigerpflanzen zurückgegriffen, welche in der Kombination ihres Vorkommens für bestimmte Waldstandorte typisch sind.

Die Wälder im Kanton Aargau wurden in den Jahren 1958 bis 2001 flächendeckend kartiert. Dabei wurden total 87 verschiedenen Standortstypen ausgeschieden. Am häufigsten ist der "typische Waldmeister-Buchenwald" mit einem Flächenanteil von 16.3%.

Online Karte Pflanzengesellschaften im Wald

Anwendung der Pflanzensoziologie

Die Pflanzensoziologie ist eine der wichtigsten Grundlagen für den Naturnahen Waldbau. Indem bestimmte Baumarten auf geeigneten Standorten – oder noch besser dort, wo sie natürlich vorkommen – produziert werden, lassen sich hohe Kosten für Pflanzungen und Jungwaldpflege einsparen. Ausserdem steigt die Chance, Waldbauziele überhaupt zu erreichen. Umgekehrt – und dafür gibt es viele Beispiele – verursacht die Förderung von Baumarten auf ungeeigneten Standorten sehr hohe Kosten, höhere Risiken, und führt letztlich kaum zum gewünschten Erfolg.