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Offene Kiesgruben

In einer Kiesgrube entstehen während des Abbaus unterschiedliche Lebensräume, die zu einer Erhöhung der Biodiversität beitragen können.

Besonnte Böschungen für wärmeliebende Reptilien, Sandlinsen in den Steilwänden als Nistmöglichkeiten für Uferschwalben oder Wildbienen, Flachzonen mit Tümpeln für Amphibien sowie Trockenstandorte auf Rohböden für spezialisierte Pflanzen- oder Insektenarten: Durch den fortschreitenden Abbau entstehen in der offenen Kiesgrube immer wieder neue Lebensräume, während ältere langsam zuwachsen oder im Rahmen der Auffüllung verschwinden.

Kiesgruben weisen so eine ähnliche Dynamik wie Auenlandschaften auf. Während in den Auen natürlich mäandrierende Flüsse offene Kies- und Sandflächen schaffen oder Prallhänge erodieren, sorgen in Kiesgruben Maschinen für die Dynamik. Kiesgruben übernehmen dadurch als Sekundärlebensräume, also als Ersatzlebensräume eine wichtige Rolle für die rar gewordenen dynamischen Auenlandschaften im Kanton Aargau.

Von der Dynamik profitieren sogenannte Pionierarten: Arten, die sich darauf spezialisiert haben, neue Flächen zu besiedeln und deshalb auf Störungen angewiesen sind. Einige Arten, die sich in den offenen Kiesgruben ansiedeln, gehören zu den bedrohten Arten, weil sie ihre natürlichen Lebensräume verloren haben. Typische Tier- und Pflanzenarten der Kiesgruben sind:

Ein Rosmarin-Weidenröschenstrauch mit Blüten, der auf kiesigem Untergrund wächst. Bild vergrössern
Rosmarin-Weidenröschen
  • Amphibien: Kreuzkröte, Gelbbauchunke
  • Libellen: südlicher Blaupfeil, kleine Prachtlibelle
  • Vögel: Uferschwalbe, Flussregenpfeifer
  • Pflanzen: Rosmarin-Weidenröschen, Natternkopf

Aufgrund der wertvollen, seltenen Lebensräume kann es sinnvoll sein, den ökologischen Ausgleich bereits während des Abbaus zu leisten. Der Fachverband der Aargauischen Kies- und Betonbranche (VKB) hat dazu mit dem Kanton eine Branchenvereinbarung abgeschlossen. Damit können Verbands-Mitglieder, den gesetzlichen Forderungen bereits während des Abbaus mit der Schaffung von "Wanderbiotopen" nachkommen. Dabei sind 20 Prozent des Abbauperimeters für die Natur zu reservieren, im Gegenzug müssen nach der Rekultivierung keine Dauerbiotope angelegt werden. Kommen Kreuzkröten oder Geburtshelferkröten in der Grube vor, kann auch die sogenannte Hybrid-Variante gewählt werden. Dabei sind für die beiden Amphibienarten genügend Pioniergewässer zu erstellen, dafür reduziert sich die geforderte Fläche des ökologischen Ausgleichs nach der Rekultivierung von 15 auf 8 Prozent.

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