Oftringen – Anpassung Bernstrasse K 235 mit Brückenersatz

Der Abschnitt Kreuzplatz bis Kreisel Perry der Bernstrasse K 235 sowie die Brücke B-140 über die SBB-Gleise und die Brücke B-139 über den Tychkanal genügen hinsichtlich Verkehrsbelastung sowie Tragsicherheit nicht mehr den heutigen Anforderungen. Dieser Abschnitt wird deshalb erneuert, wobei die Brücken durch Neubauten ersetzt werden. Die Strasse wird mit einer zusätzlichen Busspur und beidseitig mit einem Radweg verbreitert. Letzteres bedingt auch umfangreiche Stützkonstruktionen und eine neue Lichtsignalanlage beim Knoten Kreuzplatz.

Ausgangslage

Die Bernstrasse K 235 überquert zwischen dem Kreuzplatz und dem Kreisel Perry die Bahnlinie Zofingen–Olten der SBB mit einer Stahlbetonbrücke aus dem Jahr 1939. Die Brücke ist die einzige Verbindungsspange im urbanen Raum zwischen Oftringen und Rothrist mit dem Autobahnanschluss Bern und Basel. Infolge steigender Fahrzeuggewichte und Verkehrsdichte genügt diese den heutigen Anforderungen an die Tragsicherheit nicht mehr und ist zur Durchleitung des aktuellen Verkehrs zu schmal. Pro Tag verkehren über 13'000 Fahrzeuge diesen Abschnitt. Durch die Industriezonen und mit den Logistikunternehmen ist die Lastwagenbelastung auf bis zu 60 LKW pro Stunde quantifiziert. Der bei Stosszeiten gestaute Verkehrsfluss sowie die zweispurige Verkehrsführung, welche keine Priorisierung der Linienbusse erlaubt, verunmöglichen die Einhaltung des Fahrplans zwischen dem Kreisel Perry und dem Kreuzplatz. Die kantonale Radroute ist in diesem Teilabschnitt unterbrochen. Zudem entsprechen die lichte Höhe sowie die Anprallsicherheit der Pfeiler der Brücke B-140 über die SBB-Gleise nicht mehr den aktuellen Ausführungsbestimmungen der Eisenbahnverordnung.

Auf der Seite Ost im Anschluss an den Kreisel Perry überquert die Bernstrasse K 235 den Tychkanal mit einem Mauerwerksgewölbe aus dem Jahre 1938, welches durch Ortbetonplatten erweitert wurde. Der Zustand des Gewölbes und der Erweiterungen ist schlecht und die untergehängten Werkleitungen schränken den freien Raum für den Hochwasserschutz ein.

Zielsetzung

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau (BVU) plant, die Bernstrasse K 235 im betrachteten Abschnitt durch den Ersatz der Brücke B-140 über die SBB-Gleise und die Anpassung von Linienführung und Strassenquerschnitt entscheidend zu verbessern. Im Zuge dieser Arbeiten wird auch die Brücke B-139 über den Tychkanal erneuert. Der Busverkehr und der nicht motorisierte Verkehr sollen dadurch wesentlich profitieren. Mit einem Ersatzbau werden die bestehenden Mängel behoben und gleichzeitig die Verhältnisse für den Bus-, Rad- und Fussverkehr verbessert.

In Bezug auf die einzelnen Abschnitte und Objekte bestehen folgende Zielsetzungen seitens der Bauherrschaft, des Kantons Aargau:

  • Ersatz der Brücke B-140 über die SBB-Gleise und des dazu parallel verlaufenden Fussgängerstegs durch ein einziges, neues Bauwerk. Die neue Brücke soll das vom Bahnverkehr geforderte Lichtraumprofil sowie die Anprallsicherheit gewährleisten.
  • Bau von neuen Stützbauwerken im Dammbereich auf der Nordseite sowie lokal auf der Südseite entlang der Strasse, um den Platz für beidseitige Rad- und Gehwege sowie eine separate Busspur in Richtung Kreuzplatz zu integrieren.
  • Anpassung des Anschlusses zum Knoten Kreuzplatz mit Rücksicht auf die neue Verkehrsfläche und Verkehrsführung der verschiedenen Verkehrsteilnehmenden.
  • Anpassung und Instandstellung der Brücke B-139 über den Tychkanal für die neue Strassenlage und -breite.
  • Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes und des Verkehrs auf der Bernstrasse K 235 sowie Gewährleistung der Zufahrt zur Industrie entlang der Industriestrasse während der gesamten Bauzeit ohne Einschränkung durch Baustellenlichtsignalanlage.

Projektbeschrieb

Bernstrasse K 235

Die Bernstrasse K 235 muss sowohl von der Seite Kreisel Perry als auch von der Seite Kreuzplatz bis zur Brücke B-140 über die SBB-Gleise um 1.5 m angehoben werden. Sämtliche Werkleitungen müssen neu erstellt werden. Der Anschluss beim Kreisel Perry wird durch eine neue Insel übersichtlicher, bleibt in der Grösse aber unverändert. Die Strassenbreiten werden angepasst und durch den Radstreifen wirkt der Strassenraum offener.

Auf der Brücke B-140 über die SBB-Gleise ist die zusätzliche Busspur bis zum Kreuzplatz neu markiert. Damit wird der Bus bevorzugt und kann ungehindert bis zum Kreuzplatz fahren. Der Radverkehr erhält vor und nach der Brücke eine separate Rampe, um sicher auf den Geh- und Radweg zu fahren. Vor den Rampen wird der Belag rot markiert, damit der Radverkehr die Wegführung gut erkennt und die Radverkehrsbereiche für den motorisierten Individualverkehr gut sichtbar sind. Der Geh- und Radweg wird auf der Brücke durch den Stahlbogen der Brücke vom übrigen Strassenverkehr getrennt und damit sicher geführt.

Der Gegenverkehr beim Kreuzplatz wird durch eine neue Insel getrennt. Die Spuraufteilung beim Kreuzplatz ist neu angeordnet. Mit der Busspur und den beiden Radstreifen ist die Kreuzung wesentlich grösser als vorher. Da die neue Brücke B-140 ca. 1.5 m höher liegt als die alte, ist die Kreuzung von der Brücke her für alle Verkehrsteilnehmenden sehr gut einsehbar. Das neue Portal der Lichtsignalanlage zeigt auf über 4 m Höhe übersichtlich die Fahrspuren der Richtungen an, damit rechtzeitig auf die richtige Spur gewechselt werden kann.

Brücke B-140 über die SBB-Gleise

Im Jahr 2007 wurde ein Variantenstudium durchgeführt. In Betracht gezogen wurden neun unterschiedliche Brückenarten. Schliesslich erfüllten nur vier Brückenarten alle Anforderungen: die Bogenbrücke, die Stahl-Fachwerkbrücke und die beiden Seilbrücken. Beide Seilbrücken waren aber ungefähr 30 % teurer, weshalb auch sie nicht in Betracht kamen. Von den verbliebenen zwei Varianten bestach die Bogenbrücke gegenüber der Stahl-Fachwerkbrücke durch eine einfachere Konstruktion mit weniger Stahl. Als vorteilhafter erwiesen sich auch die Unterhaltskosten.

Das mit der Bogenbrücke mögliche Einschub-Bauverfahren hat Kosteneinsparungen bei der Bahnsicherheit und bei der Verkehrsführung für Provisorien zur Folge. Auf eine Hilfsbrücke und einen Bahn-Schutztunnel kann verzichtet werden. Mit diesem Bauverfahren wird die Bauzeit um mehr als ½ Jahr reduziert, da weniger Nachtarbeit und Gleissperrungen notwendig sind. Zudem wird der Verkehrsfluss während der Bauarbeiten immer zweispurig gewährleistet, da neben der bestehenden Kantonsstrasse die Brücke zu ca. 90 % fertig erstellt werden kann.

Brücke B-139 über den Tychkanal

Die neue Brücke über den Tychkanal wird nach dem Rückbau des bestehenden Gewölbes mit vorfabrizierten Stahlbetonplatten erstellt. Dieses Vorgehen ermöglicht eine wesentliche kürzere Bauzeit und somit die Reduktion des Risikos für den Strassenverkehr während der Bauphasen.

Die vorfabrizierten Betonplatten überbrücken die Kanalbreite. Über den Elementen werden eine Erdaufschüttung und der Strassenoberbau eingebracht, in der auch die Werkleitungen und die Strassenentwässerung Platz finden.

Projektpläne

Situation Strassenbau, 1:200 (PDF, 1 Seite, 2.6 MB)
Situation Umfahrung, 1:200 (PDF, 1 Seite, 873 KB)
Übersichtsplan Brücke B-140 über die SBB-Gleise (PDF, 1 Seite, 3.4 MB)
Stützmauern (PDF, 1 Seite, 748 KB)
Anpassung Bernstrasse Normalprofile (PDF, 1 Seite, 2.1 MB)

Bauablauf

Die Abfolge der Bau- und Verkehrsphasen haben enge, aufeinander abzustimmende Randbedingungen, die eingehalten werden müssen. Die Aufrechterhaltung des zweispurigen Strassenverkehrs und des Langsamverkehrs sind während der gesamten Bauzeit ohne Baustellenlichtsignalanlage zu gewährleisten. Der Bahnverkehr muss weiterhin ohne Beeinträchtigung funktionieren. Die Sicherheitsbestimmungen der SBB müssen eingehalten werden. Der Verkehrsfluss darf durch die Baulogistik nicht beeinträchtigt sein. Der vorgegebene enge Zeitrahmen von September 2016 bis November 2018 muss eingehalten werden.

Bauablauf mit Bauphasen (PDF, 2 Seiten, 21 KB)
Bauphasenplan Verkehr (PDF, 1 Seite, 3.3 MB)
Phasenplan Verschiebung der Brücke B-140 (PDF, 1 Seite, 779 KB)

Stand des Projekts

Die Bauarbeiten haben im September 2016 begonnen.

Die Brücke B-140 über die SBB-Gleise wird am 23./24. September 2017 längs eingeschoben. Dieser Längsverschub der Brücke bedeutet ein grosser Meilenstein und erfolgt exakt ein Jahr nach Baustart. Er ist der Auftakt für die Umstellung des Verkehrs, damit die alte Brücke rückgebaut werden kann, um Platz für die neue Brücke zu schaffen.

Nach dem Längseinschub der Brücke werden die restlichen Brückenplatten betoniert, die Abdichtung und die Beläge werden eingebaut, das Geländer wird montiert und die Stahlseile werden definitiv gespannt, bevor am 15./16. November 2017 der Verkehr über die neue Brücke via Umfahrungsstrasse geführt wird. Am gleichen Wochenende beginnt der Rückbau der alten Brücke B-140 und der Fussgängerbrücke B-8110. Der Rückbau dauert bis Mitte Dezember 2017.

Anfang Juni 2018 wird die neue Brücke B-140 zur definitiven Endlage quer verschoben. Danach erfolgen Abschlussarbeiten, Rückbau der Umfahrungsstrasse mit den provisorischen Dämmen Ost und West, allgemeine Instandstellungsarbeiten, der Deckbelagseinbau und Markierungsarbeiten.

Aus heutiger Sicht kann damit gerechnet werden, dass Ende September 2018 die Arbeiten abgeschlossen sein werden.

Projektfotos

  1. Baugrubensicherung durch eine Nagelwand aus Spritzbeton und Anker
    Bauphase 1 – Bernstrasse K 235
  2. Ersatzbau der Tychbrücke B-139 mit Stützmauer auf der rechten Seite
    Bauphase 1 – Tychbrücke B-139
  3. Stützmauer entlang der Bernstrasse K 235
    Bauphase 1 – Bernstrasse K 235
  4. Ersatzneubau der Tychbrücke B-139 mit Stützmauer
    Bauphase 2 – Tychbrücke B-139
  5. Strassenbau mit Anpassung für eine profisorische Umfahrung
    Bauphase 2 – Bernstrasse K 235
  6. Ein Spundwandkasten als provisorisches Widerlager für die Querverschiebung der Brücke B-140
    Bauphase 2 – Brücke B-140
  7. Strassenbau am Kreuzplatz
    Bauphase 3 – Bernstrasse K 235
  8. Der Stahlbau der Brücke B-140 wird auf dem Damm montiert
    Bauphase 3 – Brücke B-140
  9. Stahlgerüste, auf die die Brücke verschoben wird
    Bauphase 3 – Brücke B-140

Webcams

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