Schlossgärten

Schloss Wildegg verfügt über eine eindrückliche Gartenanlage. Im Nutz- und Lustgarten werden seltene Nutzpflanzen kultiviert, der Rosengarten mit historischen Strauch- und Kletterrosen ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. Die Lindenterrasse ist das Zentrum vieler Sommerfeste auf dem Schloss.

Die Gartenanlage

Die Verbindung von Nützlichem und Schönem ist charakteristisch für die Lebensweise der Menschen im 18. Jahrhundert. So war der repräsentative Garten mit den romantischen Pavillons nicht nur Gemüselieferant, sondern auch Erholungsort für die Familie Effinger und ihre Gäste.

Wann genau der Garten angelegt wurde, ist nicht bekannt. Erstmals wird er auf einer Karte aus dem Jahr 1700 dargestellt. Der Garten liegt losgelöst vom Schloss am Südhang des westlichen Ausläufers des Chestenbergs über Wildegg. Er ist als eine nach gartenarchitektonischen Grundsätzen geformte Terrasse gestaltet. Die Gesamtfläche der Anlage umfasst rund 3'300 Quadratmeter – ein äusserst grosszügiger Garten im Vergleich zur gesamten Schlossanlage.

In den Haushaltungsbüchern der Familie Effinger ist eine beeindruckende Vielfalt an Gemüse, Beeren und Küchenkräutern aufgelistet. Es zeigt sich, dass im 18. Jahrhundert mehr Gemüsesorten genutzt wurden als heute. Im Nutz- und Lustgarten wird die einstige Vielfalt an Pflanzen seit 1998 wieder kultiviert. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Schloss Wildegg und der Stiftung ProSpecieRara macht dies möglich.

ProSpecieRara

Kolbenhirse

Quelle für seltene Garten- und Ackerpflanzen, Beeren und Obstsorten

Die Stiftung ProSpecieRara (öffnet in einem neuen Fenster) rettet und behütet die Vielfalt alter Kulturpflanzen sowie das dazugehörende traditionelle Wissen um Anbau und Pflege. Der Nutz- und Lustgarten des Schlosses Wildegg ist ein Schaufenster für seltene Garten- und Ackerpflanzen sowie Beerensorten von ProSpecieRara.

Saatgutvermehrung

Aufgestängelte Kopfsalate und in Blüten stehende Kohlarten weisen darauf hin, dass in diesem Garten die seltenen Gemüsesorten nicht nur angebaut, sondern auch vermehrt werden. Jedes Jahr erntet ProSpecieRara Saatgut von rund achtzig Sorten. Wurzelgemüse wie Randen oder Sellerie sowie Kohlarten und Lauch werden über zwei Jahre vermehrt. Im Herbst des ersten Jahres werden sie im Keller eingelagert, im nächsten Frühling wieder ausgepflanzt und zur Blüte gebracht.

Entdeckungsreise zu seltenen Gartenpflanzen

Eine lustvolle und genüssliche Entdeckungsreise durch den Garten unterscheidet sich je nach Jahreszeit: Während im Frühling die frischen Aussaaten fein und zart aus dem Boden spriessen, präsentiert sich im Frühsommer das Getreide in goldener Pracht. Im September und Oktober steht der Kardy mannshoch, und die Wurzelgemüse sind reif zur Ernte.

Im nordwestlichen Sektor der Gartenanlage stehen die mehrjährigen Gartenpflanzen: Beeren, Rhabarber, Spargeln, Kardy, Färberpflanzen und kaum mehr bekannte Kulturpflanzen wie Zuckerwurzeln und Meerkohl. Der südöstliche Sektor verbreitet an warmen Sommertagen einen bezaubernden Duft. Hier wachsen verschiedenste Kräuter wie Mönchspfeffer, Eberwurz und Bitterdistel. In weiteren Sektoren wechselt die Bepflanzung jährlich gemäss der Fruchtfolge: Dazu gehören Kartoffeln, Ölfrüchte wie Lein und Mohn sowie verschiedene, meist traditionell alpine Getreide und Vertreter einstiger Ackerpflanzen. Ebenso angepflanzt werden Karotten, Sellerie, Randen, Bodenkohlrabi, Pastinaken und Zwiebeln, die früher lebensnotwendige Lagergemüse waren und heute noch beliebte Winterköstlichkeiten sind. In diesem Teil des Gartens findet man Federkohl, Palmkohl, Rosenkohl, Winterlauch und Spitzkabis, die auch im Winter direkt aus dem Garten auf den Tisch kamen. Linsen, Stangen- und Buschbohnen, Erbsen und Kefen ergänzten die Nahrung als wichtige Eiweisslieferanten. Zwischen den Kulturen stehen nicht mehr bekannte Gewächse wie Spargelsalat, Mairübe, Erdbeerspinat, Haferwurzel, Gartenmelde und Schabzigerklee.

Nutz- und Lustgarten

Der Nutz- und Lustgarten lädt zum Flanieren, Riechen und Staunen ein. Im jahreszeitlichen Wechsel ist die Gartenanlage eine Augenweide und Oase der Düfte. Mit Hilfe von ProSpecieRara wird hier die einstige Vielfalt kultiviert: rote Gartenmelde, violette Artischocke "Plain Palias", Kefe "Géant Suisse", Etagenzwiebel, Zuckerwurzel – das sind nur einige Raritäten aus dem grossen Sortiment, die hier angebaut werden. Der jährlich stattfindende Setzlingsmarkt Anfang Mai lädt zum Experimentieren zu Hause ein.

Während der Saison finden Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramme im Garten statt. Sie stehen in engem Bezug zu den Pflanzen und der Gartenanlage.

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Der Rebberg

Die Treppe auf dem Weg vom Garten hoch zum Schloss ist von einer Baumallee umrahmt. Jenseits der Bäume befindet sich ein Rest der Rebstöcke, welche die Familie Effinger einst besassen. Der Weinbau und -verkauf bildeten lange Zeit wichtige Einkünfte. Der Wein wurde im von Bernhard Effinger eigens dafür errichteten Gasthof Bären am Fuss des Schlossbergs ausgeschenkt und verkauft. Die von Effinger hatten in der Region das alleinige Weinausschanks- und Handelsrecht.

Noch heute stellt Winzer Philipp Fehlmann Weine aus diesen Trauben her.

Die Lindenterrasse

Zwischen Schlossanlage und Nutz- und Lustgarten erstreckt sich auf der Süd- und Westseite eine grosse Terrasse mit altem Baumbestand und grosszügig angelegter Doppeltreppe. Die geräumige Gartenoase bietet einen stimmungsvollen Rahmen für öffentliche Veranstaltungen und Privatanlässe.