Geschichte

Das 19. Jahrhundert zeichnet sich durch ein reges Interesse an "vaterländischer" Geschichte aus, so auch im jungen Kanton Aargau.

1859 wurde die Historische Gesellschaft des Kantons Aargau gegründet, die unter anderem fleissig Altertümer sammelte. Auch der Kanton Aargau selber würdigte sein historisches Kulturgut, indem er 1832 eine offizielle Antiquitätensammlung anlegte.

Klosterschätze

1841 erfolgte die Klosteraufhebung. Die Schätze der Klöster Königsfelden, Muri und Wettingen wurden Staatseigentum und kamen zum Teil nach Aarau, wo sie an verschiedenen Orten aufbewahrt wurden; die Münzensammlungen der Klöster Muri und Wettingen wurden etwa im Staatsgewölbe Aarau untergebracht.

Erste provisorische kantonale Sammlung

Auch im Kanton herumreisende Antiquare hatten ihre Freude an den Altertümern. Ganz zum Leidwesen der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau, die das Kulturerbe vor "fremden Händen" schützen und sachgerecht aufbewahrt haben wollte. Die Gesellschaft machte sich insbesondere dafür stark, dass die an verschiedenen Orten in Aarau verstreuten Objekte der kantonalen Sammlung mit ihrer Antiquitätensammlung an einem Ort vereinigt werden konnten. 1868 ging dieser Wunsch in Erfüllung. Die Objekte wurden in den Dachräumen vom Aarauer Schlössli provisorisch präsentiert.

Aber schon bald mangelte es an Platz. Deshalb stellte die Regierung drei Räume des Salzmagazins in Aarau zur Verfügung. 1877 wurden die Räume vom kantonalen "Antiquarium" bezogen. Der Kantonsschulprofessor Ernst Ludwig Rochholz (1809–1892), nun als Konservator tätig, erarbeitete den ersten Sammlungskatalog. 1889 übernahm Jakob Hunziker (1827–1901), wiederum ein ehemaliger Kantonsschulprofessor, die Konservatorenstelle.

Gewerbemuseum in Aarau

Die Stimmen nach einem zweckmässigen Museumsbau wurden jedoch immer lauter. Die Erziehungsdirektion nahm sich der Sache an und entschied sich für einen Umbau der zu günstigen Konditionen erworbenen Villa Feer-Herzog in Aarau, um die Gewerbeschule und das Gewerbemuseum darin unterzubringen. 1895 öffnete in Aarau das Gewerbemuseum seine Tore. Der in Baden geborene Architekt Karl Moser, vom Büro Curjel und Moser in Karlsruhe, war der Entwerfer des neugotischen Umbaus. Nun konnten diverse Objektkonvolute unter einem Dach präsentiert werden: die Sammlung des Kantonalen Antiquariums, die Gemälde- und Stichsammlung des Aargauer Kunstvereins, die ethnografische Sammlung der Mittelschweizerischen Geographisch-Commerziellen Gesellschaft und eine aargauische Muster- und Modellsammlung. 1901 übernahm A. Gessner (1864–1941) das Konservatorenamt, abermals ein Kantonsschullehrer. 1912 publizierte Gessner einen neuen Sammlungskatalog.

Bald ertönten erneut Klagen wegen Platzmangels. Das Antiquarium war im Erdgeschoss des Gewerbemuseums untergebracht und fristete ein kümmerliches Dasein. Es fehlte an Geld und Raum. 1916 entstand der Plan eines "Aargauischen Landesmuseums". Er wurde aber schnell beiseite geschoben, da ein Neubau für die Kantonsbibliothek als vordringlicher erachtet wurde.

Historisches Museum auf Schloss Lenzburg

Ab 1941 besetzte der Ingenieur Eugen Frikart (1876–1962) die Stelle eines Konservators. Es gelang ihm Geld aufzutreiben, um bauliche Verbesserungen anzubringen und die Sammlung neu aufzustellen. Doch schliesslich wanderten die Objekte 1956 in den Keller und in andere notdürftige Depots. Im selben Jahr übernahm eine Stiftung, in der die Stadt Lenzburg und der Kanton Aargau vertreten waren, das Schloss Lenzburg. Die Statuten verlangten, die kantonale historische Sammlung – aus ihr wurde das urgeschichtliche und römische Material ausgeschieden und dem Vindonissa-Museum in Brugg übergeben – in einem Teil der Schlossanlage neu einzurichten. Nach einer langen Vorbereitungszeit öffnete das Historische Museum Aargau 1987 seine Tore.