Königsfelden vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Seit dem Habsburger Gedenkjahr 2008 ist die aargauische und schweizerische Öffentlichkeit zunehmend daran interessiert, sich jenseits alter Feindbilder mit der habsburgischen Geschichte als einem Teil der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Handgeschriebene Pergamenturkunde
Erste Erwähnung von Königsfelden [Chunigesvelde] in einer Urkunde von Papst Clemens V. von 1310. © StAAG U.17/0011a

Unter den Erinnerungsorten dieser gemeinsamen Geschichte ragt neben der Habsburg die Klosterkirche von Königsfelden als einer der bedeutsamsten hervor. Als blühendes Kloster wie später als Berner Landvogtei wirkte Königsfelden intensiv in die gesamte Region hinein. Aus dem im Zuge der Reformation eingerichteten Spital ging die psychiatrische Klinik hervor.

Die berühmten Glasmalereien in Kirchenchor und -schiff wurden vor wenigen Jahren aufwändig restauriert und 2008 in einem monumentalen Bildband dargestellt. Die schriftliche Überlieferung, die vor allem im Staatsarchiv Aargau lagert, ist indessen nur wenigen Spezialisten bekannt. Die 700-jährige Geschichte des einstigen Klosters liegt weitgehend im Dunkeln und eine aktuelle Publikation zur Geschichte des Klosters bis in die Gegenwart ist längst fällig.

700 Jahre Kloster Königsfelden

Das Projekt ergänzt die Jubiläumsaktivitäten des Museums Aargau "Das Tor zum Paradies - 700 Jahre Kloster Königsfelden" (öffnet in einem neuen Fenster), die entsprechend dem Gründungsvorgang auf drei Jahre von 2010 - 2012 angelegt sind. Die Ermordung König Albrechts im Jahr 1308 war der namensgebende Anlass für die Gründung des Klosters. Wohl im Herbst 1310 legte Königin Elisabeth, die Witwe König Albrechts, im Beisein ihrer Kinder den Grundstein für den Klosterbau. Mit dem eigentlichen Stiftungsbrief vom 29. September 1311 bestätigte sie zusammen mit ihren Söhnen ihren Willen zur Gründung eines Doppelklosters für Klarissen und Franziskaner. Im Herbst 1312 zogen die ersten Nonnen in das Klostergebäude ein.

Projektinhalt

Das Projekt möchte die Königsfelder Geschichte mit einer Überblicksdarstellung fundieren (1. Teil) und ausgewählte Themen über das Jubiläum hinaus mit Blick auf internationale Forschungsdebatten vertiefen (2. Teil):

1. Buchprojekt "Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik"

Das Buchprojekt lässt wissenschaftliche Forschung in eine anschaulich geschriebene und reich illustrierte Darstellung für ein breites Publikum münden. Die Publikation Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik ist ab dem 22. September verfügbar im Verlag hier und jetzt (öffnet in einem neuen Fenster) bestellbar. Im aus sechs Hauptkapiteln bestehenden Band werden aktuelle Forschungsperspektiven und zentrale Themen der wissenschaftlichen Diskussion aufgegriffen. Dazu gehören die habsburgische Dynastiebildung mit ihren Folgen für den regionalen Adel, die Herausbildung einer spezifisch weiblichen Frömmigkeit, die Veränderung von Herrschaftspraktiken durch zunehmenden Schriftgebrauch, der Wandel adliger Verwandtschaftsstrukturen und damit korrespondierende Veränderungen bei der Verteilung und Weitergabe von Besitz sowie schliesslich der facettenreiche Umgang mit Geschichte selbst und die Veränderungen des Klosters als Erinnerungsort. Jedes Kapitel kreist um eines dieser Themen und setzt jeweils auch zeitliche Schwerpunkte. Chronologisch zum Teil überlappend kommt so die gesamte Königsfelder Geschichte in verschiedenen Phasen in den Blick.

2. Königsfelden und sein Adel. Annäherungen an eine neue Sozialgeschichte

Das vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Forschungsprojekt macht die herausragende Überlieferung des früheren Klarissen- und Franziskanerklosters zur Basis einer neu ausgerichteten Regional- und Sozialgeschichte. Anstatt eine auf vermeintliche Eigenarten des anvisierten historischen Raumes bezogene Sondergeschichte zu konstruieren, tragen zwei individuelle Teilprojekte internationale Fachdiskussionen von grosser Aktualität an eine regionale Überlieferung heran. Dabei geht es um die Güterzirkulation bei adligen Frauen und die Beziehung zwischen liturgischem und administrativem Schriftgebrauch. Mit der Autonomie der Teilprojekte verbindet sich ein multiperspektivischer Zugang, der gerade nicht regionalistisch begrenzt ist.

Projektorganisation

Das Projekt wird vom Staatsarchiv Aargau und dem Historischen Seminar der Universität Zürich (öffnet in einem neuen Fenster) durchgeführt. Projektleitung: Prof. Dr. Simon Teuscher.

Finanzierung

Das Projekt wird vom Swisslos-Fonds des Kantons Aargau (1. Teil) und dem Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wisschenschaftlichen Forschung (2. Teil) finanziert.

Projektdauer

  • 1. Teil: 2011 bis 2012
  • 2. Teil: 2012 bis 2015