Geschichte

Die Geschichte des Ringier Verlags und des Ringier Bildarchivs zeigt exemplarisch die Entwicklung der Schweizer Bildwirtschaft im 20. Jahrhundert auf. Es ist eine Geschichte des Aufstiegs, der technischen Umwälzungen und wirtschaftlichen Interessen, die dazu geführt haben, dass aus einem Gebrauchsarchiv der Bildwirtschaft ein historisches Archiv wird.

Die Geschichte des Ringier Verlags geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1833 legte Johann Rudolf Ringier (1797–1879) mit der Gründung seiner Druckerei in Zofingen den Grundstein für die Entwicklung des Ringier-Verlags. Innert weniger Jahre baute die Druckerei eine regionale Vormachtstellung auf.

Ringier zog bei der rapiden Technisierung der Massenkommunikation gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit. Ab 1898 baute sein Sohn Paul August (1876–1960) das Familienunternehmen in dritter Generation zum industriellen Druckunternehmen und führenden Presseverlag aus und erreichte damit nationale Ausstrahlung.

Heute ist das Medienunternehmen und Verlagshaus Ringier das grösste und wichtigste der Schweiz. Ringier hat die Schweizer Medienlandschaft vor allem über die Schweizer Illustrierte und den Blick massgeblich mitgeprägt.

Entwicklungsphasen

Erfolgreiche Zeitschriften (1911–1959)

Mit der Übernahme der "Schweizerischen Allgemeinen Volkszeitung" stieg Ringier ins Zeitungswesen ein. Doch erst mit der Lancierung der "Schweizerischen Illustrierten Zeitung" (heute "Schweizer Illustrierte") 1911 sprang Ringier auf den Zug der illustrierten Zeitschriften auf und tat dies äusserst erfolgreich. Das Erfolgsrezept lautete gute Literatur, Bodenständigkeit, parteipolitische Neutralität und wirkliche Unterhaltung. Unverzichtbar sind dabei Illustrationen, insbesondere Fotografien. Nach dem Ersten Weltkrieg boomte das Geschäft mit den Illustrierten und Ringier lancierte weitere Titel. Ringier verfügte über kein eigenes Fotografenteam für seine Zeitschriften, sondern kaufte bei Agenturen ein und gab Aufträge heraus. Dies bedeutet, dass Ringier kein eigenes Bildarchiv anlegte, sondern die Aufnahmen zu den Agenturen und Fotografen zurückschickte.

Blick und Ringier Bilderdienst (1959–1980)

Neuland betrat Ringier 1959 mit der Lancierung der ersten Boulevardzeitung in der Schweiz: dem Blick. Die Tageszeitung sollte eine Bildzeitung sein, so dass Ringiers Bildbedarf vor allem in der Tagesaktualität rasant stieg. 1962 kaufte Ringier den Bilderdienst Arnold Theodor Pfister (ATP). Auf einen Schlag verschuf er sich damit ein gut geschultes Fotografenteam samt Infrastruktur und Ausrüstung, sowie den Exklusivertrag mit der Bildagentur United Picture International (UPI), den er von ATP übernehmen konnte. Nicht zuletzt übernahm Ringier das Bildarchiv von ATP und verfügte damit über einen Bestand von ca. 3 Millionen Fotografien. Ringier führte den Bilderdienst unter dem Namen Ringier Bilderdienst (RiBiDi) als eigenständige Tochterfirma weiter. 1974 wurde der Dienst ins Mutterhaus einverleibt und eine neue Organisation wurde ausgearbeitet.

Ringier Dokumentation Bild (1980 bis heute)

1980 legte Ringier die Bildarchive der verschiedenen Redaktionen mit jenem des Ringier Bilderdienstes zusammen und führte fortan im Ringier Dokumentationszentrum (RDZ) die Ringier Dokumentation Bild (RDB). Was dabei entstand, war eine Mischung aus Bildagentur und Redaktionsarchiv, die sich von traditionellen Bildagenturen und Redaktionsarchiven unterscheidet.
Dieser Mischcharakter ist eines der herausragenden Merkmale des heutigen Ringier Bildarchivs. Die Ringier Dokumentation Bild wurde im Laufe der Jahre mehrfach umstrukturiert und ausgebaut. Der analoge Bildbestand, der mittlerweile auf 7 Millionen angewachsen ist, verlor mit dem Wechsel zur digitalen Fotografie in den 1990er Jahren zunehmend seine Bedeutung. Ringier führt mit Specter nun ein digitales Bildarchiv.

Vom Gebrauchsarchiv zum historischen Archiv (2009 bis heute)

2009 schenkte die Ringier AG den analogen Bildbestand dem Kanton Aargau. Als Projekt des Staatsarchivs wurde das "Ringier Bildarchiv (RBA)" ins Leben gerufen. Zentrale Argumente für die Übernahme waren die Verwurzelung des Medienunternehmens im Kanton, sowie die zunehmend wichtige Rolle kantonaler Stellen bei der Sicherung des fotografischen Erbes. Zudem entspricht die Übernahme der Strategie des Departements Bildung, Kultur und Sport, sich vermehrt mit dem audiovisuellen Kulturerbe und der Industriegeschichte des Aargaus auseinanderzusetzen.

Das Bildarchiv wird seither systematisch analysiert und archiviert sowie
für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 2014 finden regelmässige Vermittlungsangebote statt.