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Freibad Bünzmatt in Wohlen

Der bekannte Architekt Dolf Schnebli realisierte nach dem Gewinn eines Architekturwettbewerbs 1964–1966 die Schule und das Freibad Bünzmatt in Wohlen. Heute zählt das Freibad zu den schönsten Bädern der Schweiz. Als ein wichtiges Werk des frühen Schweizer Strukturalismus wurde das junge Baudenkmal Anfang 2017 unter kantonalen Denkmalschutz gestellt und jüngst saniert.

Ein junges Aargauer Baudenkmal: das Freibad Bünzmatt in Wohlen. Bild vergrössern
Das Freibad Bünzmatt in Wohlen. © Michael Hanak.

Das heute denkmalgeschützte Freibad Bünzmatt in Wohlen war das Resultat eines öffentlichen, zweistufigen Architekturwettbewerbs von 1960/61, aus dem Dolf Schnebli (1928–2009) als Sieger hervorgegangen ist. Der junge Architekt überzeugte mit seinem modularen, strukturalistischen Entwurf. Sein Studium hatte der gebürtige Badener an der ETH Zürich absolviert, wo er später von 1971–1994 als ordentlicher Professor für Architektur und Entwurf wirken sollte. Nach ersten Jahren der internationalen Tätigkeit, diversen Studienaufenthalten sowie einem Wheelwright Fellowship an der Harvard University zog es Schnebli ins sonnige und badefreudige Tessin. Dort gründete er 1958 in Agno sein eigenes Architekturbüro und führte seine ersten eigenständigen Aufträge aus, bevor er das Rennen in der Wohlener Ausschreibung machte. Das Freibad Bünzmatt wurde in den Jahren 1964–1966 zusammen mit dem benachbarten Schulhaus realisiert, für das Schnebli ebenfalls Wettbewerbsgewinner war. Mit der Gestaltung der Grünanlage des Freibads beauftragte man den in Lenzburg wohnhaften Gartenarchitekten Eugen Moser (1917–2000), der auch ein eigenes Gartenbaugeschäft führte. Dieser hatte sich zuvor bereits mit der Aussenraumgestaltung des Schwimmbads Walkematt in Lenzburg hervorgetan.

Situationsplan_Werk 9, 1968 Bild vergrössern
Situationsplan 1:1250. © Das Werk, Bd. 55 (1968), Heft 9.

Der modernen, originellen Architektur wegen erheischte das Freibad Bünzmatt nach seiner Vollendung eine bemerkenswerte Aufmerksamkeit in Fachkreisen und in der Presse. Nicht minder schätzten es die Badegäste, was der Besucherandrang zeigte, der jede Erwartung übertraf und bald nach einer Vergrösserung verlangte.

Ein schwebender Dächerwald aus Betonelementen

Die Pilzdächer. Bild vergrössern
Die Pilzdächer. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Am Rand des Siedlungsgebiets von Wohlen liegt das Freibad Bünzmatt, in das flache Gelände entlang des Bachlaufs der Bünz eingebettet. Seine weitläufige Grünanlage modelliert sich durch grosszügige Rasenflächen und locker gesetzte, heimische Laubbäume. Darin ist die Schwimmbadanlage bestehend aus dem Eingangsbereich, den Garderoben, einem Restaurant sowie drei verschiedenen Schwimmbecken harmonisch integriert. Die Bauten sind dabei nicht als geschlossene Gebäude konzipiert, sondern mit Bezug auf die Umgebung leicht und offen gestaltet. Charakteristisch hierfür ist die Gruppierung freistehender, auf unterschiedlicher Höhe angeordneter, hyperbolisch geschwungener Pilzdächer aus Sichtbeton. Sowohl der Eingangs- als auch die Garderobenbereiche werden durch 18 einzelne Pilzdächer gebildet. Durch ihre freie Gruppierung entsteht das Bild eines schwebenden Dächerwaldes, welcher dem Freibad seinen besonderen Charakter verleiht. Die geschlechtergetrennten Garderobenbereiche umgeben zur Abschirmung mannshohe Sichtbetonmauern, die in unregelmässigem Zickzack angeordnet sind. Die Trennwände der jeweils separierten Schülerumkleidebereiche werden durch dicht aneinandergereihte, vorgefertigte Betonröhren von zwei alternierenden Höhen gebildet, die als Wechselkabinen dienen. Anstelle einer Sichtbetonmauer begrenzt zudem eine Reihe von für Familien gedachter Umkleidezylinder die Frauengarderoben zum Planschbecken hin.

Die Umkleidezylinder. Bild vergrössern
Die Umkleidezylinder. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Abwechslungsreiche Gestaltung der Schwimmbecken

Baueingabeplan. Sprung- und Schwimmerbecken. Bild vergrössern
Baueingabeplan. Sprung- und Schwimmerbecken. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Hinsichtlich des Schwimmbeckenangebots kommen in der Badi Bünzmatt mit dem 50-m-Schwimmbecken mit angegliedertem Sprungbecken, dem Nichtschwimmerbecken und dem Planschbecken vom Kleinkind bis zum Erwachsenen, von der Leistungsschwimmerin bis zum Springakrobaten alle auf ihre Kosten. Infolge des hohen Grundwasserspiegels wurden die Schwimmbecken auf das Gelände gesetzt und dieses entsprechend angeböscht. Als tiefstes Becken liegt dadurch das Sprungbecken am höchsten. Einem Wasserfall ähnlich fliesst das Wasser von diesem über den Beckenrand hinweg ins darunter gelegene Schwimmerbecken. Die Bassins selbst sind in Beton ausgeführt. Nur das Sprungbecken zeigt einen einfachen quadratischen Grundriss. Die übrigen Bassins sind abwechslungsreich gestaltet. So sind zwei diagonalen Ecken des rechteckigen Schwimmerbeckens schräg zwei Zugänge aufgepfropft, das Nichtschwimmerbecken ist in einer unregelmässigen L-Form ausgebildet und der Umriss des Planschbeckens ähnelt einem dreiflügeligen Windrad. Ein zeitgenössisches Novum und auch heute noch eine Besonderheit sind die flachen Beckenränder, über die das Wasser leicht hinübertritt und durch die sich den Badegästen ein freier Blick in die Landschaft bietet.

Die Sprungtürme. Bild vergrössern
Die Sprungtürme. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Kantonale Unterschutzstellung

Mit der strukturalistischen Ausformulierung gebauter Elemente wie der Dächer der Umkleidekabinen, den organisch verlaufenden Sichtbetonmauern, der Verwendung von Betonröhren als Garderobenelement und den abwechslungsreichen Formen der Becken und Mauern ist das sorgfältig in den Grünraum eingebettete Freibad ein ebenso zeittypisches wie eigenständiges Frühwerk des bedeutenden Architekten Dolf Schnebli. Gemeinsam mit dem angrenzenden Schulhaus Bünzmatt bildet es ein bauliches Ensemble in einem Grüngürtel. Das 1964–1966 erbaute und weitgehend original erhaltene Freibad Bünzmatt in Wohlen wurde als ein bedeutender Zeuge der Architektur und Freiraumgestaltung der Nachkriegsmoderne 2017 unter kantonalen Schutz gestellt.

Aktuelle Sanierung

Nach einem halben Jahrhundert der intensiven Nutzung bedurfte das Freibad schliesslich einer Sanierung, die im Frühjahr 2018 abgeschlossen werden konnte. Die Instandstellungsarbeiten umfassten insbesondere die schützenswerten Sichtbetonelemente wie die Pilzdächer und den ursprünglichen Eingangsbereich. Rechtzeitig zum Hitzesommer 2018 öffnete das Freibad wieder seine Tore.

Neue Aufenthaltszone unter den Pilzdächern. Bild vergrössern
Neue Aufenthaltszone unter den Pilzdächern. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.
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