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Aussenrestaurierung der röm.-kath. Pfarrkirche Buchs

Die vom Zuger Architekten Hanns A. Brütsch 1965-67 errichtete katholische Kirche in Buchs wurde einer sorgfältigen Aussenrestaurierung unterzogen.

Die von 1965-1967 vom Zuger Architekten Hanns A. Brütsch errichtete katholische Kirche in Buchs gilt als sehr qualitätsvolles Beispiel für die skulpturalen Gestaltungsmöglichkeiten im béton brut. Der mit rauen Materialien gestaltete, expressive Kirchenraum mit der Ausstattung des Bildhauers Josef Rickenbacher und der Wandmalerei von Willy Helbling beeindruckt besonders mit seiner Lichtführung. Trotz einiger Veränderungen, wie dem Anstrich der Fassaden und dem Austausch einiger Fenster, hat der Bau sein ursprüngliches Erscheinungsbild behalten. Nach dessen kantonaler Unterschutzstellung 2013 wurden die Kirchenfassaden 2014/15 restauriert. Dabei wurde ein störender Anstrich aus den 1980er Jahren durch einen lasierenden Betonschutzanstrich ersetzt und verschiedene Verkleidungen entfernt.

Baubeschreibung

Bauzeitliche Aussenaufnahme um 1967. Bild vergrössern
Bauzeitliche Aussenaufnahme um 1967, © bruetscharchitekt.ch.

Die Kirche mit Kirchgemeinderäumen ist ein plastisch geformter Bau aus Sichtbeton, der sich spiralförmig in den Glockenturm emporschraubt. Er bildet mit dem Baukörper des Pfarrhauses zusammen eine Einheit. Der organische Grundriss nutzt geschickt den Niveauversprung des Geländes aus: An der Brummelstrasse steht der grössere Baukörper mit den öffentlicheren Funktionen der Kirche, der Kapelle und des Pfarreisaals. Etwas erhöht zur Brühlstrasse liegt der zweite, deutlich niedrigere, ein- bis zweigeschossige Baukörper mit Wohn- und Studierfunktionen u-förmig um einen Innenhof. Verbunden werden beide Gebäude durch einen Weg entlang einer Sichtbetonwand sowie durch die gleiche architektonische Gestaltung: Sowohl im Aussenbereich als auch im Kirchen- und Kapellenraum sind die Wände aus Sichtbeton und der Deckenbereich mit sägerohen, dunkel gebeizten Brettern verkleidet.

Bauzeitliche Innenaufnahme um 1967. Bild vergrössern
Bauzeitliche Innenaufnahme um 1967, © bruetscharchitekt.ch

Der Weg in die Kirche wird als spiralförmige promenade architecturale inszeniert: Von der Brühlstrasse erreicht man über eine einläufige Treppe den Vorhof, von dem aus auch der Weg zum Pfarrhaus abgeht. Von hier betritt man seitlich den Bau an seiner niedrigsten Stelle: Linker Hand liegt die Werktagskapelle, rechter Hand der Kirchensaal. In einem Bogen durch den Kirchenraum kommt man am Altar vorbei zum Tabernakel, worüber sich der Glockenturm befindet. Dessen fünf Glocken sind vom Künstler Willi Helbling aus Brugg (*1920) gestaltet und in der Glockengiesserei Rüetschi in Aarau gegossen worden.

Der polygonale Grundriss des Kirchenraums ist in etwa einem Oval eingeschrieben, der Altarbereich liegt an einer Längsseite. Betreten wird der Bau von einer Schmalseite. Die Wände sind aus Sichtbeton und insbesondere im Altarbereich plastisch gestaltet. Die kubisch gestaffelte Decke lagert im hinteren Rund tief über schlanken Betonsäulen. Zwischen Wand und Decke ist eine schmale Lichtfuge eingearbeitet. Da auch der obere Bereich der Wände im hinteren Teil der Kirche mit den sägerohen, dunkel gebeizten Brettern der Decke verschalt ist, entsteht der Eindruck, als wäre die Decke noch tiefer herabgezogen. Zum Altarbereich steigt die Decke nach oben hin an. Darin sind in unregelmässigen Abständen Oberlichter eingelassen, die wie Spots den Altarbereich erhellen.

Altarbereich von Josef Rickenbacher. Bild vergrössern
Altarbereich von Josef Rickenbacher. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Ein seitliches schlankes Fenster versorgt zusätzlich die Altarrückwand mit hellem Streiflicht, sodass sie in starkem Kontrast zum ansonsten dunklen Raum steht. Der zum Altarbereich leicht abfallende Bitumenboden trägt mit zur grottenartigen Stimmung des Raumes bei. Den Innenraum entwickelte Brütsch gemeinsam mit dem Bildhauer Josef Rickenbacher, Steinen (1925-2004). Der Bildhauer hat für den um zwei Stufen erhöhten Altarbereich Zelebrationsaltar, Kanzel und Tabernakel aus Naturstein entworfen.

Der Taufstein am Eingang sowie die Muttergottesstatue neben der Werktagskapelle stammen ebenfalls aus Rickenbachers Hand. Gegenüber dem Eingang steht die Orgel von Armagni & Mignot, Lausanne.

Lichtführung in der Kapelle, um 1967. Bild vergrössern
Lichtführung in der Kapelle, um 1967. © bruetscharchitekt.ch.

Die kleine, ebenfalls polygonale Werktagskapelle neben dem grossen Kirchenraum hat eine niedrige Decke, in die quadratische Oblichter in quadratischen Leuchten eingelassen sind. In deren geschlossener Mitte wiederum ist die künstliche Beleuchtung integriert. Entlang der Seitenwand stehen hölzerne Beichtstühle, die Altarwand mit Wandlasuren in Rot- und Gelbtönen ist vom Künstler Willi Helbling gestaltet. Die sowohl von der Kirche als auch von der Kapelle aus zugängliche Sakristei nimmt die expressive Gestaltung der Sakralräume auf und wird über Oberlichter erhellt. Die Kirchgemeinderäume im Untergeschoss sind nüchterner in ihrer Gestaltung, durch die Neigung des Geländes können sie über Fenster belichtet werden.

Restaurierung der 1980er Jahre

Aussenansicht vor der Restaurierung, 2009. Bild vergrössern
Aussenansicht vor der Restaurierung, 2009. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Mitte der 1980er Jahre, schon 20 Jahre nach der Erbauung der Kirche, wurden grosse Fassadenschäden entdeckt. Risse und Abplatzungen verlangten nach einer Renovation. 1988 wurde der Beton wieder instand gestellt und die Fassaden mit einer kunststoffgebundenen Farbe beigegrau gestrichen. Die vorgehängten Betonelemente wurden mit Glasfaser-Betonplatten (Cemfor) verkleidet und alle Dachränder mit Blechabdeckungen aus Kupfer-Titan-Zinkblech eingefasst. Damit wurde die skulpturale Erscheinung verunklärt und der Baucharakter stark beeinträchtigt.

Neue Schadensbilder

Knapp 20 Jahre nach dieser Renovation wurden neue Schadensbilder entdeckt: Rostbildung an mangelhaft überdeckten Armierungseisen führte zu Abplatzungen und Rissen. 2007 wurde das Büro CONCRETAG Beratende Bautechnologen AG beigezogen, welche diverse apparative Messungen durchführte. Dabei stellte man die Verwendung von zwei Betonsorten fest; für Sockelgeschoss und Turm wurde normaler Beton verwendet, für die beheizten Bereiche, wie Kirche und Pfarrhaus, kam Leca-Beton mit Blähtonzusatz für die bessere Dämmwirkung zur Anwendung. Bei umfassenden Untersuchungen wurde grundsätzlich eine gute Betonqualität festgestellt. Da aber über 60% der äusseren Bewehrungen eine ungenügende Betonüberdeckung mit weniger als den erforderlichen 30 mm aufwiesen, kam es im karbonatisierten Beton bei Wasser- und CO2-Eintritt zur Armierungskorrosion. Dies führte infolge der Volumenvergrösserung zu Betonabplatzungen. Die bestehenden Kittfugen enthielten polychlorierte Biphenyle (PCB), ein Schadstoff, der seit 2001 weltweit verboten ist. Der Bericht der CONCRETAG wies aus, dass der Zeitpunkt für eine umfassende Fassadenrestaurierung gekommen war. Das Renovationskonzept sah die Freilegung der korrodierten Bewehrung, eine Reprofilierung und eine Instandsetzung des Betons mit einem deckenden Farbauftrag vor, ähnlich wie bei der letzten Renovation von 1988.

Kantonale Unterschutzstellung 2013

Die Kantonale Denkmalpflege machte die Kirchenpflege auf den bedeutenden Kirchenbau aufmerksam, welche 2013 einen Antrag auf die Unterschutzstellung einreichte. Im gleichen Jahr konnte die Unterschutzstellung zum kantonalen Denkmalschutzobjekt vollzogen werden. Die Forderung der Kantonalen Denkmalpflege bestand darin, den Sichtbetoncharakter des ursprünglich skulpturalen Betonbaus wieder zu zeigen sowie sämtliche Bleche und Verkleidungen, die nicht aus der Bauzeit stammten, zu entfernen. Ausserdem wurde auf die Verwendung von mineralischen Produkten geachtet.

Restaurierungsmassnahmen 2014/15

Das Konzept wurde überarbeitet, neben der Instandsetzung der Tragsicherheit und Gebrauchstauglichkeit stand nun auch die bestmögliche Wiederherstellung des Originalzustandes im Vordergrund. Der bestehende Anstrich auf den Betonflächen sollte restlos entfernt werden ohne dabei die darunterliegende Zementhaut zu beschädigen.

Die CONCRETAG beurteilte eine Reprofilierung mit rein mineralischen Produkten als schwierig bis unmöglich, da die nachträglich eingebrachten Materialien "weicher" sein müssten als der ursprüngliche Beton. Der grösste Teil des Kirchenschiffes wurde aber in Leichtbeton (Leca) erstellt, welcher eine höhere Elastizität als klassischer Ortbeton aufweist.

Das Konzept wurde überarbeitet und nach weiteren Untersuchungen konnte eine Kompromisslösung mit mineralischen Produkten gefunden werden. Da der Lecabeton nicht frostbeständig ist, wurde die Oberfläche zusätzlich mit einer Hydrophobierung vor Feuchtigkeitseintritt geschützt.

Entfernung des Anstrichs. Bild vergrössern
Entfernung des Anstrichs. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Auf der gesamten Sichtbetonfläche von ca. 2‘800 m2 musste zunächst der Anstrich von 1988 entfernt werden. Mit verschiedenen rotierenden und starren Düsenspitzen sowie unterschiedlicher Druckausübung und Strahlmitteln wurde experimentiert, um ein Verfahren zu finden, welches die Farbe entfernt, aber die Betonhaut nicht verletzt. Das substanzschonendste Resultat wurde mit dem Torbo-Strahlverfahren erreicht, mit einem Mikrosilikat, welches mit genau dosierter Wassermenge und mit genau definiertem Druck an die Wand geschleudert wurde. Somit konnte der bestehende Anstrich schonend entfernt werden.

Rostende Armierungseisen. Bild vergrössern
Rostende Armierungseisen. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Nach einer Oberflächenreinigung mit Wasser wurde die Lage der Armierungseisen mit verschieden starken Magneten ermittelt. Dazu wurden an jeder Fassadenseite verschiedene Spitzfenster erstellt, die über den Zustand der Eisen je nach Lage im Beton Aufschluss gaben.

Korrosionsschutz. Bild vergrössern
Korrosionsschutz. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Anschliessend erfolgte die Freilegung der schadhaften Armierungen bis zum „gesunden" Eisen. Die Rostentfernung erfolgte durch Schleifen. Darauf wurde - ähnlich einer Imprägnierung - der Korrosionsschutz als Haftbrücke aufgebracht.

Geschenk zum 150-Jahre-Jubiläum

Werner Ryter

In einer zweijährigen Aussenrestaurierung wurde das ursprüngliche Antlitz der Kirche St. Johannes der Gegenwart wieder präsent gemacht. Die Kirche hat eine neue Übersichtlichkeit gewonnen und ist zu einer markanten Konstante in der sich stetig verändernden Dorfstruktur geworden. Voraussetzung für die gelungene Sanierung und Erneuerung des kantonalen Schutzobjekts war die erspriessliche Zusammenarbeit zwischen ausführenden Fachleuten, den Behörden der Kirchenpflege und nicht zuletzt das vermittelnde Mentoring der Kantonalen Denkmalpflege.

Werner RyterPräsident Baukommission Sanierung und Erneuerung
Reprofilierung des Betons. Bild vergrössern
Reprofilierung des Betons. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Die Reprofilierung des Betons mit mineralischem Mörtel geschah etappenweise, die Oberfläche wurde nach der bestehenden Breitstruktur, z.T. mit rohen Tannenbrettern wiederhergestellt. So versuchte man der Originalstruktur des béton brut möglichst nahe zu kommen. Nach genügender Austrocknung des Auftrags wurde die ganze Betonoberfläche mit einer Zementschlämme, als Poren-Lukernverschluss flächenbündig überzogen, ohne dass die vorhandene Brettstruktur verloren ging.

Musterflächen, links und rechts mit unterschiedlichen Lasuranstrichen. Bild vergrössern
Musterflächen, links und rechts mit unterschiedlichen Lasuranstrichen. © CONCRETAG.

Anschliessend mussten die Oberflächen von Feuchtigkeit geschützt werden, damit keine optisch störenden Kalkausblühungen entstanden. Als nächster Arbeitsgang erfolgte die Hydrophobierung der gesamten Oberflächen mit einem Sprühverfahren. Für den anschliessenden pigmentierten Lasuranstrich wurden diverse Musterflächen erstellt. Der zweimalige Lasuranstrich wurde für ein einheitliches Bild mit Rollen aufgetragen. Mit dieser mehrschichtigen Behandlung wird der Sichtbeton von Wasser- und CO2-Eintritt geschützt, welche Schäden am Bauwerk verursachen.

Nach der Restaurierung 2015. Bild vergrössern
Nach der Restaurierung 2015. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Die Johanneskirche in Buchs ist in ihrer Materialwahl ein charakteristisches Zeugnis ihrer Zeit. Dank der Restaurierung der Betonfassaden, bei welcher der Anstrich der 1980er-Jahre entfernt wurde, erhielt sie ihre starke skulpturale Erscheinung des béton brut zurück.

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