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Von der Schmiede zum "Werkk"

Die Stadtgestalt von Baden ist bis heute durch die Bauten der Firma Brown, Boveri & Cie (BBC) geprägt. Im Zuge des Strukturwandels veränderte das ehemalige Industriegebiet Baden Nord sein Gesicht. Hiervon zeugt auch die 2015 vollendete Umnutzung der Alten Schmiede zum "Werkk Kulturlokal".

Als Charles Brown und Walter Boveri 1891 in Baden die Firma BBC gründeten, war nicht absehbar, dass zwischen Altstadt und Bäderquartier innert kurzer Zeit eine Fabrikstadt entstehen würde. Einst eine "verbotene Stadt" hat sich das Areal nach der Fusion von BBC mit der ASEA zur ABB seit 1988 stark gewandelt. Mit den neuen Nutzungen im Areal und damit auch neuen Nutzenden mit neuen Bedürfnissen setzte eine Diskussion über die Transformation der Alten Schmiede ein, die am Nordrand des ehemaligen Fabrikareals situiert ist und heute inmitten von Bauten für die Bildung steht.

Ein Fachwerkbau aus Eisen und Sichtbackstein

Alte Schmiede in Baden vor dem Umbau, Aussenbau. Bild vergrössern
Alte Schmiede in Baden vor dem Umbau, Aussenbau. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Die Alte Schmiede, ein Fachwerkbau aus Eisen und Sichtbackstein, wurde 1906 nach Plänen der Firma Wartmann und Valette (Brugg) erstellt. Sie ist eines der wenigen erhaltenen Fabrikgebäude aus der ersten Bauetappe der BBC. Die Haupthalle hat eine Grundfläche von rund 50 x 18,50 Metern und gibt mit ihrer durchlaufenden Firstlaterne von ihrer ursprünglichen Nutzung Zeugnis. Kohlelager, Kesselhaus und Eisenmagazin waren auf der südöstlichen Längsseite in einem eingeschossigen Anbau untergebracht.

Alte Schmiede in Baden vor dem Umbau, Innenraum. Bild vergrössern
Alte Schmiede in Baden vor dem Umbau, Innenraum. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Dass Hallen flexible Nutzungen erlauben, zeigt sich auch hier. Seit 1990 wurde die ehemalige Schmiede als Lagerhalle genutzt und bereits 2002 eine Umnutzung zur Aktionshalle diskutiert. 2010 übernahm die Stadt Baden die Halle und schrieb 2011 einen Wettbewerb für deren Sanierung und Umnutzung zum Jugendkulturzentrum aus, den Ladner Meier Architekten, Zürich/Kopenhagen, gewannen. Die parallel erfolgte kantonale Unterschutzstellung beschränkte sich auf die Haupthalle, um einerseits die Altlastensanierung zu erleichtern und anderseits Freiräume für die neuen Nutzungen offen zu lassen. Mit den Baumassnahmen konnte 2013 begonnen werden und im September 2015 wurde das "Werkk Kulturlokal" eröffnet.

Industriecharme und Jugendkultur

Alte Schmiede in Baden nach dem Umbau, Aussenbau. Bild vergrössern
Alte Schmiede in Baden nach dem Umbau, Aussenbau. © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Ladner Meier Architekten war es ein Anliegen, nicht nur die historische Substanz, sondern auch den Industriecharme der Halle bestmöglich zu erhalten und ihn als Ausgangspunkt für die neuen Interventionen zu nehmen. Die eindrücklichen Dimensionen der Halle sind auch nach der Umnutzung erlebbar, denn der neue Einbau konzentriert sich bewusst auf drei von insgesamt zehn Fachwerkachsen. Das Bühnenhaus ist ein reversibles Haus-im-Haus, das mit seiner Gestaltung und Materialisierung eine zeitgenössische Antwort auf den Bestand gibt. Es verbindet sich im Äusseren mit einem selbstbewussten turmartigen Neubau, der eine Beiz und ein Atelier beherbergt, sowie einem neu geschaffenen Freiraum. Der Neubau bezieht sich mit seinen Fassadenelementen aus Guss auf die einstige Funktion der Alten Schmiede als Produktionsstätte. Sein Dach trägt das Kunstwerk "Funken Flunkern" von Sonja Feldmeier.

Authentizität, Altersspuren und Altlasten

Alte Schmiede in Baden nach dem Umbau, Innenraum. Bild vergrössern
Alte Schmiede in Baden nach dem Umbau, Innenraum. © Kantonale Denkmalpflege Aargau, Christine Seiler.

Altersspuren, die Authentizität vermitteln und als Patina erhaltenswerter Teil der Geschichte eines Bauwerks sind, können bei Industriebauten kontaminierte Relikte der einstigen Nutzung sein und damit ein Fall für die Altlastensanierung werden. Baulich kann dies Chancen eröffnen; so wurden im Bereich der neuen Freifläche die notwendigen Aushubarbeiten genutzt, um unterirdische Musikproberäume zu schaffen. Denkmalfachlich bedingt solch eine Gemengelage zumeist eine Gratwanderung. Manches, was substanziell den Industriecharme ausmachte, musste geopfert und ersetzt werden wie z. B. der Wandverputz bis auf eine Höhe von 3 Metern. Substanz und Ausdruck anderer Teile – vom gereinigten und neu mit einem Ölanstrich geschützten Eisenfachwerk über die bauzeitlichen Dachziegel der Basler Firma Passavant-Iselin bis zu den Leuchten – konnte erhalten werden. Die postindustriellen Rauchschwaden entsteigen heute zwar der Nebelmaschine auf der Bühne, aber die Alte Schmiede hat den Strukturwandel nicht nur überlebt, sondern mit ihrer Umnutzung zum Jugendkulturzentrum im gewandelten Umfeld auch eine zukunftsträchtige neue Funktion gefunden.

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