Baden

Die Badener Bäder: 2000 Jahre Badekultur

Blick auf das Badener Bäderquartier. Bild vergrössern
© Kanton Aargau; Foto Béla Polyvàs

Dort, wo die Limmat in der Klus zwischen Lägern und Martinsberg in einer markanten Biegung, dem „Limmatknie“, nach Westen abbiegt, entspringen beiderseits des Flusses 47°C heisse Thermalquellen – und hier liegt der eigentliche Ursprung der Stadt Baden.

Aquae Helveticae

Das rekonstruierte römische Aquae Helveticae Bild vergrössern
© Stadtgeschichte Baden/ikonaut: Das rekonstruierte römische Aquae Helveticae

Den Grundstein für die bis heute andauernde Badekultur legen die Römer, welche kurz nach der Zeitenwende mit dem Bau grosser Thermenanlagen (öffnet in einem neuen Fenster) beginnen. Die Thermenanlage umfasst mehrere grosse Bassins sowie – für Heilbäder typisch – kleinere Einzelwannen. Unterkunftsgebäude bieten den teilweise von weit her und für einen längeren Aufenthalt angereisten Gästen ein Obdach. Im Bereich der Quellen sind zudem Brunnenanlagen und Quellheiligtümer zu vermuten.

Auf dem Plateau oberhalb der Bäder, entlang der heutigen Römerstrasse und im Gebiet des Kurparks sowie rechts der Limmat in Ennetbaden entsteht die Siedlung von Aquae Helveticae. Eine hölzerne Brücke verbindet die beiden Flussufer.

Blick auf die Ausgrabung Limmatknie in Baden. Bild vergrössern
Foto Kantonsarchäologie Aargau: Blick auf die Ausgrabung Limmatknie in Baden. Freigelegt sind die römischen Badeanlagen.

Während die Siedlung ab dem 3. Jh. n. Chr. an Bedeutung verliert, erfolgt in den Thermen in der Spätantike (4. Jh.) ein Ausbau der Infrastruktur. Es ist zu vermuten, dass die Bäder nun den Siedlungskern bilden. Ausserdem ist davon auszugehen, dass zumindest ein Teil der römischen Bäder auch im Frühmittelalter (5/6. bis 9. Jh.) weiterhin in Betrieb war.

Blick auf die mittelalterlichen Mauern im Badegasthof Ochsen. Bild vergrössern
Foto Kantonsarchäologie Aargau: Blick auf die mittelalterlichen Mauern im Badegasthof Ochsen.

Das Modebad Europas

Im 11. Jahrhundert ist ein Ausbau der Bäder zu fassen: aufgelassene und neue Quellen werden gefasst, erste Badehäuser und Unterkünfte entstehen.

Zur Zeit der Habsburgischen Herzöge und Könige sind die Badener Bäder ein beliebter und in zahlreichen Schriften beschriebener Aufenthaltsort von kirchlichen und weltlichen Fürsten aus ganz Europa. Die Tradition als Badeort – und die wichtige Funktion von Heilbädern als Bühnen informeller Treffen der Mächtigen – dürfte nicht unwesentlich zur Wahl Badens als bevorzugter Versammlungsort der Eidgenössischen Tagsatzung (öffnet in einem neuen Fenster) beigetragen haben.

Die Blüte Badens als Modebad Europas dauert bis ins 17. Jh. Vor dem Hintergrund der Wirren der Reformationskriege, aber auch des gesellschaftlichen Wandels und sich verändernder Hygiene- und Moralvorstellungen verliert Baden – wie zahlreiche andere Thermalbäder in Europa auch – an Bedeutung. Die Infrastruktur entspricht je länger je weniger nicht mehr den Anforderungen der Zeit.

Prospekt Grand Hotel Baden von 1908 Bild vergrössern
Prospekt Grand Hotel Baden von 1908 (StaB N.7.199)

Der Weltkurort der Belle Epoque

Im 19. Jahrhundert erfasst der neu erwachte Bäderboom auch Baden. Zwischen 1830 und 1845 entstehen die heute noch bestehenden Hotels Limmathof, Schiff, Freihof und Verenahof. Die beiden noch in römischen Bassins eingerichteten öffentlichen Bäder auf dem Bäderplatz werden aufgegeben, das neue Armenbad nimmt sich nun den Bedürftigen an.

In den 1870er-Jahren erleben die Bäder nochmals einen Ausbau: mit dem Grand Hotel entsteht ein mondänes Hotel – vermutlich das erste über elektrisches Licht verfügende Gebäude im Schweizer Mittelland!

In dieselbe Zeit fällt der Bau des Kursaals (heute Grand Casino) und des Kurparks sowie der Bau des heute noch erhaltenen Atriums und Saaltrakts des Hotels Blume.

Während in dieser Zeit andere Badeorte wie Baden-Baden (Deutschland) oder Vichy (öffnet in einem neuen Fenster) (Frankreich) zu eigentlichen Weltbädern und damit "Sommerhauptstädten" aufstiegen, blieb der Aufschwung in Baden bescheiden; das Publikum war etwas weniger schillernd als in den genannten Orten.

Blick ins Thermalbad von Otto Glaus Bild vergrössern
Blick ins Thermalbad von Architekt Otto Glaus (Archiv ETHZ).

Das Ende der Bäderherrlichkeit

Der Erste Weltkrieg setzt der Bäderherrlichkeit in ganz Europa ein abruptes Ende. In der Zwischenkriegszeit wandelt sich das Publikum zunehmend vom traditionellen Kurgast zum Patienten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Baden ein Ort der Rehabilitation.

Mit dem Bau des Thermalbades von Architekt Otto Glaus (öffnet in einem neuen Fenster) entsteht 1963/64 erstmals ein öffentliches Thermalhallenbad. Die modernisierte Infrastruktur wird durch den Neubau eines Hotels und Ärztehauses an Stelle des alten Staadhofs 1967/1698 ergänzt.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jh. geraten die Bäder abermals in eine Krise. Verschiedene Hotels und das in den 1960er-Jahren erbaute Thermalbad schliessen für immer.

Aktuell befinden sich die Bäder an der Schwelle zu einer Entwicklung, die unter den Zeichen von Wellness, Wellbeing und Rehabilitation dem einst berühmtesten Badeort und ersten Tourismusmagneten der Schweiz eine neue Blüte verschaffen soll.

Die neue Therme von Mario Botta

Anfang 2017 haben die Bauarbeiten für das neue, von Architekt Mario Botta (öffnet in einem neuen Fenster)gestaltete Thermalbad begonnen, und das Bäderquartier befindet sich im Moment in einem markanten Wandel. Die Eröffnung der neuen Therme ist für 2019 vorgesehen. Mit den Neubauten sollen auch verschiedene archäologische Objekte, so die Ruine eines römischen Bades in die Neubauten integriert werden.

In den kommenden Jahre wird die Grossbaustelle für die neue Therme und den Umbau der historischen Hotels Verenahof, Ochsen und Bären zu einer Rehabilitationsklinik das Bild der Bäder auf Badener Seite prägen.

Blick ins Atrium des Hotels Blume in Baden. Bild vergrössern
Blick ins Atrium des Hotels Blume in Baden (© Hotel Blume)

Besucherinformationen - Wo Badener Bädergeschichte und Thermalwasser erlebt werden kann

Die Badener Bäder in Bildern

  1. Der Grosse Heisse Stein bei Freilegungsarbeiten im Jahr 1967
    Ausgrabung 1967
  2. Blick auf die Ausgrabung Hinterhof in Baden 2009, im HIntergründ der Gasthof Bären.
    Ausgrabungen 2009
  3. Die Ausgrabung Limmatknie im Jahr 2011.
    Ausgrabungen 2011
  4. Ausgegrabene Fläche mit einem runden Schacht in der Mitte.
    Mittelalterliches Kesselbad
  5. Ein Stich von Baden.
    Merian-Stich von Baden 1621−1632
  6. Das Verenabad auf einem Gemälde von Ludwig Vogel um 1820.
    Das Verenabad um 1820
  7. 17 Männer im Gruppenbild mit Portieruniform.
    Gewappnet für die Saison
  8. Alte Postkarte mit Blick auf Baden.
    Baden 1903
  9. Der Saal des Hotels Verenahof im Jahr 1923.
    Speisesaal des Verenahofes 1923

Burgruine Stein

Blick auf die Burgruine Stein Bild vergrössern
© Kanton Aargau; Foto: Béla Polyvàs

Die Burg Stein auf dem Schlossberg bei Baden ging vermutlich aus einer frühmittelalterlichen Fluchtburg hervor. Die hochmittelalterliche Adelsburg, die im 11. Jahrhundert die mutmassliche Fluchtburg ablöste, war eine Gründung der Grafen von Nellenburg oder ihrer Rechtsnachfolger der Grafen von Lenzburg. Beim Aussterben der Lenzburger 1172 gelangten die Burg, das Dorf Baden und die Heilquellen im Bäderquartier an die Grafen von Kyburg. Um 1240 legten sie am Fuss des Schlossbergs eine befestigte Marktsiedlung an. Die Habsburger, die 1273 das Erbe der Kyburger antraten, erhoben um 1290 die Marktsiedlung zur Stadt.

Unter den Habsburgern diente die Burg Stein das Verwaltungszentrum der Vorlande. Hier residierte der Landvogt und in seinem Archiv lag neben diversen Urkunden auch das berühmte Habsburger Urbar.

Zerstörung der Burg

Bei der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen 1415 wurde Baden belagert und die Burg zerstört. Erhalten geblieben sind Teilstücke der Ringmauer, dem Felsen ausgehauene Fundamentlager von Gebäudemauern, dürftige Mauerreste eines wehrhaften Palas auf dem höchsten Geländepunkt und östlich davon ein kleiner Wachtturm. Letzterer war der einzige weiterhin unterhaltene Bau, der 1497 um eine Wendeltreppe vergrössert und um eine neue Wächterstube erhöht wurde.

Erneuter Ausbau

Nach der Niederlage der Reformierten im 1. Villmergerkrieg 1656, beschloss man im katholischen Baden, die Burgruine auf dem Schlossberg zur modernen Artilleriefestung auszubauen. Die exponierte West- und Südseite wurden durch fünfeckige Bastionen und einer starken Wallmauer gesichert. Auf dem höchsten Geländepunkt erstellte die Bürgerschaft ein Kernwerk, bestehend aus einer Bastion, einem Turm und dem Wohnhaus des Kommandanten. Auf einer tieferliegenden Geländestufe südlich und südwestlich des Kernwerks standen Kasernen und Zeughäuser.

Im 2. Villmergerkrieg 1712 wurde Baden von den Zürchern und Berner belagert. Nach kurzer Beschiessung ergaben sich die Besatzungen der Stadt und der Festung. Die Truppen durften abziehen, die Badener wurden bestraft und die Festungswerke geschleift.

Blick auf die Burgruine Stein Bild vergrössern
© Kanton Aargau; Foto: Béla Polyvàs

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