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Kaisten-Herrengasse

Von Juni bis Juli 2014 untersuchte die Kantonsarchäologie Aargau ein Areal an der Herrengasse in Kaisten. Eine überraschende Zahl an Schichten aus mehreren Jahrtausenden wurde dokumentiert. Demnach wurde 6000 Jahre lang in Kaisten gesiedelt.

Blick auf die Ausgrabung in Kaisten. Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Blick auf die Ausgrabung in Kaisten.

In Kaisten entsteht eine Bebauung mit fünf Mehrfamilienhäusern. Das Bauareal ist rund 2600 Quadratmeter gross, 1800 Quadratmeter davon wurden archäologisch untersucht. Im übrigen Bereich wurden Siedlungsüberreste während der Baggerarbeiten dokumentiert.

Archiv im Boden

Die Böden des Fricktals sind unter Archäologen dafür bekannt, dass sie die Hinterlassenschaften früherer Bewohner der Gegend besonders gut versiegeln. Für die meisten Epochen sind die archäologischen Funde die einzige Informationsquelle zum Leben in diesen Zeiten.

Häufig finden sich in Baugruben ein oder zwei Erdschichten, in denen mittelalterliche, römische oder vorgeschichtliche Funde liegen. Kaisten ist die Ausnahme: Eine solche Situation hat es im ganzen Kanton noch nicht gegeben. Hier liegen archäologische und natürliche Schichten aus mindestens vier Jahrtausenden bis zu vier Meter hoch übereinander.

Schichten über Schichten

Ausgräber dokumentieren das über 4 Meter hohe Erdprofil.
© Kantonsarchäologie Aargau: Ausgräber dokumentieren das über 4 Meter hohe Erdprofil.

Nicht weniger als 18 verschiedene Erdschichten wurden von Spezialisten der Universität Basel identifiziert. Teils handelt es sich um Lehm, der von langsam fliessendem Wasser abgelagert wurde, teils um Kalkschotter. Er wurde von den Bewohnern herbei geschafft, damit ihr Dorf bei Regenwetter nicht im Morast versank.

Die natürlichen Schichten liegen im Wechsel mit fünf archäologischen Fundschichten. Diese "Kulturschichten" enthalten nicht nur Funde sondern auch Reste von Baustrukturen. Sie können von den Archäologen als Hausgrundrisse, Wege, Hofbefestigungen und Entwässerungsgräben gedeutet werden.

Jahrtausende auf einem Platz

Pfostenlöcher zeugen von einem einstigen Holzbau. Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Pfostenlöcher zeugen von einem einstigen Holzbau.

Unter 1,40 Meter Lehm und Humus, die sich vom Früh- bis Hoch- und Spätmittelalter abgelagert hatten, kam als jüngste Bebauung der Grundriss eines zirka 7 x 9 Meter grossen römischen Holzhauses mit einem Kalkschotter-Boden zum Vorschein. Dieser Pfostenbau stammt aus den ersten Jahrzehnten n. Chr. und wurde durch einen geschotterten Weg erschlossen. Solche frühe römische Holzbauten sind sehr selten, da ihre Spuren normalerweise durch jüngere römische Steinbauten zerstört wurden.

Noch seltener sind die Funde aus einer Kulturschicht, die 40 Zentimeter tiefer ausgegraben wurde. Es handelt sich um die älteste, auf der Drehscheibe hergestellte Keramik, die wir in der Region kennen. Sie stammt vom Beginn der späten Eisenzeit und kam um 450 v. Chr. in den Boden. Einige Pfostengruben zeigen, dass auch damals hier ein Haus stand.

Bronzezeitliche Feuerstelle. Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Bronzezeitliche Herdstelle mit HItzesteinen, die zum Garen verwendet wurden.

Überreste aus der Bronzezeit

In 2,50 Meter Tiefe liegt ein geschotterter Platz, den ein Entwässerungsgraben bogenförmig umgibt. Diese Strukturen stammen vom Rand eines Dorfes aus der späten Bronzezeit um 800 v. Chr.

Die massive spätbronzezeitliche Schotterung überdeckt eine noch ältere, mittelbronzezeitliche Kulturschicht (um 1500−1300 v. Chr.). Neben einer grossen Menge an Funden fanden sich mehrere Feuerstellen und Spuren von Pfostenbauten. Ein Brand muss einen Teil der Siedlung zerstört haben. Viel Brandabfall und zerstörte Vorratstöpfe wurden daraufhin in einem Graben am Rand der Siedlung entsorgt.

Zwei noch ältere Schichten mit Anzeichen menschlicher Aktivität liegen 3,5 bis 4 Meter unter dem heutigen Terrain. Ihr Alter konnte aber bisher nicht bestimmt werden. Steinbeile, die in der bronzezeitlichen Schicht entdeckt wurden, zeigen aber, dass hier oder ganz in der Nähe ab etwa 4000 v. Chr. Menschen gesiedelt haben müssen.

Schmuckstück und Luxusgeschirr

Eine Nadel aus der Bronzezeit Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Eine Nadel aus der Bronzezeit

Eine etwa 3500 Jahre alte Bronzenadel ist für die Archäologen ein besonderer Glücksfall. Nur selten finden sie so schöne Stücke, die in einer Siedlung verloren gingen.

Auch die fast 2500 Jahre alten Scherben der scheibengedrehten Schalen und Schüsseln sind so ein Glücksfall. Sie wurden wahrscheinlich am Kaiserstuhl in der Region Freiburg im Breisgau hergestellt. Es sind die ersten Funde dieser Art im Aargau.

Mächtiges Schichtpaket, davor die Ausgräber im Verhältnis ganz klein. Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Ein mächtiges Schichtpaket von über vier Metern − Einmalig im Kanton Aargau.

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