Rheinfelden

Die römischen Wachtürme am Rhein

Karte mit den römischen Wachtürmen entlang des Rheins. Bild vergrössern

Nach der Aufgabe des Obergermanisch-Raetischen Limes wurde die Militärgrenze im Norden des Römischen Reiches an die Flüsse Rhein, Donau und Iller zurückgenommen. Diese bildeten ab 260 n. Chr. die Grenze zwischen dem imperium romanum und dem Gebiet der germanischen Stämme (Alamannen, Juthungen, Franken). Nach einer ersten Ausbauphase im späten 3. Jh. und in der 1. Hälfte des 4. Jh. n. Chr. liess Kaiser Valentinian (364 – 375 n. Chr.) in einer zweiten Phase rund 50 Wachtürme und andere militärische Anlagen zwischen Basel und Bodensee errichten.

Im Winter 401/402 n. Chr. wurden die meisten Soldaten von der Rheingrenze abgezogen, um in Italien die eingefallenen Westgoten zu bekämpfen. Die Wachtürme wurden aufgegeben und verfielen.

Entdeckungsgeschichte

Der Wachturm wurde um 1900 vom Pfarrer Sebastian Burkart entdeckt und beschrieben. 1902 führte er mit Theophil Burkhardt-Biedermann und Guido Hunziker-Habich erste Grabungen durch. Weitere Grabungen erfolgten 1910 durch den Basler Juristen und Archäologen Karl Stehlin. 1938/39 wurde die Turmruine unter der Leitung von Anton Senti und Albert Matter freigelegt und konserviert. Die letzten Dokumentations- und Sanierungsarbeiten erfolgten 2016 und 2017.

Römischer Wachturm Rheinfelden-Pferrichgraben Bild vergrössern
Der Wachtturm vor Abschluss der Konservierung von 1938. Im Fundamentbereich sind die nicht mehr sichtbaren Hohlräume der Holzarmierung zu erkennen. Die Mauerkrone wurde damals mit Asphalt abgedeckt, um das antike Mauerwerk vor eindringendem Regenwasser zu schützen. © Fricktaler Museum Rheinfelden.

Lage des Wachturms

Der Wachturm liegt am Rand einer steilen Böschung. Der Ort bot gute Sicht auf die gegenüberliegende Uferzone und die Ausläufer des Schwarzwalds. Des Weiteren bestand Sichtverbindung zu den benachbarten Wachtürmen.

Baubefund

Das Mauerwerk des einst wohl 6–7 m hohen Wachturms besteht aus zugerichteten Kalkbruchsteinen. Die im Mauerschutt gefundenen Architekturteile bezeugen, dass der Turm mit Lichtscharten (Fenstern) ausgestattet war. 1938 wurden im (heute nicht sichtbaren) Fundamentbereich runde Hohlräume beobachtet. Sie stammen von vermoderten Rundhölzern, welche verbaut wurden, um Steinmaterial und Mörtel zu sparen. Diese Armierung bewirkte zudem, dass das aus Kalkmörtel und Steinabschlägen bestehende Gussmauerwerk (opus caementitium (öffnet in einem neuen Fenster)) schneller trocknete und aushärtete. Der noch sichtbare Wehrgraben konnte nur im Norden nachgewiesen werden.

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Das im Historischen Museum Basel ausgestellte Rekonstruktionsmodell des munimentum robur (Befestigungsbau) in Kleinbasel veranschaulicht die Armierung mit Rundhölzern.

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