Fundstellen

Die Kantonsarchäologie erfasst und kartiert die archäologischen Fundstellen des Kantons Aargau. Über 3000 Fundstellen sind derzeit bekannt. Und es werden immer mehr.

Jedes Jahr entdecken Archäologen, Bauleute und Private zahlreiche neue archäologische Fundstellen im Kanton Aargau. Heute sind es über 3000 – darunter so bedeutende wie Möhlin mit seinen steinzeitlichen Faustkeilen (öffnet in einem neuen Fenster), Vindonissa mit dem einstigen römischen Legionslager, Kaiseraugst mit dem spektakulären Silberschatz (öffnet in einem neuen Fenster)oder die Habsburg – Ausgangspunkt des grössten je existierenden Weltreiches. Der Aargau ist der Archäologie-Kanton in der Schweiz!

Landschaftsgeschichte des Aargaus

Grafik mit Trend Baudynamik und KOsten Archäologie. Bild vergrössern
Gegenläufige Trends: Vergleich der jährlichen Bauinvestitionen mit den Ausgaben für Archäologie im Aargau. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau

Insbesondere der anhaltende Bauboom mit der Verdichtung der Siedlungszentren und die grossflächige landwirtschaftliche Nutzung des Kulturlandes bringen vermehrt bedeutende archäologische Überreste zum Vorschein. Alle diese Fundstellen werden im Inventar der archäologischen Hinterlassenschaften des Kantons Aargau erfasst.

Je umfangreicher die Anzahl der archäologischen Fundstellen und der damit verbundenen Erkenntnisse, desto mehr lässt sich über die Siedlungs- und Landschaftsgeschichte des Kantons und seiner Regionen und Gemeinden aussagen. Die Geschichte lässt die heutigen Bewohner des Aargaus verstehen, wie ihre Heimat über die Jahrtausende auf unterschiedliche Weise genutzt worden ist und in Zukunft geplant und entwickelt werden kann.

Das Bodenarchiv

Profil mit archäologischen Schichten. Bild vergrössern
Schichtenprofil im römischen Legionslager von Vindonissa (Spillmannwiese): Das Bodenarchiv. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau

Der Boden ist wie ein riesiges Archiv: Vieles was die Menschen früher hinterlassen haben, hat im Boden überdauert. Zu den vielen Epochen ohne schriftliche oder bildliche Überlieferung sind die Spuren im Bodenarchiv die einzige Informationsquelle.

Mauern, Steinsetzungen und Erdverfärbungen zeigen, wo und wie gebaut worden ist. Essensreste informieren über den damaligen Speiseplan. Heute ist es sogar möglich, Holzbalken zu datieren und Knochen genetisch zu analysieren. So erhalten wir Informationen über Alltag, Lebensgewohnheiten, Herkunft, Aussehen und sogar der Krankheiten der Menschen, die früher in der Gegend des Aargaus lebten.

Nicht ausgraben, sondern schützen

Ausschnitt aus der Fundstellenkarte des Kantons Aargau im LiDAR-Bild. Bild vergrössern
Unterlunkhofen auf der Fundstellenkarte des Kantons Aargau. Rot eingezeichnet sind die Fundstellen. Gelb eingekreist sind die denkmalgeschützten Grabhügel im Bärhau (Fundstelle 59(A)1). Bild: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau

"Die beste Ausgrabung ist diejenige, die nicht stattgefunden hat." Dieses geflügelte Wort unter Archäologen zeigt das oberste Ziel der Kantonsarchäologie Aargau sowie aller anderen archäologischen Dienste in der Schweiz (öffnet in einem neuen Fenster): Die archäologische Substanz zu schützen – denn eine Ausgrabung ist immer auch eine Zerstörung.

Im Aargau steht ein kleiner Teil der archäologischen Stätten unter kantonalem Denkmalschutz, so beispielsweise mehrere urgeschichtliche Grabhügelfelder wie dasjenige im Bärhau bei Unterlunkhofen oder zahlreiche Ruinen wie das Amphitheater von Windisch oder die Burgruine Schenkenberg in Thalheim.

Wenn nicht schützen, dann ausgraben

Wenn ein Schutz allerdings nicht möglich ist, so dokumentiert die Kantonsarchäologie die Fundstelle nach Möglichkeit mittels einer fachkundigen archäologischen Ausgrabung oder Bauuntersuchung , bevor sie unwiederbringlich zerstört wird. Leider können wegen beschränkter Mittel nicht alle bekannten Fundstellen vor ihrer Zerstörung ordentlich dokumentiert werden, so dass die Kantonsarchäologie Schwerpunkte zu setzen hat.

Ein Bauvorhaben bedeutet meist auch einen Eingriff in das Bodenarchiv. Damit eine allfällige archäologische Untersuchung vorausschauend und effizient geplant werden kann, muss die Kantonsarchäologie in die Vorplanungs- und Gesuchsverfahren einbezogen werden. Dafür haben die Gemeindebehörden die kommunalen Nutzungspläne zu konsultieren und das Gesuch über die Abteilung für Baubewilligungen der Kantonsarchäologie zu überweisen. Diese prüft dann, ob das Bauprojekt archäologische Substanz beeinträchtigt und erlässt in diesem Fall zu Handen der Bauherrschaft Auflagen. In der Regel sind das je nach Ausgangslage:

  • termingerechte Meldung des geplanten Baubeginns an die Kantonsarchäologie
  • eine vorausgehende Sondierung zur Abklärung der archäologischen Situation
  • eine archäologische Ausgrabung vor Baubeginn
  • oder eine baubegleitende Untersuchung
  • Meldepflicht von archäologischen Funden

Der Mythos Bauverzögerung

Gemäss Kulturgesetz des Kantons Aargau sind diese Auflagen verpflichtend. Die Bauherrschaft verschafft sich mit der Einhaltung der Auflagen Planungssicherheit. Damit bleibt die landläufig geäusserte Furcht vor archäologiebedingten Bauverzögerungen das, was sie in der Regel auch in der Realität ist – unbegründet.