Prospektion: Forschen in Boden, Luft und Wasser

Noch lange sind nicht alle archäologischen Hinterlassenschaften des Kantons Aargau bekannt. Ihre Kenntnisse erweitert die Kantonsarchäologie mithilfe der Prospektion – Grundlagenforschung im Boden, im Wasser und aus der Luft.

Derzeit sind über 3'000 archäologische Fundstellen im Kanton Aargau bekannt. Diese Zahl nimmt stetig zu, da durch Bodeneingriffe infolge des Baubooms und den daraus resultierenden Ausgrabungen und Bauuntersuchungen immer mehr Fundstellen entdeckt werden. Aber auch durch die sogenannte Prospektion, also die zerstörungsfreie Entdeckung oder Erkundung archäologischer Stätten, ergänzen die Archäologinnen und Archäologen die Fundstellenkarte.

Mithilfe der Prospektion kann die Kantonsarchäologie noch unbekannte archäologische Stätten lokalisieren und deren Ausdehnung erfassen. Und je besser die Wissenschaftler Bescheid wissen über die archäologischen Fundstellen des Kantons Aargau, desto besser lassen sich Ausgrabungen planen, wenn sie nötig werden.

Prospektion am Boden

Die einfachste Methode der Prospektion ist die Feldbegehung. Hierbei sucht man von blossem Auge nach archäologischen Objekten. Besonders auf gepflügten oder brach liegenden Feldern sind solche Funde gut zu erkennen. Auch in offenen Baugruben sind archäologische Strukturen gut sichtbar. Mitarbeiter der Kantonsarchäologie werfen deshalb regelmässig einen Blick in Bodeneingriffe wie Baugruben. Dies ist die wichtigste Form der Prospektion für die Kantonsarchäologie.

Die Kantonsarchäologie arbeitet zudem mit freiwilligen Prospektoren zusammen. Oft sind diese auch mit dem Metalldetektor unterwegs. Das ist eine fruchtbare Zusammenarbeit. Die Detektorgänger frönen ihrer Leidenschaft mit der Bewilligung der Kantonsarchäologie, und die Kantonsarchäologie erweitert durch die verzeichneten Funde ihre Fundstellenkarte.

Prospektion im Wasser

Ein Forschungstaucher unter Wasser im Hallwilersee. Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Ein Forschungstaucher unter Wasser bei der Fundstelle Beinwil-Aegelmoos im Hallwilersee.

Beinahe an allen Schweizer Seen lebten früher Menschen in Siedlungen, den Pfahlbauten. Überreste davon finden sich auch an mehreren Orten im Hallwilersee. Zwei Fundstellen, Seengen-Riesi und Beinwil-Aegelmoos, gehören seit 2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe (öffnet in einem neuen Fenster). Die Fundstelle Beinwil entdeckten Taucher erst 1996 durch Tauchprospektion. Regelmässig untersuchen Taucher der Unterwasserarchäologie Zürich (öffnet in einem neuen Fenster) im Auftrag der Kantonsarchäologie den Zustand der Fundstellen.

Prospektion aus der Luft

Luftbild der römischen Streifenhäuser in Lenzburg. Bild vergrössern
Orthofotografie von Lenzburg. Die römischen Streifenhäuser zeichnen sich als hellere Stellen sehr gut ab. © swisstopo

Aus der Distanz sieht man manches besser. So ist es auch in der Archäologie. Die Prospektion mit dem Flugzeug aus der Luft macht archäologische Strukturen sichtbar, die vom Boden aus nicht zu erkennen sind. Sind im Boden archäologische Überreste wie zum Beispiel Mauern erhalten, wachsen an dieser Stelle die Pflanzen anders. Diese Bewuchsmerkmale sieht man aus der Luft besonders gut. Durch Luftbildprospektion wurden im Kanton Aargau mehrere neue Fundstellen entdeckt, so zum Beispiel:

  • das römische Theater von Lenzburg
  • das frühmittelalterliche Gräberfeld von Zurzach

Weit wichtiger sind heute jedoch die sogenannten Orthofotos (öffnet in einem neuen Fenster). Mit Hilfe dieser verzerrungsfreien Fotografien aus der Luft lokalisieren Archäologen und Archäologinnen ebenfalls archäologische Befunde im Boden.

Relativ neu ist in der Archäologie die Prospektion mittels LiDAR (öffnet in einem neuen Fenster) (von engl. light detection and ranging). Die Methode ist verwandt mit dem Radar, doch statt mit Radiowellen wie beim Radar, wird mit Laserstrahlen gemessen. Vom Flugzeug aus schickt das LiDAR-System Laserimpulse aus, die von der Geländeoberfläche reflektiert werden. Aus der Lichtlaufzeit wird die Entfernung gemessen. Anhand Millionen solch gemessener Punkte kann ein dreidimensionales Geländemodell erstellt werden. So werden vom Boden aus unsichtbare Geländeerhebungen sichtbar, wie zum Beispiel die vermutlich eisenzeitlichen Hügelgräber von Elfingen, die der Kantonsarchäologie zuvor unbekannt waren.

Die Kantonsarchäologie bezieht ihre LiDAR-Karten vom Aargauischen Geographischen Informationssystem (AGIS).

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