Ein Strassenquartier mit Schmiede zwischen Vicus und Bäderquartier des römischen Badens

Das römische Baden ist relativ gut erforscht − bis auf eine Stelle zwischen der römischen Siedlung und den Thermalbädern. Genau dort fand 2009 eine Ausgrabung statt. Die Funde und Befunde sind derzeit Thema einer Masterarbeit an der Universität Basel.

Blick auf das antike Baden Bild vergrössern
© ikonaut / Stadtgeschichte Baden

Die Thermalquellen am Limmatknie in Baden nutzten bereits die Römer ausgiebig. Ab dem ersten Jahrhundert n. Chr. errichteten sie grosse Heil- und Thermalbäder, die den Badeort im Römischen Reich bekannt machten.

Gleichzeitig entstand im ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr. auf dem Haselfeld, dem Plateau über dem Bäderquartier, eine blühende kleinstädtische Wohn- und Handwerkersiedlung, ein sogenannter vicus, der heute gut erforscht ist. Doch seit Jahrzehnten stellen sich Archäologen und Archäologinnen immer wieder dieselbe Frage: Was befand sich am Abhang zwischen dieser Siedlung und dem Bäderquartier?

Eindrückliche, teilweise noch mannshoch erhaltene Mauerzüge. Bild vergrössern
Die Grabung Dependance Ochsen in Baden 2009. Foto: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau

Zum ersten Mal konnte die Kantonsarchäologie im Jahr 2009 mit der Grabung Dependance Ochsen ein Einblick in die römische Hangbebauung gewinnen. Dabei kam ein Strassenquartier mit einem steinernen mindestens 34 m langen Gebäudekomplex und drei kleineren terrassierten Steinhäusern entlang einer Strasse zum Vorschein. Die Gebäude und ihre Funde werden gegenwärtig im Rahmen einer Masterarbeit bei der Vindonissa-Professur (öffnet in einem neuen Fenster) an der Universität Basel untersucht.

Erste Resultate zeigen den Aufstieg und den Niedergang eines römischen Strassenquartiers auf, das ab der Mitte des ersten Jahrhunderts einen stetigen Aus- und Umbau erfuhr. Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts verliessen die Bewohner mehrere Gebäude. Man verwendete die Baumaterialien anderweitig und verfüllte die Überreste der Häuser mit Abfall.

Wichtige Keramikstücke werden gezeichnet. Bild vergrössern
Ein Grossteil der Funde besteht aus Keramik. Zeichnungen der aussagekräftigsten Stücke bilden eine wichtige Grundlage für die Masterarbeit. Foto: Kantonsarchäologie Aargau; Béla Polyvás, © Kanton Aargau

Doch noch immer herrschte Leben im Strassenquartier. In den Ruinen eines verlassenen Gebäudes nahm anfangs des dritten Jahrhunderts eine Schmiede ihren Betrieb auf, während auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein Haus mit Keller bestand. Dieses Haus fiel aber dann am Ende des dritten Jahrhunderts einem verheerenden Brand zum Opfer. Grosse Teile des Hauses stürzten mitsamt dem Besitz der Bewohner in den Keller. Diese Funde erlauben einen einmaligen Einblick in das Leben in Baden während des dritten Jahrhunderts.

Trierer Spruchbecher Bild vergrössern
Trierer Spruchbecher. Foto: Kantonsarchäologie Aargau; Béla Polyvás, © Kanton Aargau

Aus dem fernen Trier importierte Becher mit aufgemalten Trinksprüchen, sogenannte Trierer Spruchbecher (öffnet in einem neuen Fenster), zeugen nicht nur von der Trinkfreude der Hausbewohner, sondern belegen, dass der vicus von Baden auch zu dieser Zeit noch gut an das weitläufige Handelsnetz angeschlossen war.

Masterstudent zeichnet ein Keramikfragment. Bild vergrössern
Sorgfältiges Zeichnen der Keramik ist Teil der Masterarbeit. Foto: Kantonsarchäologie Aargau; Béla Polyvás, © Kanton Aargau

Doch noch hat das Strassenquartier nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben. Wie lässt sich die Bebauung am Abhang rekonstruieren? Wie passen die Geschehnisse im Strassenquartier zum restlichen vicus oder der Region Baden? Wer hat in den Steinbauten am Hang gewohnt? Wann wurde das Quartier endgültig abgebrochen?

Die Ergebnisse der laufenden Masterarbeit versprechen, ein weiteres Puzzleteil zur Geschichte des römischen Badens beizutragen.