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Der Münzschatz von Ueken

Per Zufall entdeckt ein Landwirt in Ueken bei Frick einen der grössten Münzschätze der Schweiz. Die Münzen gelangen nach ihrer Bergung ins Restaurierungslabor der Kantonsarchäologie.

Die Entdeckung

Die ersten Münzen des Schatzes. Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Die ersten Münzen des Schatzes.

Im Kirschbaumgarten auf dem Zassehaldehof in Ueken entdecken die Eigentümer Alfred und Daniel Loosli im Sommer 2015 einige römische Münzen: "Erst dachte ich, wer hat denn die verloren? Sie sahen aus wie Unterlagsscheiben." Sie melden ihren Fund der Kantonsarchäologie. Bei der anschliessenden Grabung bergen Archäologen einen Hort von über 4000 Münzen aus der Zeit zwischen 260 und 293 nach Christus

An dieser Stelle verlegt man bereits in den 1970er-Jahren eine Sickerleitung. Erstaunlicherweise bleibt der Münzschatz dabei unentdeckt und der Bagger vergräbt ihn wieder. Trotz dieser Umlagerung liegen rund 1600 Münzen in einem kompakten Block im Boden, der Rest des Schatzes ist verstreut.

Der Fundort

Karte von Frick und Umgebung in römischer Zeit Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Karte von Frick und Umgebung in römischer Zeit.

Der Fundort liegt auf einer Hochebene bei Ueken, rund 130 m über dem Dorf. In etwa 300 m Entfernung fanden sich römische Ziegel und auf dem Luftbild ist ein rechteckiges Gebäude unbestimmter Zeitstellung zu sehen. Im Talgrund führen wichtige römische Strassen vorbei, einerseits jene von Augusta Raurica (öffnet in einem neuen Fenster) nach Vindonissa über den Bözberg, andererseits über die Staffelegg ins Aaretal. In nächster Nähe, beim heutigen Frick, liegt ein römisches Strassendorf; weitere römische Fundstellen befinden sich in Gipf-Oberfrick, Wittnau und Wölflinswil.

Warum der Besitzer seinen Münzhort an dieser Stelle versteckt hat, weiss man nicht. In römischer Zeit ist es jedoch durchaus üblich, Wertsachen in einem Versteck aufzubewahren, gibt es doch damals keine Banken im heutigen Sinn.

Die Restaurierung

Fachleute restaurieren die Münzen des Schatzes. Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Fachleute restaurieren die Münzen des Schatzes.

Zusammen mit dem Münzschatz werden auch Scherben eines Kruges geborgen. Spuren von Metall auf der Innenseite belegen eindeutig, dass mindestens ein Teil des Hortes darin versteckt war. Die Anordnung der Münzen in der Erde weist zudem darauf hin, dass einige davon auch in Gebinden oder Beuteln aus Stoff oder Leder vergraben waren.

Die über 4000 Antoniniane (öffnet in einem neuen Fenster) aus dem Schatz von Ueken müssen von den Restauratoren sorgfältig gereinigt und freigelegt werden, um Name und Porträt des Kaisers, Münzstättenzeichen (öffnet in einem neuen Fenster) und Rückseitenbild sichtbar zu machen. Als grosse Schwierigkeit erweist sich dabei, dass die Korrosion der Kupferlegierung viel härter ist als das Silber an der Münzoberfläche. Sie muss mit dem Skalpell entfernt werden, ohne die dünne Silberschicht zu beschädigen.

Bestimmung der Münzen

  1. Numismatiker bestimmen Münzen
    Bestimmen im Akkord
  2. Münzforscher sitzen an Tisch und bestimmen Münzen.
    Mit Licht und Lupe
  3. Archäologe begutachtet Münze.
    Münzmarathon

Was ist der Schatz wert?

Mindestens ein Teil der Münzen wurde offenbar in Säcken aus Stoff oder Leder in der Erde vergraben. Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Mindestens ein Teil der Münzen wurde offenbar in Säcken aus Stoff oder Leder in der Erde vergraben.

Die gut 4000 Antoniniane aus dem Münzschatz von Ueken haben ein eindrückliches Gesamtgewicht von etwa 16 Kilogramm.

Der damalige Wert des Schatzes ist aufgrund der unruhigen Zeiten und der Inflation im späten 3. Jahrhundert schwierig, exakt zu beziffern. Er entspricht umgerechnet etwa zehn römischen Goldmünzen (aurei (öffnet in einem neuen Fenster)). Ein kleines Vermögen also, vermutlich etwas weniger als der Jahressold eines Legionärs.

Von der Menge her gehört der Hort von Ueken zu den grössten je in der Schweiz entdeckten Schatzfunden, und dient den Münzspezialisten als umfangreiche Quelle. Der Münzschatz von Ueken ist also vor allem von grossem wissenschaftlichem Wert.

Woher stammen die Münzen?

Karte mit den Münzstätten Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Die Prägestätten der Münzen aus Ueken.

Im späten 3. Jahrhundert gibt es verschiedene Münzprägestätten, die über das ganze römische Reich verteilt sind. So sind die Transportwege kürzer, wenn zum Beispiel den überall im Reich stationierten Truppen der Sold ausbezahlt werden muss.

Im Münzschatz von Ueken sind bisher Antoniniane aus acht dieser Prägestätten nachgewiesen: Sie kommen aus der Türkei, Bulgarien, Italien, Kroatien und Frankreich in unsere Gegend, welche damals zur römischen Provinz Germania Superior (öffnet in einem neuen Fenster) (Obergermanien) gehört.

Die Verteilung entspricht einem typischen Ausschnitt aus dem regionalen Geldumlauf. Die stark vertretenen Münzstätten Roma und Ticinum sowie diejenigen im Osten lassen jedoch eine gewisse Nähe zum Militär vermuten. Hier sind weitere Forschungen nötig, um eine sichere Aussage machen zu können.

Das Münzwesen im 3. Jahrhundert

Zeitstrahl mit den verschiedenen Münzen
© Kantonsarchäologie Aargau: Das Münzwesen im Laufe der Zeit. Ein Klick auf die Kaisernahmen liefert mehr Informationen zum jeweiligen Kaiser.

Silbermünzen im 3. Jahrhundert

Münzen des 3. Jahrhunderts nach Christus Bild vergrössern
© Kantonsarchäologie Aargau: Münzen des 3. Jahrhunderts n. Chr.

400 Jahre lang war der Denar (öffnet in einem neuen Fenster) die römische Silbermünze, im Verlauf des 3. Jahrhunderts verschwindet sie jedoch. In dieser unruhigen Zeit wird der von Kaiser Caracalla (öffnet in einem neuen Fenster) 215 eingeführte Antoninian, ein Doppel-Denar, zur wichtigsten Silbermünze. Allerdings wird er über die Jahre relativ schnell kleiner und leichter. Auch der Silberanteil geht stark zurück: Bei seiner Einführung ist der Antoninian 5,1 Gramm schwer und besteht zu 50% aus Silber, fünfzig Jahre später beträgt sein Gewicht nur noch 1,5 bis 3 Gramm und er enthält praktisch kein Silber mehr.

Auf den rapiden Verfall der Silberwährung reagiert Kaiser Aurelianus (öffnet in einem neuen Fenster), indem er ab 274 rund 4 Gramm schwere Antoniniane prägen lässt. Ihr Silberanteil beträgt zwar nur 5%, das ist aber wesentlich mehr als bei den zuvor geprägten Antoninianen. Diese Reform bringt jedoch nicht die erwünschte Verbesserung. Die vergleichsweise wertvollen Münzen verschwinden bald aus dem Geldumlauf, da sie – wie der Schatz von Ueken zeigt – gerne gehortet werden. Im Jahr 294 n. Chr. bringt die Reform des Kaisers Diocletianus (öffnet in einem neuen Fenster) das Ende der Antoninianprägung. Kein Zufall, dass der Münzhort von Ueken just in diesem Zeitraum versteckt wurde!

Die Münzreform von 1968

Ein Franken von 1967. Bild vergrössern
Ein silberner Franken von 1967.

1967 steigt der Silberpreis so stark, dass es sich lohnt, Silbermünzen einzuschmelzen. Das 50-Rappen-Stück zum Beispiel hat im März 1968 einen Silberwert von 73 Rappen. Weil diese Silbermünzen aus dem Verkehr gezogen werden, kommt es in der Schweiz zu einem Mangel an Zwei-, Ein- und Halbfrankenstücken. Deshalb werden sie daraufhin aus einer Kupfer-Nickel-Legierung hergestellt. Diese neuen Münzen kommen ab dem 10. Mai 1968 in Umlauf und bereiten der Münzkrise ein Ende.

Für den Staat ist diese Änderung gewinnbringend, denn die Materialkosten reduzieren sich massiv. So kostet die Produktion eines 50-Rappen-Stücks nur noch 4 Rappen!

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