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Für mehr Biodiversität in den Kiesgruben: ökologischer Ausgleich während des Abbaus neu geregelt

Kanton und Branchenverband unterzeichnen überarbeitete und vereinfachte Vereinbarung

In einer Kiesgrube können während des Abbaus unterschiedliche Lebensräume gestaltet werden, die zu einer Erhöhung der Biodiversität beitragen. Dieser ökologische Ausgleich während des Kiesabbaus ist in einer Branchenvereinbarung zwischen dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) und dem Verband der Kies- und Betonproduzenten (VKB) Aargau geregelt. Weil die bisherige Vereinbarung in der Praxis teilweise schwierig umzusetzen war, wurde sie überarbeitet und optimiert. Die revidierte und vereinfachte Branchenvereinbarung wurde heute Freitag, 30. April 2021, von den Vertretern des BVU und des VKB unterzeichnet.

Durch den fortschreitenden Abbau entstehen bei geschickter Planung in offenen Kiesgruben immer wieder neue Lebensräume mit einer ähnlichen Dynamik, wie sie natürliche Auenlandschaften aufweisen. Während in den Auen mäandrierende Flüsse offene Kies- und Sandflächen schaffen oder Prallhänge erodieren, sorgen in Kiesgruben Maschinen für die Dynamik. Davon profitieren insbesondere Tier- und Pflanzenarten, die sich darauf spezialisiert haben, neue Fläche zu besiedeln und deshalb auf Störungen angewiesen sind, sogenannte Pionierarten. Einige davon gehören zu den bedrohten Arten, weil sie ihre natürlichen Lebensräume verloren haben – beispielsweise Amphibien wie die Kreuzkröte und die Gelbbauchunke, Insekten wie der Südliche Blaupfeil (Libelle) und die Blauflügelige Sandschrecke, Vögel wie die Uferschwalbe und der Flussregenpfeifer oder Pflanzen wie das Rosmarin-Weidenröschen und der Natternkopf.

Der Materialabbau und die anschliessende Auffüllung der Kiesgruben erfordern gemäss dem kantonalen Baugesetz von der Bauherrschaft die Leistung eines ökologischen Ausgleichs. Dieser wird in der Regel in Form von sogenannten Dauerbiotopen vor Ort im Anschluss an das Abbauvorhaben umgesetzt und beträgt 15 Prozent des Eingriffsperimeters. Aufgrund des grossen Potentials von Kiesgruben kann es aber sinnvoll sein, den ökologischen Ausgleich bereits während des Abbaus zu leisten.

Dieser Fall ist in einer Branchenvereinbarung zwischen der Abteilung Landschaft und Gewässer des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) und dem Verband der Kies- und Betonproduzenten (VKB) Aargau geregelt. Damit können Verbands-Mitglieder den gesetzlichen Forderungen bereits während des Abbaus mit der Schaffung von sogenannten Wanderbiotopen nachkommen. Dabei sind 20 Prozent des Eingriffsperimeters für die Natur zu reservieren, im Gegenzug müssen nach der Rekultivierung keine Dauerbiotope angelegt werden. Unter gewissen Bedingungen kann auch die sogenannte Hybrid-Variante gewählt werden, eine Mischform mit Wander- und Dauerbiotopen.

Vereinfachung, mehr Praxisnähe und Rechtssicherheit

Eine Untersuchung der bestehenden Abbaugebiete hat gezeigt, dass die bisherige Branchenvereinbarung in der Praxis teilweise schwierig umzusetzen war und die Schnitt-stelle zwischen Planung und Realisierung zu wenig konkret war. Deshalb haben das BVU und der VKB die Branchenvereinbarung überarbeitet. Die revidierte Vereinbarung wurde heute Freitag, 30. April 2021, von den Vertretern des Departements und des Verbands unterzeichnet: Landammann und BVU-Vorsteher Stephan Attiger, Norbert Kräuchi, Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer, VKB-Präsident Pascal Müller und VKB-Geschäftsführer Andreas Röthlisberger.

Mit der Überarbeitung wurde die Branchenvereinbarung gegenüber der bisherigen Version aus dem Jahr 2013 vereinfacht. Sie macht jetzt nur wenige strikte Vorgaben und diese in Form von Flächenvorgaben für ökologisch wertvolle Lebensräume. Neu sind ausserdem Vorgaben an die Planung, die dafür sorgen, dass bei der effektiven Umsetzung der Wanderbiotope insbesondere die Platzverhältnisse besser berücksichtigt werden. So verlangt die vereinfachte Branchenvereinbarung neu von der Planung festzulegen, wo genau die Flächen realisiert werden. Dies vereinfacht die Umsetzung durch die ökologische Baubegleitung und die Fachbegleitung durch die kantonalen Projektleitenden der Abteilung Landschaft und Gewässer (ALG) sowie der Abteilung für Umwelt (AfU).

Typische Win-Win-Situation

"Die Vereinbarung ist ein weiteres gutes Beispiel für die Partnerschaft und die gute Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und der Branche – eine typische Win-Win-Situation. Mit der Überarbeitung haben wir nicht nur eine Vereinfachung erreicht, sondern auch eine qualitative Verbesserung und ein Angleich an die gelebte Praxis des ökologischen Ausgleichs", so Stephan Attiger.

"Die Aargauer Kiesabbau-Unternehmer sind stolz, dass ihr Verband als erster bereits 2005 eine Branchenvereinbarung zum ökologischen Ausgleich abgeschlossen hat. Der Erfolg dieser Kooperation zeigt sich in unzähligen ökologisch wertvollen Lebensräumen in unseren Kiesabbaustellen, die für die Pioniere der Tier- und Pflanzenwelt ganz wesentlich sind. Die nun abgeschlossene neue Branchenvereinbarung nimmt die Erfahrungen und Erkenntnisse aus all den Jahren auf und gilt für die nächsten 10 Jahre", erklärt Pascal Müller, Präsident des VKB Aargau.

Medienbild

Portrait der Vertreter des BVU und des VKB vor einem Gebäude
Genauere Beschreibung zum Bild
Titel Die revidierte Branchenvereinbarung wurde heute Freitag, 30. April 2021, von den Vertretern des BVU und des VKB unterzeichnet:
Beschreibung (vlnr) Gerhard Moser (desiginierter Geschäftsführer VKB), VKB-Präsident Pascal Müller, Landammann und BVU-Vorsteher Stephan Attiger, Simon Egger (Leiter Sektion Natur und Landschaft, Abteilung Landschaft und Gewässer, BVU), Norbert Kräuchi (Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer, BVU), VKB-Geschäftsführer Andreas Röthlisberger.
Bildnachweis / Copyright Bild: Kanton Aargau
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