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Die Zukunft antizipieren und die Siedlungen den Folgen des Klimawandels anpassen

Neue Klimakarten des Kantons als Grundlage für hitzeangepasste Siedlungsentwicklung in Städten und Gemeinden

Der Klimawandel stellt eine neue Herausforderung für die Siedlungsentwicklung dar. Wo befinden sich die Hitzehotspots im Siedlungsgebiet des Kantons? Welche Grün- und Freiräume sind wichtig für die Kaltluftproduktion? Wo verlaufen wichtige Kaltluftleitbahnen, die es bei der Siedlungsentwicklung freizuhalten gilt? Die Antworten liefern die neuen Klimaanalyse- und Planhinweiskarten des Kantons Aargau. Diese online abrufbaren Klimakarten sind die zentralen Planungsgrundlagen für eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung der Städte und Gemeinden. Aus ihnen lässt sich bei Planungen oder Projekten der konkrete Handlungsbedarf ableiten. Vier Pilotgemeinden waren in die Entwicklung der Karten eingebunden – beispielsweise die Stadt Aarau, die bereits erste Erfahrungen mit der Anwendung der Klimakarten gesammelt hat.

Bei der Siedlungsentwicklung sind Kantone, Städte und Gemeinden gefordert. Wie gelingt es, mehr Wohnraum für die wachsende Bevölkerung zu schaffen und gleichzeitig grüne Oasen in der Siedlung zu sichern, die für eine hohe Lebensqualität, die Natur und ein angenehmes Klima unabdingbar sind? Mit der hochwertigen Siedlungsentwicklung nach innen lassen sich hier viele Synergien nutzen. Dies ist wichtig, denn die Herausforderungen werden sich mit dem Klimawandel noch verstärken. Hochrechnungen am Beispiel der Stadt Aarau zeigen: Die Anzahl Hitzetage mit über 30 Grad Celsius wird sich bis 2060 etwa verdreifachen.

Diese Zukunft will der Kanton Aargau antizipieren. Deshalb hat er den Entwicklungsschwerpunkt Klima geschaffen, um zusätzliche Massnahmen umzusetzen – einerseits im Bereich Klimaschutz (Reduktion von Treibhausgasen) und andererseits in der Klimaanpassung, wo es darum geht, sich an die Folgen des Klimawandels – wie beispielsweise Sommertrockenheit oder die zunehmende Hitzebelastung in Siedlungen – anzupassen. Bei der Klimaanpassung ist der Kanton beispielsweise im Bundesprogramm "Anpassung an den Klimawandel" in der aktuellen Programmphase 2018–2022 in sieben Projekten federführend – unter anderem mit dem Projekt "Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung in Agglomerationsgemeinden", bei dem die Abteilungen Raumentwicklung sowie Landschaft und Gewässer des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) den Lead haben. Dieses Projekt sucht am Beispiel der vier Aargauer Pilotgemeinden Aarau, Baden, Buchs und Windisch Antworten auf die oben beschriebenen Herausforderungen: Wie können sie mit einer klugen Planung den Siedlungsraum dichter bebauen und sich gleichzeitig auf höhere Temperaturen vorbereiten?

Klimakarten Aargau aus flächendeckender Analyse

Vor diesem Hintergrund hat das BVU bereits wichtige Grundlagenarbeit geleistet und die heutige klimatische Situation flächendeckend für den Kanton Aargau analysiert. Dabei sind Klimaanalyse- und Planhinweiskarten entstanden, die für jede Gemeinde im Kanton Aargau Aufschluss über verschiedene Fragen geben: Wo befinden sich die Hitzehotspots im Siedlungsgebiet? Welche Grün- und Freiräume sind wichtig für die Kaltluftproduktion? Wo verlaufen wichtige Kaltluftleitbahnen, die es freizuhalten gilt?

Es handelt sich konkret um folgende drei Klimakarten, die bereits online auf dem kantonalen Geodatenportal AGIS aufgeschaltet sind (Direktlinks zu den Karten siehe unten):

  • Klimaanalysekarte: Nächtliche Überwärmung im Siedlungsgebiet (Wärmeinseleffekt) und nächtliches Kaltluftprozessgeschehen; Identifizieren von Gebieten, in denen der Wärmeinseleffekt stark ausgeprägt ist; Erkennen von Grün- und Freiflächen, die besonders viel zur Kaltluftlieferung beitragen.
  • Planhinweiskarte Nacht: Bewertung des nächtlichen Wärmeinseleffekts ("Bioklima"); bioklimatische Bedeutung der Grün-/Freiflächen; Kaltluftleitbahnen und nächtliches Kaltluftprozessgeschehen.
  • Planhinweiskarte Tag: Bioklimatische Belastungssituation tagsüber und "klimatische" Aufenthaltsqualität in Grün- und Freiflächen.

Zusätzlich stehen in einer vierten Anwendung alle Modellierungsgrundlagen der Klimakarten als Einzelergebnisse zur Verfügung.

Planungsgrundlagen in Städten und Gemeinden nutzen

Die Klimakarten sind die zentralen Planungsgrundlagen, um die Hitze im Siedlungsgebiet mit gezielten Massnahmen zu reduzieren oder den Zufluss von kalter Luft durch neue Bauten nicht zu unterbinden. Aus ihnen lässt sich bei Planungen oder Projekten der konkrete Handlungsbedarf ableiten. Mit praktisch jedem Planungs- und Bauprojekt in der Gemeinde kann ein Beitrag für ein angenehmes Klima im Siedlungsgebiet geleistet werden – vom Strassenprojekt, über Lage, Ausrichtung und Gestaltung einer Wohnüberbauung bis hin zur Grünflächenpflege. Zu den wirkungsvollsten Massnahmen gehören; das Pflanzen von Bäumen, die im Sommer Schatten spenden, das Fördern von Brunnen und anderen Wasserelementen, die zum Abkühlen einladen, oder das Entsiegeln von Hartbelägen, damit das Wasser besser versickern kann.

Für die Arbeit mit den Klimakarten stehen online verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung: eine Lesehilfe mit einer Beschreibung der Karteninhalte und Hinweise für die Planung, der Schlussbericht Klimaanalyse mit einem detaillierten Methoden- und Vorgehensbeschrieb sowie ein Leitfaden, der aufzeigt, wie eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung in der Planung und bei Projekten umgesetzt werden kann. Das BVU wird zudem allen Städten und Gemeinden des Kantons ihre jeweiligen Klimakarten mit der entsprechenden Lesehilfe zustellen. Bereits heute ist es auf dem AGIS-Portal möglich, für jede Gemeinde des Kantons die jeweiligen Klimakarten als PDF-Dokument herunterzuladen (siehe Link unten).

Stadt Aarau mit ersten Anwendungen

Erste Erfahrungen bei der Anwendung der Klimakarten hat die Pilotstadt Aarau gemacht. Bereits in früheren Planungen wurde der kühlende Effekt zum Beispiel von Stadtbäumen gezielt eingesetzt. Mit den vorliegenden Karten kann nun systematisch analysiert werden, wo Massnahmen zur Minderung des Wärmeinseleffekts besonders dringlich sind. Aufbauend auf den Karten hat der Stadtrat bereits die Erarbeitung eines Baumpflanzkonzepts beschlossen. Ebenfalls erarbeitet wird eine systematische Auslegeordnung für das gesamte Stadtgebiet, wie die bioklimatische Situation in Aarau langfristig verbessert werden kann.

Der Wärmeinseleffekt ist gerade in den Entwicklungsgebieten der Stadt hoch, beispielsweise im Gebiet Telli Ost. Die anstehenden Arealentwicklungen werden hier als Chance genutzt, um die bioklimatische Situation zu verbessern. So sollen die Aussagen der Karten nicht nur als Empfehlung den Planenden mitgegeben werden, sondern wo möglich und sinnvoll in den Planungsinstrumenten festgesetzt werden.

Auch auf Projektebene konnten die Ergebnisse in Aarau bereits berücksichtigt werden. So flossen diese in die Planung der Weiterentwicklung des Aeschbachquartiers (Baufeld 3) ein. Den Planenden wurde die Aufgabe gestellt, der unter anderem durch die Gleisnähe ungünstigen bioklimatischen Situation mit gezielten Massnahmen entgegenzuwirken – zum Beispiel über eine angepasste Materialisierung, den gezielten Einsatz von Grünstrukturen oder mit Beschattungselementen. Insbesondere die Neupflanzung von zusätzlichen hochstämmigen Laubbäumen wurde auch von den Anwohnenden gewünscht und von der Bauherrschaft explizit vorgegeben.

Medienbilder

  1. Weg mit Bäumen
  2. Sonnenschirme und Tische überdacht mit Bäumen
  3. Karte der Stadt Aarau

Mehr zum Thema

Direktlinks zu den kantonalen Online-Klimakarten:

Klimakarten der einzelnen Gemeinden:

Weitere Informationen im Internet:

  • Departement Bau, Verkehr und Umwelt
  • Extern
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