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Eröffnung der Sonderausstellung "Von Menschen und Maschinen"

Die Sonderausstellung "Von Menschen und Maschinen" im SBB Historic-Gebäude in Windisch nimmt die Besucherinnen und Besucher vom 23. Oktober 2020 bis 1. Mai 2021 mit auf einen Streifzug durch die wechselvolle Industriegeschichte des Kantons Aargau. Sie vermittelt einen Einblick in die Lebenswelten von Patrons und Arbeiterfamilien und präsentiert wegweisende Industrieprodukte und Erfindungen aus dem Aargau. Weiter dokumentiert sie Firmengeschichten wie etwa die der international bekannten Zimmerli Textil AG oder der Möbelfirma WOGG. Die Sonderausstellung setzt sich ebenfalls mit dem heutigen Arbeitsmarkt auseinander: Wie werden Digitalität und Robotic angesichts der anstehenden Herausforderungen unsere Arbeitswelt bestimmen?

Ein karg eingerichtetes Zimmer auf der einen Seite, ein grosszügiger Salon mit edlem Perserteppich und erlesenem Mobiliar einer Villa auf der anderen: Gleich zu Beginn der Ausstellung entscheiden sich die Besucherinnen und Besucher, wessen Welt sie zuerst betreten möchten. Jene der Arbeiterinnen und Arbeiter? Oder jene der "Fabrik-Barone" und deren Familien? Wer die Welt des Patrons wählt, erhält anhand von Erzählungen lebhafte und zuweilen überraschende Einblicke in die grossbürgerliche Lebenswelt: Wie führte der Patron sein Unternehmen zum Erfolg? Welche fernen Länder bereiste er? Und wie war es im Unternehmen um die Rechte der Arbeiterschaft bestellt?

Wer hingegen zuerst die Welt der Arbeiterinnen und Arbeiter betritt, fühlt sich unmittelbar in deren harten Lebensalltag versetzt: 15-Stunden-Arbeitstage, ungesunde Arbeitsbedingungen, knappe Entlöhnung, körperliche Züchtigung und beengte Wohnverhältnisse in sogenannten Kosthäusern auf dem Fabrikgelände. Die Ausstellung zeigt, wie sich die Arbeiterschaft im Aargau organisierte, sich bessere Arbeitsbedingungen erkämpfte und wie die Arbeit von Kindern im Laufe des 19. Jahrhunderts gewisse Einschränkungen erfuhr. Gesellschaftliche Meilensteine wie das erste Schweizer Fabrikgesetz von 1877, die Einführung des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes von 1912 und die Einführung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) im Jahr 1947 geben einen Überblick über die Errungenschaften der Arbeiterschaft. Dieser erste Ausstellungsteil verdeutlicht auf anschauliche Weise, dass die Industriegeschichte von Kontinuität und Transformation geprägt ist.

Aargauer Industriegeschichte hat international Geschichte geschrieben

In einem spektakulären "Spiegelsaal der Objekte" zeigt die Ausstellung zahlreiche Produkte, die der Aargau seit der Industrialisierung hervorgebracht hat. Sei dies der Würfelzucker, die Alufolie, die Skibindung, die Teigknetmaschine oder der Bleistiftspitzer: Die über 150 mehrheitlich aus der Sammlung Museum Aargau stammenden Objekte lassen einen staunen, wie viele bekannte Produkte aus dem Aargau stammen und welche Erfindungen hier gemacht wurden.

Firmengeschichten wie diejenigen der Zimmerli Textil AG oder der Möbelfirma WOGG werden aufgerollt und interessante Einzelheiten zu den gezeigten Objekten erzählt. So ist bekannt, dass es gegenüber den Artofex-Teigknetmaschinen Vorbehalte gab, da das "gottgegebene Brot" mit den eigenen Händen hergestellt werden sollte. Aus diesem Grund lieferte Artofex seine Maschine meistens in der Nacht. Die Nachbarschaft erfuhr auf diese Weise nicht, dass eine Maschine und nicht die Hände des Bäckers den Teig knetete. Die Spiegelsaal-Präsentation verweist auf das Wirtschaftswunder des 20. Jahrhunderts, auf das Konsumprodukt im Zeitalter seiner unbegrenzten Reproduzierbarkeit und auf den damit verbundenen Massenkonsum: Mit der Industrialisierung ist die Ökonomisierung des Lebens gekommen, dessen oberstes Credo Schnelligkeit und somit Zeitersparnis ist.

Zukunftsraum: Was kommt danach?

Ausgehend von der Gegenwart wagt die Ausstellung auch einen Blick in die Zukunft und regt die Besucherinnen und Besucher mit unterschiedlichen Statements dazu an, sich mit der sich im Umbruch befindenden Arbeits- und Konsumwelt auseinanderzusetzen. Sie stellt weiter Fragen zu den Auswirkungen von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Automatisierung (Robotic) und lässt die Besucherinnen und Besucher darüber diskutieren, wie sich die Arbeitswelt der Zukunft verändern wird. Welches Umfeld begünstigt dabei technologischen Fortschritt? Wird es bald autofreie Städte geben? Ist eine Wirtschaft ohne Wachstum umsetzbar? Diese Fragestellungen haben im Zuge der Ende 2019/Anfang 2020 weltweit einsetzenden Coronakrise an Aktualität und Brisanz gewonnen und werden sowohl in der Ausstellung als auch im Begleitprogramm zur Sonderausstellung vertieft.

Industriegeschichte auf Führungen entdecken

Es sind verschiedene thematische Führungen buchbar, so etwa die Führung "Vom Indiennedruck zum Industrieroboter", die den Erfindergeist von Aargauer Firmen vorstellt. Die Führung "Blitzlicht auf die Industriegeschichte" gibt eine kurze Einführung zu 150 Jahren Industriegeschichte und lässt die Besucherinnen und Besucher die Ausstellung anschliessend auf eigene Faust erkunden. Schulklassen lernen auf der Führung "Schlaue Köpfe, flinke Finger" den Fabrikalltag von Kindern vor 200 Jahren kennen oder nehmen bei "An die Arbeit!" Industriegüter unter die Lupe. Wer die Ausstellung gerne selbständig erkundet, kann dies mithilfe eines digitalen Rundgangs tun. Dieser ist via Smartphone-App zugänglich. Führungen sind auch ausserhalb der Öffnungszeiten möglich und können auf Wunsch mit einem Apéro kombiniert werden.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport
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