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Starkstromleitung Niederwil–Obfelden: Regierungsrat fordert unterirdische Verkabelung auf der gesamten Strecke

Stellungnahme des Kantons im Sachplanverfahren des Bundes mit mehreren Anträgen – Variante des Bundes wird abgelehnt

Der Regierungsrat fordert, dass die bestehende 220 kV-Leitung zwischen Niederwil und Obfelden durch eine neue, vollständig unterirdisch geführte 380 kV-Leitung entlang der bestehenden Übertragungsleitung ersetzt wird. Den Vorschlag des Bundesamts für Energie (BFE), der nur eine Teilverkabelung zur Querung der Reuss zwischen Rottenschwil und Ottenbach vorsieht, lehnt der Regierungsrat ab. In seiner Stellungnahme zum entsprechenden Sachplanverfahren des Bundes berücksichtigt der Kanton die Eingaben der betroffenen Region und stellt weitere Anträge.

Die bestehende 220 kV-Leitung soll zwischen Niederwil und Obfelden durch eine neue 380 kV-Leitung ersetzt werden. Dazu führt das Bundesamt für Energie (BFE) ein Sachplanverfahren durch. Der Kanton Aargau unterstützt dieses Vorhaben, da es zum Erhalt und zur Stärkung der Stromversorgungssicherheit auf nationaler und internationaler Ebene beiträgt und damit ein zentrales Ziel der kantonalen Energiestrategie unterstützt. Im Jahr 2016 wurde in der ersten Phase des Sachplanverfahrens bereits das grossräumige Planungsgebiet für die Starkstromleitung festgesetzt, in dem sich auch das Reuss- und das Bünztal befinden.

In der aktuellen, zweiten Phase des Verfahrens geht es darum, den Planungskorridor enger einzugrenzen und die Übertragungstechnologie behördenverbindlich festzusetzen. Unter anderem geht es dabei auch um die Frage, ob die Leitung oberirdisch oder mit einer unterirdischen Verkabelung geführt werden soll. Die nun vom BFE vorgeschlagene und in die Vernehmlassung geschickte Variante sieht eine Leitungsführung im Reusstal entlang der bestehenden Übertragungsleitung; zudem soll die Starkstromleitung nur zur Querung der Reuss zwischen Rottenschwil und Ottenbach unterirdisch verkabelt werden, da das Reusstal als Landschaft von nationaler Bedeutung (BLN) gilt.

Regierungsrat für Vollverkabelung

Der Regierungsrat unterstützt in seiner Stellungnahme die Absicht, die neuen Leitungen entlang der bestehenden Leitungsstrecke zu führen. Dagegen lehnt der den Teilverkabelungs-Vorschlag des BFE ab und fordert stattdessen eine Vollverkabelung auf der gesamten Strecke. Diese Haltung haben die Vertreter des Kantons bereits in der Begleitgruppe für die zweite Phase des Sachplanverfahrens vertreten, sie wurde aber nicht berücksichtigt. Die Variante Vollverkabelung würde auch Sicht des Regierungsrats sowohl die Interessen des Bundes (Schutz des BLN-Gebiets), der betroffenen Gemeinden (Entlastung der Siedlungs- und Naherholungsräume) und des kantonalen Richtplans abdecken. Der Richtplan sieht vor: Übertragungsleitungen sind unterirdisch anzulegen, soweit dies technisch und ökologisch sinnvoll sowie finanziell tragbar ist. Bei einer vollständig unterirdischen Variante wären zudem die Waldgebiete möglichst schonend zu queren.

Falls sich die Vollverkabelung auch nach vertiefter Prüfung unverhältnismässig erweist, beantragt der Regierungsrat als erste Variante die Weiterführung der vom BFE vorgeschlagenen unterirdischen Kabelstrecke auf der westlichen Seite der Reuss von Süden her mindestens bis Besenbüren und Hermetschwil-Staffeln. Damit könnten zumindest die im BLN-Gebiet liegenden Gemeinden von den positiven landschaftlichen Auswirkungen einer Verkabelung profitieren. Falls sich die ersten beiden Varianten als erwiesenermassen unverhältnismässig herausstellen, fordert der Regierungsrat die Prüfung einer Teilverkabelungsstrecke vom Unterwerk Niederwil bis und mit Fischbach-Göslikon.

Anliegen von Region und Gemeinden aufgenommen

In seiner Stellungnahme stellt der Regierungsrat weitere Anträge – unter anderem soll das BFE verschiedene technische Fragestellungen beantworten, die im Rahmen der bisherigen Arbeiten an das Bundesamt herangetragen wurden. Insgesamt geht es darum, die Grundlagen besser aufzuzeigen, welche zum Entscheid des BFE geführt haben, beispielsweise zur Zusammensetzung der Kosten, zu den Möglichkeiten einer Verkabelung oder zu nicht nachvollziehbaren Argumenten, die gegen eine Verkabelung bei Siedlungsgebieten sprechen.

Der Regierungsrat hat in seiner Stellungnahme die Anliegen der Region und der betroffenen Gemeinden aufgenommen. Er ist überzeugt, dass mit der Beantwortung der offenen Fragen und der Ergänzung der Unterlagen die Akzeptanz erhöht, eine nachvollziehbare Interessenabwägung unterstützt und die Planungs- und Rechtssicherheit aller Beteiligten verbessert werden.

  • Regierungsrat
  • Departement Bau, Verkehr und Umwelt
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