Amt für Verbraucherschutz
 
getrocknete Steinpilzhälfte

Autoren: Dr. André Känzig
Datum: 08.02.2010


nikotinpilzebericht_2010_ak.pdf (65.66 KB) Ausführlicher Bericht als pdf

Nikotin-Rückstände in Trockenpilzen

Untersuchte Proben: 40
Beanstandete Proben: 1 (3%)
Beanstandungsgründe: Toleranzwertüberschreitung

Nikotin als Hauptalkaloid der Tabakpflanze wurde aufgrund seiner starken Giftwirkung auf Insekten und Milben schon in den Anfängen des chemischen Pflanzenschutzes als Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet. Der Wirkstoff wird heute in der Landwirtschaft vielerorts nicht mehr eingesetzt. Anfangs 2009 informierten Vertreter der Nahrungsmittelindustrie die EU-Kommission, dass getrocknete Wildpilze erhöhte Nikotingehalte aufweisen, wobei ein Grossteil der Ware aus China stammte.
Im Rahmen der eigenen Untersuchungen wurden 40 Proben getrocknete Wild- und Zuchtpilze aus Detail- und Grosshandelsbetrieben untersucht. Rund drei Viertel der Produkte stammen aus China.
Gemäss Fremd- und Inhaltstoffverordnung (FIV) beträgt der Höchstwert für Nikotin in Speisepilzen 0.5 mg/kg Frischgewicht (Toleranzwert). Unter Berücksichtigung der trocknungsbedingten Aufkonzentrierung des Nikotingehalts resultiert daraus ein Toleranzwert von ca. 4.5 mg/kg für Trockenpilze. In der EU hat das Standing Committee of the Food Chain and Animal Health ( SCoFCAH) im Mai 2009 gesundheitlich begründete, vorläufige Höchstwerte für Nikotinrückstände in getrockneten Steinpilzen (2.3 mg/kg) und anderen getrockneten Wildpilzen (1.2 mg/kg) festgelegt.
Die Resultate im Rahmen dieser Kampagne zeigen, dass neben den Steinpilzen aus China auch Morcheln aus Pakistan und Serbien-Montenegro z.T. deutlich erhöhte Nikotingehalte aufweisen. In den übrigen Proben unterschiedlichster Wild- und Zuchtpilzarten liegen die Wirkstoffkonzentrationen unter 0.2 mg/kg, wobei sich die Nikotingehalte verschiedener Proben innerhalb der gleichen Pilzart z.T. herkunftsabhängig deutlich unterscheiden (z.B. bei Herbsttrompeten, Shiitake und Mu-Err/Judasohren).
Basierend auf den in der Schweiz geltenden Anforderungen gemäss FIV lag der Nikotingehalt nur bei 1 Probe Steinpilze aus China mit 8.9 mg/kg über dem Toleranzwert von 4.5 mg/kg für Trockenpilze. Unter Berücksichtigung der vorläufigen EU-Anforderungen lagen die nachgewiesenen Rückstandsgehalte bei rund der Hälfte aller im Rahmen dieser Kampagne untersuchten getrockneten Wildpilzprodukte über dem entsprechenden Höchstwert. Betroffen waren dabei ausschliesslich Steinpilze und Morcheln.
Die Gründe für die Nikotinbelastung bei Trockenpilzen sind bis jetzt unbekannt und international Gegenstand intensiver Abklärungen. Die bisherigen Befunde lassen auf unterschiedliche Kontaminationsquellen schliessen.


Allgemeines

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