Der Volkserzieher: Heinrich Zschokke (1771-1848)


Johann Heinrich Daniel Zschokke wurde am 22. März 1771 in Magdeburg als Sohn eines Tuchhändlers geboren. Schon früh fiel der Wissensdurst des jungen Heinrich auf. Nach dem Gymnasium unterrichtete er schon als 17-Jähriger in Schwerin als Hauslehrer, gab mit den "Mecklenburgischen Monatsblättern" eine eigene Zeitung heraus und schloss sich schliesslich einer Wanderbühne an. Sein literarisches Schaffen erregte bald das Interesse eines breiten Publikums. Ab 1790 studierte Zschokke an der Universität in Frankfurt an der Oder Theologie und Philosophie und promovierte 1792 in den schönen Künsten. 1795 und 1796 bereiste er die Schweiz und Frankreich, liess sich darauf in Graubünden nieder und übernahm die Leitung der Erziehungsanstalt Reichenau. Nachdem 1798 die Helvetische Republik ausgerufen wurde, schloss Zschokke sich den "Patrioten" an und musste wegen seiner politischen Haltung aus Graubünden fliehen. Fortan lebte er in Aarau. Hier bekleidete Zschokke verschiedene Ämter für die Helvetische Republik. Er wurde Leiter des Büros für Nationalkultur und Regierungskommissar in den Kantonen Waldstätten und Tessin. Als Regierungsstatthalter ging er 1801 nach Basel. 1804 wurde Zschokke im Aargau zum Oberforst- und Bergrat ernannt, 1815 wählte ihn das Volk in den Grossen Rat. 1830/31 war er Mitglied der Verfassungskommission. Als Tagsatzungsabgeordneter vertrat er mehrmals den Kanton Aargau. Neben diesen Ämtern betätigte er sich weiterhin als Publizist ("Der Schweizerbote"), Schriftsteller und Naturforscher. Zudem war er Gründer und Mitglied der Gesellschaft für vaterländische Kultur. Mit seiner Frau, der Pfarrerstochter Nanny Nüsperli, hatte er zwölf Söhne und eine Tochter.
 
Heinrich Zschokke hat den jungen Kanton Aargau als Staatsmann, Publizist, Schriftsteller und Erzieher massgeblich geprägt und hier seine Visionen realisieren können. Die Bildung des Volkes im aufklärerischen Sinne war ihm ein besonderes Anliegen. Er setzte sich stark für die Verbesserung des Schulwesens im Kanton Aargau ein und war massgeblich am neuen Schulgesetz von 1835 beteiligt. Eine wichtige Pionierleistung Zschokkes war zudem die Errichtung der ersten Taubstummenanstalt in Aarau 1836.


Quellen
StAAG NL.A-0196, Heinrich Zschokke
StAAG NL.A-0195, Familie Zschokke
StAAG NL.A-0227, Lehrverein Aarau (1823-1830)
 
Literatur
Ort, Werner. Der modernen Schweiz entgegen. Heinrich Zschokke prägt den Aargau. Hrsg. von der Heinrich-Zschokke-Gesellschaft. Baden 2003. 
Schaffroth, Paul. Heinrich Zschokke als Politiker und Publizist während der Restauration und Regeneration. Aarau 1950
Zschokke, Heinrich. Eine Selbstschau. Aarau 1842.


 
Zschokke mit Kind und der "Blumenhalde"
Zschokke mit Kind und der
"Blumenhalde" um 1865
StAAG GP/Z-0003

Allgemeines

aktuelle Seite ausdrucken zum Seitenanfang springen