Medikamentenunterstützte Behandlung
Ambulante Beratungs- und Behandlungsprozesse können durch den Einsatz von Medikamenten unterstützt werden. Es werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt. Details finden Sie hier
Medikamente zur Unterstützung der Suchtbehandlung
Folgende Wirkstoffe und Präparate werden verwendet.
Gegen Alkoholabhängigkeit
- Bei schweren Abhängigkeitsformen wird Antabus (Disulfiram) eingesetzt. Das Medikament wird in der Regel über längere Zeit (mehrere Jahre) eingenommen und ruft bei Alkoholkonsum unangenehme Symptome hervor.
- Im Bereich der Alkoholrückfall-Bekämpfung wird mit Campral (Acamprosat) gearbeitet. Das Mittel besetzt bestimmte Rezeptoren im Hirn und verhindert so ihre Übererregbarkeit, die normalerweise durch ein Ausbleiben von Alkoholkonsum ausgelöst wird. Das Medikament hält die Abstinenz aufrecht rsp. lindert oder vermeidet den Suchtmittel-Hunger.
Gegen Opiatabhängigkeit:
- Naltrexon (Nemexin) wird vor allem bei Opiatabhängigen eingesetzt, wirkt aber auch bei Alkoholabhängigen. Das Medikament wirkt durch einen sogenannten spezifischen Morphinantagonist. Das heisst, es verhindert die Wirkung von Opioiden im Gehirn, indem es die entsprechenden Rezeptoren blockiert. Damit eignet sich Nemexin gut zur Aufrechterhaltung der Abstinenz und zur Unterstützung einer ambulanten Behandlung nach einer geglückten körperlichen Entzugsbehandlung. Das Medikament hat keine suchtbildende Wirkung.
- Buprenorphin (Subutex, Temgesic, Transtec) ist ein synthetisches Opioid, das ähnlich wie Methadon als Ersatz für Heroin eingesetzt werden kann. In dieser Funktion eignet es sich für Heroinraucher und -sniffer oder Konsumierende, die Heroin in kleinen Mengen injizieren. Buprenorphintabletten werden gelutscht. Das Medikament unterdrückt den Heroinhunger für ein bis zwei Tage. Süchtige sind durch Buprenorphin in der Lage, auf Heroin zu verzichten.
- Methadon ist ein lange wirkendes, synthetisches Opiat. Methadonprogramme sind Suchtersatz- oder Substitutionsprogramme. Im Gegensatz zu einer auf Suchtfreiheit ausgerichteten Entzugsbehandlung stehen die Phasen der Suchtfreiheit und Rehabilitation in umgekehrter Reihenfolge. Zuerst soll die Rehabilitation erreicht und gesichert werden und dann die Suchtfreiheit. Die Eignung von Methadon als Heroinersatz basiert vor allem auf folgenden Eigenschaften des Medikamentes:
- Oral eingenommenes Methadon wirkt ca. 24 bis 36 Stunden, d.h. eine tägliche Dosis reicht für die Substitution aus.
- Eine ausreichende Dosis verhindert während der angegebenen Zeit das Entstehen eines Heroinentzugssyndromes, unterbindet den «Heroinhunger» und reduziert die Wirksamkeit zusätzlich konsumierten Heroins.
- Bei Langzeitanwendung mit ausreichender Toleranzentwicklung wirkt Methadon verhältnismässig wenig euphorisierend oder sonst bewusstseinsverändernd. Die Einnahme von Methadon lässt sich deshalb mit sozialer Funktions- und Erwerbstätigkeit (einschliesslich z.B. Lernfähigkeit und Fahreignung) grundsätzlich vereinbaren.
- Durch die orale Einnahme leistet das Methadon einen wichtigen Beitrag zur Aids-Prophylaxe.
- Kriterien und Begleitumstände zur Führung von Methadonprogrammen werden fortlaufend durch gesellschaft- und drogenpolitische Entwicklungen beeinflusst. Dementsprechend passt auch der Kantonsärztliche Dienst die Behandlungsrichtlinien für Methadonprogramme bei Bedarf an, letztmals im Jahr 2000.
Methadon Richtlinien