Schloss Hallwyl um 1580, Illustration zu Burkhard III. im Hallwylschen Hausbuch

Baugeschichte


Die Turmburg
Im späten 12. Jahrhundert gründeten die Herren von Hallwyl am Aabach, 700 m nördlich des Hallwilersees, eine kleine Burganlage. Die Burg bestand aus einem Wohnturm, der auf drei Seiten von einem Trockengraben umgeben war. Aussen waren die Turmmauern mit mächtigen Findlingen verkleidet, wie sie in der Gegend an zeitgleichen oder etwas jüngeren Burgtürmen oft anzutreffen sind.
Ein zur Selbstversorgung der Burg dienender Wirtschaftshof war vermutlich älter als die Burg.

Der Palas
Für die allmählich anwachsende und an Bedeutung und Ansehen gewinnende Familie von Hallwyl wurde die Turmburg zu eng. Abhilfe bot ein um 1265 östlich des Wohnturms direkt am Bachufer errichteter Palas. Zwei Räume im Erdgeschoss dienten der Vorratshaltung. Im ersten und zweiten Obergeschoss befanden sich Wohnräume.
Spätestens beim Bau des Palas, vermutlich aber schon bedeutend früher, wurde über den Aabach eine Brücke geschlagen.

Die Wasserburg
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts residierte Johans I. von Hallwyl (1305–1348) auf der Burg. Er liess die bescheidene Turmburg im frühen 14. Jahrhundert zur zweiteiligen befestigten Wasserburg ausbauen. Im Sumpfland der Bachniederung wurde eine künstliche Insel aufgeschüttet, die auf drei Seiten von einer Ringmauer und allseitig von Wassergräben umgeben war. Neu errichtet wurden vorerst die Burgkappelle, ein hölzernes Backhaus und der heute noch bestehende Rundturm. Im Anschluss daran entstand das Alte Haus, ein grosser zweigeschossiger Wohnbau mit repräsentativem Charakter. Auch das Südhaus, der Vorgängerbau des Vorderen Hauses, wurde in dieser Zeit neu hinzugefügt.

Zerstörung und Wiederaufbau der Burg
Bei der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahre 1415 wurde die Burg von Berner Truppen in Brand gesteckt. Verschont blieben nur der Wohnturm und einige Räume im Palas der Hinteren Burg.
Der mehrjährige Wiederaufbau ging nahtlos in einen Ausbau der Burganlage über. Um 1420/25 wurde der Palas auf der hinteren Insel nach Süden erweitert.

Geschütztürme, Kornhaus, Westbau und Nordtrakt
Um 1500 liess Dietrich von Hallwyl (1462–1509) an den Ostecken der Hinteren Insel Geschütztürme (Verliesturm, Archivturm) mit dicken Mauern, Schiessnischen und -scharten errichten. Um 1520 wurde das Alte Haus auf der Vorderen Insel abgebrochen und Teile seiner Mauern zur Errichtung des heute noch bestehenden Kornhauses verwendet.
Etwa zur gleichen Zeit wurde dem Vorderen Haus der dreigeschossige Westbau angefügt. Im dritten Viertel des 16. Jahrhunderts kam auf der Hinteren Insel der dem Palas angebaute zweigeschossigen Nordtrakt hinzu.

Der Umbau zum Schloss
Burkhard III. von Hallwyl (1535–1598) baute von 1578 bis 1590 die Burg zum Schloss aus.
Treppentürme entstanden, Fassaden wurden neu aufgebaut und der Festsaal im Hinteren Schloss erhielt seine heutige Form. Auch die Schlossscheune entstand in dieser Zeit.

Schlossmühle

Eine Schlossmühle wurde bereits im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. Das heute noch existierende Mühlengebäude stammt von 1637 und nimmt unmittelbar nördlich der Schlossanlage eine dritte Insel ein. Es bestand aus einem zweigeschossigen Steinhaus mit Satteldach und wurde im 19. Jahrhundert um Anbauten erweitert. Im Erdgeschoss befand sich der Mahlraum und im Obergeschoss die Wohnung des Müllers. Der Mahlraum mit 3 Mahlgängen ist den Besuchern heute als Museum zugänglich. In einem neuen Ersatzbau für die ehemalige Mühlenscheune ist ein Transportschiff aus dem 16. Jahrhundert ausgestellt.


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Das historisierende Umbauprojekt
Nachdem Hans Theodor von Hallwyl (1835–1909) bereits in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts verschiedene Umbau- und Sanierungsarbeiten in Angriff genommen hatte, liess er von 1871 bis 1873 das Vordere Haus, den Torturm und den Westbau im Stil der Neugotik umgestalten.
Noch waren die Arbeiten am Innenausbau nicht abgeschlossen, als die Wirtschaftskrise von 1874 den Bauherrn in den Konkurs führte. Um das Stammschloss der Familie zu erhalten, wurde es durch Walther von Hallwyl erworben.

Das Baudenkmal
Nach dem Kauf durch Walter von Hallwyl (1839–1921), der in Stockholm lebte, blieb das Schloss für drei Jahrzehnte ungenutzt. Auf Initiative seiner Gattin Wilhelmina, geb. Kempe wurde es von 1910 bis 1916 archäologisch untersucht und nach modernsten denkmalpflegerischen Richtlinien restauriert, wobei auch die neugotischen Umbauten wieder entfernt wurden. Mit der Leitung der Ausgrabungen war der schwedische Archäologe Nils Lithberg, mit der Gebäuderestaurierung der Architekt Anders Roland betraut.
Nach dem Tode ihres Gatten rief Wilhelmina von Hallwyl (1844–1930) 1925 die Hallwil-Stiftung ins Leben. Diese bildete unter anderem die Trägerschaft der Schlossanlage, welche das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Das Schlossmuseum
Im Jahre 1994 ging das Schloss als Schenkung an den Kanton Aargau über. Eine dringend gewordene Gesamtsanierung erfolgte unter der Aufsicht einer breit abgestützten Baukommission von 1997 bis 2004. Als oberster Grundsatz für die Bauarbeiten galt die Erhaltung der historischen Bausubstanz. Überall dort, wo Eingriffe in den Boden oder in historische Bauteile unvermeidbar waren, führte die Kantonsarchäologie vorgängig Ausgrabungen und Bauuntersuchungen durch. Parallel zu den Bauarbeiten erfolgte die museale Planung und deren Realisierung. Die neue Dauerausstellung veranschaulicht die Geschichte der Familie von Hallwyl und ihre Beziehungen zum Seetal.



 



 
Die Turmburg im späten 12. Jahrhundert



 
Der Palas um 1265


 
Wasserburg (Vorderes und Hinteres Schloss) in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts





 
Ausbau der Burganlage nach dem Brand von 1415

 
Kornhaus, Geschütztürme und Ausbau zum Shcloss um 1500


 
Der Umbau zum Schloss (1578-1590)

 
Schlossmühle nach Gesamtsanierung (2003)





 
Das historisierende Umbauprojekt (1871-1873)




 
Das Baudenkmal (1910-1916)






 
Schlossmuseum und Mühle (2003)

Allgemeines

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