"In der Pause werden drei Mädchen mit der Begründung, sie seien keine Schweizerinnen, vom Spiel ausgeschlossen. Wir wollen richtig reagieren. Wie?" Ähnliche Ausgangslagen: "Eine Gruppe von Schweizern betitelt ausländische Mitschüler wegen ihrer Herkunft mit wüsten Schimpfwörtern und äussert sich abfällig über sie." "Nach dem Geschichtsunterricht droht ein Schüler zwei dunkelhäutigen Mitschülern mit den Worten, was mit den Juden in Deutschland passiert sei, würden sie selbst auch bald erleben." |
Richtig reagieren heisst hier:
- Sofort reagieren. Den Vorfall an Ort thematisieren und mit den betreffenden Schülerinnen oder Schülern reden.
- Den Vorfall der Schulleitung melden, Klasse und Namen angeben.
- Wenn nötig die Eltern der betroffenen Schülerinnen oder Schüler informieren.
- Den Vorfall allenfalls im Klassenunterricht thematisieren. Dabei geht es nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen, sondern vielmehr um eine Diskussion des Phänomens Rassismus auf der Grundlage von gesellschaftlichen, historischen und politischen Hintergründen.
- Rassistisches Material jeglicher Art konsequent einsammeln. Bei der Verteilung von rassistischem Material in und um Schulen die Kantonspolizei verständigen.
- Die Antirassismus-Strafnorm verbietet u.a. Diskriminierung und den Angriff auf die Menschenwürde von Personen oder Gruppen aufgrund ihrer Rasse oder ihrer Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Gruppe. Für die Vorgehensweise beim Vorliegen einer strafbaren Handlung vgl. Orientierungshilfe 2.
Damit es nicht mehr so weit kommt – Gedanken zur Prävention
Ebenso wichtig wie eine angemessene Reaktion auf ein Vorkommnis ist die Prävention rassistisch oder rechtsextrem motivierter Verhaltensweisen. Eine zentrale Rolle spielt dabei, wie sich die Schule als Ganzes mit Themen wie Rassismus, Menschenrechten, Ausgrenzung, Toleranz, Grundwerten usw. auseinandersetzt. Fragen wie die folgenden können für ein Schulteam in der Präventionsarbeit hilfreich sein
- Wie orientieren sich Lehrpersonen, Schulleitung und Schulpflege gegenseitig über beobachtete Vorfälle bzw. Gerüchte?
- Sind Vorgehensweisen abgesprochen?
- Wie gehen wir im Team, in den Klassen, auf dem Pausenplatz miteinander um?
- Ist unsere Haltung als Lehrerin, als Lehrer, für die Lernenden erkennbar?
- Haben die Lernenden an unserer Schule Möglichkeiten der Mitsprache, Mitwirkung, Mitbestimmung und Mitentscheidung?
- Wie sieht unser Beitrag zur Verhinderung rassistisch und/oder rechtsextrem motivierter Verhaltensweisen aus? Was tun wir konkret?
- Was tun wir, damit rechtsextremes Gedankengut bei den Jugendlichen nicht Fuss fasst? Welche Aktionen eignen sich dafür?
- Können wir bereits rechtsextrem orientierten Schülerinnen und Schülern Ausstiegshilfen bieten? Wie? In Kooperation mit wem?
- Kennen die Schülerinnen und Schüler schulinterne oder -nahe Ansprechpersonen sowie externe Beratungsdienste, denen sie schwierige Themen anvertrauen können?
Weitergehende Informationen zu Rassismus und Rechtsextremismus an Schulen (Unterrichtsmaterialien, Projekte etc.) finden Sie in unseren Links.