Kulturkontakt Aargau-Belarus

Beiträge zum Austausch

WORTTANDEM: Beat Gloor war in Mahileu auf Besuch bei Dzmitry Dzmitryjeu

Konzeptuelle Literatur in Mahileu - das ist der Titel eines Berichts über die Begegnung am Zentrum für Deutsche Sprache und Kultur der Universität in Mahileu, die am 26. Oktober 2010 stattgefunden hat. Dzmitry Dzmitryjeu und Beat Gloor haben den Studenten und Studentinnen nicht nur ihre Texte vorgestellt, es war auch eine Möglichkeit, mit Beat Gloor auf Deutsch miteinander ins Gespräch zu kommen. 

Der Bericht kann hier auf Russisch gelesen werden.
www.mycity.by/content/view/22326/11/


Am Pripjat
Schürmüli Musig in Belarus

Im Rahmen des Kulturaustauschs zwischen dem Kanton Aargau und Belarus war Schürmüli Musig* für neun Tage in Belarus zu Gast. Neben verschiedenen Konzertauftritten in der Hauptstadt Minsk und im Süden des Landes hatten die Musikerinnen und Musiker auch die Gelegenheit, verschiedene kulturelle Einrichtungen zu besuchen und Proben belarussischer Musiker beizuwohnen.

Ein Reisebericht von Anna Kohler

Am Minsker Flughafen wurden wir von Sascha, unserem Übersetzer (russisch-französisch), von Leonid, dem charmantesten aller Kulturbeamten, und Gennadi, dem perfekten Chauffeur, der eigentlich Tänzer ist, sehr herzlich empfangen. Wir erlebten einen sehr gut organisierten Aufenthalt und wurden vorzüglich betreut und begleitet.

Die Fahrt vom Flughafen ins Hotel gab uns ein erstes Bild von Minsk, das im zweiten Weltkrieg grösstenteils zerstört worden ist: Eintönig wirkende Hochhäuser mit auffällig vielen grossen Grünflächen dazwischen, gegen das Stadtzentrum hin stattliche Bürgerhäuser, ein streng angeordnetes Strassensystem, einige ältere Kirchen, und auch hier grosszügig breite Strassen mit entsprechenden Fussgängerbereichen und vielen Grünzonen.
Unser erstes Konzert fand in der pädagogischen Universität statt, wo die Studentinnen und Studenten sich unter anderem mit Schwerpunkt Volkskultur ausbilden lassen können. Diese Studienrichtung beinhaltet traditionelle Handwerke wie Weben, Töpfern, Schnitzen, Stroh flechten, aber auch Musik und Volkstanz. Die belarussischen Kinder werden mit 6 Jahren eingeschult und sie, beziehungsweise ihre Eltern, müssen sich bereits zu diesem Zeitpunkt für ein Schwerpunktfach entscheiden, in welchem sie nebst der Allgemeinbildung täglich zwei Stunden unterrichtet werden. Ein Schwerpunkt kann beispielsweise im Bereich Sprachen oder Musik liegen. Dieses System erklärt sicher auch das sehr hohe Leistungsniveau im gewählten Bereich; die leistungsstarken Schüler werden sehr gefördert, können etwa gratis die Musikakademie oder die Universität besuchen, währenddem die andern Schulgeld bezahlen müssen oder von der Schule abgehen.

In Minsk spielten wir mehrere Konzerte vor ganz unterschiedlichem Publikum und immer wieder waren wir gespannt darauf, wie die Zuhörenden unsere Musik aufnehmen würden. Nebst einem Repertoire mit instrumentalen Appenzeller Stücken hatten wir auch verschiedene Schweizerlieder im Repertoire, dazu einige Ausflüge in südamerikanische Gefilde und Eigenkompositionen mit improvisierten Teilen. Interessant waren für uns die positiven Echos auf die improvisierten, klangmalerischen und geschichtenerzählenden Stücke in unserem Repertoire. Auch der mehr herz- als leistungsbetonte Aspekt unserer Musik wurde wahrgenommen und sprach das Publikum sehr direkt an. Ein starkes Interesse hatte das Publikum auch am Appenzeller Hackbrett, welches mit dem in Belarus gespielten Zymbal verwandt ist. Das belarussische Zymbal unterscheidet sich jedoch vom Hackbrett durch seinen härteren und lauteren Klang, durch eine andere Schlägerform und damit auch durch eine andere Schlagtechnik. Gerade bei den Zymbalistinnen – es sind vorwiegend Frauen – gibt es in Belarus sehr viele hervorragende Spielerinnen, so etwa im „Nationalorchester für Volksmusik“ an der staatlichen Philharmonie oder an der Musikakademie, wo wir zu Proben eingeladen waren. Aber auch in ländlichen Gebieten ist das Zymbal verbreitet, nebst dem Akkordeon und verschiedengrossen Balalaikas.

Unsere Konzerte im Süden des Landes, in Schitkawitschy, Tschyrnowaje und Turau, waren Höhepunkte unserer Reise. Die Menschen empfingen uns mit einer riesengrossen Herzlichkeit und einem starken Interesse an unserer Musik. Während der Konzerte brachten Kinder und Erwachsene Blumen auf die Bühne, sodass wir jeweils am Schluss ein Riesenbouquet duftender Tulpen, Narzissen und Rosen mitnehmen durften. In einfachsten Verhältnissen und unter schwierigen Bedingungen lebende Menschen brachten uns mit ihrem Lachen und ihrer Offenheit das grösste Geschenk, das man sich wünschen kann. So fiel es uns dann nach diesen neun intensiven Tagen nicht ganz leicht, Abschied zu nehmen.

Mit reichen Erinnerungen sind wir wieder in die Schweiz zurückgekehrt, und die Eindrücke unserer Reise nach Belarus werden sicher auch in der Schürmüli Musig ihre Spuren hinterlassen. Vielleicht wird das eine oder andere belarussische Stück Einzug in unser Repertoire halten …
 
 
*Barbara Schirmer, Hackbrett, Geige
  Anna Kohler, Geige, Gesang
  Esther Kaufmann, Akkordeon
  Mike Zeller, Bass, Gesang
  www.hackbrett.com  


Handorgelspieler
gemeinsames Handorgeln an der Musikakademie
Publikum
Publikum in Minsk
Junge Zuhörer
junges Publikum in Schytkawitschy
Ältere Zuhörer
Interessierte im Haus der Freundschaft, ...  

Allgemeines

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