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Kaiseraugst
Forschungs- und Lehrgrabung Auf der Wacht 2011–2013
Anlass der Grabung Auf der grossen Wiese in der Flur „Auf der Wacht“ soll mittelfristig eine Überbauung entstehen. Die Grundeigentümer, Kanton Aargau und Einwohnergemeinde Kaiseraugst, haben beschlossen, diese archäologisch wichtige Fläche so weit wie möglich zu schützen. Für das vorgesehene Überbauungsprojekt soll deshalb bloss ein Drittel der Gesamtfläche ausgegraben werden, während im zweiten Drittel nur über die archäologischen Kulturschichten gebaut werden darf und das letzte Drittel als Freihaltefläche Grünland bleiben soll. Oberstes Ziel ist, dass die erstgenannte Fläche ohne zeitlichen Druck, möglichst gut und unter Einbindung der Naturwissenschaften ausgegraben wird. Während sechs Wochen im Juni/Juli wird jeweils eine Lehrgrabung der Universität Basel (Vindonissaprofessur) in die laufende Grabung integriert, um zukünftige Archäologen zu schulen. Voraussichtliche Dauer Die erste Etappe ist nun beendet. Die ganze Dokumentation wird zurzeit in unseren Büros aufgearbeitet und ein Vorbericht verfasst. Die zweite Etappe soll im April 2012 beginnen und bis Ende Oktober 2012 dauern. Was erwartet uns? Mittlerweile kennen wir die römischen Strukturen in diesem Gebiet von Augusta Raurica relativ gut. Es handelt sich um ein Quartier mit Siedlungscharakter, wo aber Handel und Gewerbe sehr präsent sind. Die Strassen sind in einem langgezogenen Schachbrettmuster angeordnet und bilden sogenannte insulae. Die Gebäude stehen entlang der Strassen, während der mittlere Bereich dieser insulae von den Hinterhöfen eingenommen wird. Die letzte grössere Ausgrabung, unmittelbar östlich von unserer zukünftigen Grabungsfläche, fand im Jahre 2006 statt. Vom Ende des 1. Jh. bis in die Mitte des 3. Jh. wurden dort die schmalen, langgezogenen Häuser immer wieder an Ort und Stelle erneuert, zuerst in Holz und Lehmfachwerk-Technik, später in Stein. Als letztes wurde ein grosser, parzellenübergreifender Steinbau errichtet. Der Hinterhofbereich wurde 2006 nicht ausgegraben. Wir können davon ausgehen, dass wir auf ähnliche Befunde stossen werden. Führungen Führungen können im Moment nicht angeboten werden, da die Grabungsfläche für die Überwinterung vorbereitet wurde. Ab April 2012 können Sie sich dann aber gerne wieder diesbezüglich bei uns anmelden (079 935 55 76). Stand: 14.11.2011 Da die Grabungsfläche noch Lücken aufweist, die in den kommenden Jahren ergraben werden sollen, werden hier nur einzelne Befunde herausgepickt und vorgestellt. Wir verzichten auf eine Vorstellung der gesamten Siedlungsdynamik dieses Quartiers, was aber am Ende der letzten Etappe das Spannendste sein wird in diesem rund 1400 m² grossen Areal. Anhand eines Teils der Grabung soll trotzdem als Beispiel auf die lokale Relativchronologie eingegangen werden. Im mittleren Felderstreifen konnten drei Bauzustände nachgewiesen werden: ein älterer Holzbauzustand mit mindestens zwei Räumen, in welchem je eine Feuerstelle vorgefunden wurde (Abb. 1). In einem Raum konnte auch eine ältere Bauphase mit einer kleinen Schmiede nachgewiesen werden. Darüber lag ein jüngerer Holzbauzustand mit bloss einem Raum, auch mit einer Feuerstelle ausgestattet. Schliesslich wurde noch ein steinbauzeitlicher, seitlicher Hof mit einem Sodbrunnen und einer Abfallschicht mit zahlreichen abgesägten Hornzäpfen dokumentiert (Abb. 2). Letztere bezeugt eine Hornverarbeitungswerkstatt im davon südlich gelegenen Steinbau. Dieses Steingebäude ist wider erwarten kein Streifenhaus, sondern ein eher grosszügig angelegtes Gebäude, wovon beinahe nur die Fundamente noch erhalten waren. Einzig im dazugehörigen unterirdischen Raum war das aufgehende Mauerwerk bis zu einer Höhe von 1.9 m erhalten (Abb. 3). Der quadratische Raum war mit drei halbrunden Lichtnischen und drei Holzschränken versehen. Zwei kleine Töpferöfen (Abb. 4), ein rechteckiger und ein runder, gehörten zu einer kleinen Töpferei, die in die Mitte des 3. Jh. zu setzen ist, als gewisse Mauern (des seitlichen Hofs?) bereits ausgeraubt waren. Eine der Bedienungsgruben war mit Ausschussware (Teller und Schüsseln) verfüllt. Besonders spannend sind mehrere Befunde aus der Spätantike: einerseits konnte ein Schotterweg nachgewiesen werden, der völlig anders orientiert war als die Strukturen der mittelkaiserzeitlichen Nordwestunterstadt. Woher dieser Weg kam und wohin er führte, ist leider nicht bekannt. Andererseits kam in unmittelbarer Nähe des Wegs eine grosse Lehmabbaugrube zutage. Solche Befunde wurden in den letzten Jahren mehrmals vorgefunden. Durch das genaue Dokumentieren des in Kaiseraugst flächendeckend vorhandenen Reduktionshorizontes konnten zum ersten Mal, mit Ausnahme der Raubgrabenverfüllungen, Spuren vom Steinraub an bestehenden Mauern beobachtet werden. Es handelt sich dabei um Spuren von Karren, deren schwere Lasten ein Einsinken in den morastigen (?) Boden verursacht haben. So bildeten sich kleine parallele Gräbchen, die mit dem Reduktionshorizont verfüllt wurden. Eine Datierung für die Gräbchen liegt nicht vor. Im Reduktionshorizont ist stark vermischtes Fundmaterial enthalten. Die Münzen sind aber alle spätantik. Diejenigen aus dem äussersten Ende des 4. Jh. sind sogar so zahlreich, dass eine Begehung des Geländes auch zu Beginn des 5. Jh. postuliert werden kann.
Abb. 1: Senkrechtaufnahme auf den mittleren, ...
Abb. 2: Schrägansicht von Nordosten ...
Abb. 3: Schrägansicht von Westen in ...
Abb. 4: Senkrechtaufnahme auf den nördlichsten ...
Kantonsarchäologie: Gesetzliche Grundlagen
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