Kantonsarchäologie

Forschungsprojekte

Meienberg – im Sempacherkrieg 1386 zerstört

Gesamtauswertung der archäologischen Untersuchungen in Meienberg

Die Ausgrabungen und Bauuntersuchungen der Kantonsarchäologie Aargau  in der ehemaligen, 1386 zerstörten Stadt Meienberg bei Sins im oberen Freiamt werden wissenschaftlich ausgewertet.
Am Auswertungsprojekt beteiligt sind die Archäobotanikerinnen Marlu Kühn und Angela Schlummbaum, die Archäzoologin Simone Häberle, die Archäologin Tessa Nerini, der Historiker Peter Niederhäuser und der Archäologe Peter Frey von der Kantonsarchäologie Aargau. Die Publikation der Auswertungsarbeiten ist in Buchform für 2012 vorgesehen.


Keramikobjekte aus der Stadtwüstung Meienberg

 


Via et porta praetoria – Neue Ausgrabungen und Forschungen im Süden des Legionslagers Vindonissa

Jürgen Trumm, Christine Meyer-Freuler, Verena Engeler-Ohnemus, Matthias Flück und andere

In den Jahren 2003−2006 fand im Süden des römischen Legionslagers Vindonissa eine Grossgrabung statt. Dichte und Qualität der ausgegrabenen Strukturen waren ausserordentlich hoch. Zu nennen sind hierbei insbesondere: ein hervorragend erhaltener Abschnitt der Hauptstrasse des Legionslagers (via praetoria) sowie Teile des mächtigen Südtors (porta praetoria), ein grosser Hof im Palast (praetorium) des Legionskommandanten, drei Mannschaftsbaracken (centuriae) mit Unterkünften für Zenturionen und Legionäre und ein 35 m langer Abschnitt der südlichen Lagermauer samt davor liegender Spitzgräben.
 
Die ausgegrabenen Befunde und Funde sind für die Erforschung von Vindonissa und darüber hinaus für die Geschichte der römischen Schweiz von herausragender Bedeutung. Mitte 2011 wurden die Forschungsarbeiten abgeschlossen, eine Veröffentlichung ist für 2012 geplant. Mehrere Fragen werden dann beantwortet sein:

  • Was geschah im Legionslager Vindonissa, wenn eine Legion abzog und die nächste Legion folgte?
  • Wann wurden die Fachwerkbauten des Legionslagers in Stein ausgebaut?
  • Wie unterschieden sich die Unterkünfte der Soldaten von den Wohnungen der Offiziere?
  • Wohnten Frauen und Kinder ebenfalls im Legionslager?
  • Wie wirkte sich der Bürgerkrieg und die Wirren der Jahre 69/70 n.Chr. auf die Lagerstruktur aus?
  • Stand das Lager teilweise leer, als die 11. Legion um das Jahr 75 n.Chr. nach Rottweil zog?
  • Wann genau wurde das Legionslager aufgelassen, und was geschah mit den leer stehenden Bauten?


Goldring mit Abdruck des Schmucksteins auf rotem Grund
Von einem römischen Ritter verloren? ...  
Römisches Tor mit Wache
Ein neues Bild des alten Tors. Virtuelle ...  
Blick in die via praetoria im Hintergrund das Nordtor
Blick in die via praetoria in Richtung ...  



Interdisziplinäre Untersuchungen des endneolithischen Kollektivgrabes Spreitenbach-Moosweg

Thomas Doppler, Kurt W. Alt, Marie Besse, Elisabeth Bleuer, Jocelyne Desideri, Hermann Huber, Elisabeth Langenegger, Dorothea Spörri
Das endneolithische Kollektivgrab in Spreitenbach-Moosweg wurde 1997 bei Bauarbeiten für die Bahn 2000 entdeckt. In dieser Grabanlage wurden nacheinander dreizehn Individuen bestattet. Die Ergebnisse der ersten Analyse sind in der Zeitschrift Archäologie der Schweiz publiziert (AS 1999, 3, 114–122).
Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts bietet sich nun die Gelegenheit, diese spannende und für die Schweiz aussergewöhnliche Fundstelle weiter zu untersuchen. Moderne naturwissenschaftliche Analysemethoden, die sich erst in den letzten Jahren stark entwickelt und in der Forschung etabliert haben, werden ebenso durchgeführt wie Untersuchungen zu Skelettpathologien, zur Grablegungsabfolge und zum Grabbau. Diese verschiedenen Untersuchungen werden Einblicke in die Glaubenswelt der damaligen Zeit liefern. Es werden aber auch Aussagen zum Gesundheitszustand (Skelettpathologien) und möglicherweise zu Verwandtschaftsverhältnissen (Zahnmorphologie und Genetik) zwischen den Bestatteten möglich sein. Schliesslich sind auch Hinweise zu "fremden", zugewanderten Personen zu erwarten (Zahnmorphologie und Isotopenanalyse) – ein Thema, das uns nicht nur in unserer heutigen Gesellschaft beschäftigt, sondern schon vor vielen Jahrtausenden zum Alltag gehörte!


Blick von oben auf teilweise freigelegte Skelette
Die teilweise dicht aufeinander liegenden ...  
Blick von oben auf die Grabung.
Blick auf das Grab, das ursprünglich ...  



Römische Wasserleitung Vindonissa

Die Gemeinden Windisch und Hausen besitzen einen ganz besonderen historischen Schatz - die 2,4 km lange römische Wasserleitung (aquaeductus) von Vindonissa.
Der im Grundwassergebiet von Hausen beginnende, unterirdisch verlaufende Kanal belieferte ursprünglich das römische Legionslager mit Trinkwasser. Die solide gebaute Leitung wurde ab 1310 vom Kloster Königsfelden und bis 1897 von Windisch als Wasserlieferant genutzt.
Noch heute speist die römische Leitung den Springbrunnen vor der Klinik Königsfelden - eine einzigartige Situation nördlich der Alpen.
 
Trotz ihrer einzigartigen Stellung innerhalb der römischen Technikgeschichte ist die Wasserleitung von Vindonissa bislang weder ausreichend geschützt noch gründlich erforscht. Dank eines vom Kanton finanzierten und von J. Trumm geleiteten Projekts kann 2010 bis 2013 eine Bestandesaufnahme sowie eine bauliche Sanierung des Monuments erfolgen. Gleichzeitig soll ein Massnahmenkatalog erarbeitet werden, der sicherstellt, dass auch in Zukunft weiterhin "römisches Wasser" nach Königsfelden fliesst.


Blick auf die geöffnete Wasserleitung
März 1935: Fliessendes Wasser in der ...  
Blick in die Wasserleitung
Oktober 2011: Fliessendes Wasser in ...  



Auswertung der Ausgrabung Laufenburg-Schimelrych

Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Basel, unter der Betreuung von Prof. P.-A. Schwarz von der Vindonissa-Professur, wird die Ausgrabung Laufenburg-Schimelrych ausgewertet. Die Fundstelle liegt etwa 300 m westlich der Altstadt von Laufenburg. Die Ausgrabung wurde im Jahre 1999, als Notgrabung, von der Kantonsarchäologie Aargau durchgeführt. Dabei sind römische Befunde und Funde einer zivilen Besiedlung zum Vorschein gekommen. Neben einer etwa 45 m langen Umfassungsmauer wurden mehrere, trocken gemauerte Kellerschächte, ein Steinkeller und ein Grundriss eines Gebäudes erfasst. Die Befunde weisen in erster Linie auf die Lagerung von (Handels-?)Gütern hin, die möglicherweise im Zusammenhang mit der Rheinschifffahrt stehen. Das in grossen Mengen geborgene Fundmaterial bezeugt eine Belegung der Stelle vom 1. bis ins 3. Jh. n. Chr. Bisher ist über die römische Besiedlung von Laufenburg nur wenig bekannt. Diese Arbeit bietet nun die Möglichkeit, zumindest einen Teil dieser Besiedlung zu beleuchten, und diese in einen grösseren siedlungstopografischen Zusammenhang zu setzen.

Blick von oben auf die Grabung



Vindonissa-Professur

Seit 2009 fördert der Kanton Aargau mit einem namhaften Betrag eine Assistenzprofessur an der Universität Basel mit dem Schwerpunkt Provinzialrömische Archäologie. Diese arbeitet eng mit der Kantonsarchäologie Aargau zusammen.
Die interdisziplinäre Ausrichtung der Vindonissa-Professur ermöglicht in der Lehre die Behandlung von Fragen der Kultur-, Wirtschafts-, Siedlungs-, Religions- und Militärgeschichte des römischen Reiches und den angrenzenden Gebieten.
Schwerpunkt in der Forschung bilden die Fundplätze Vindonissa und Augusta Raurica. In Vindonissa interessieren unter anderem die Wechselwirkungen zwischen Legionslager und Zivilsiedlung(en), in Augusta Raurica die kaiserzeitlichen Siedlungsstrukturen in der sog. Unterstadt (Kaiseraugst AG) und das spätantike Castrum Rauracense.

Vindonissa-Professur Basel


Allgemeines

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