Portrait Aargau

Wirtschaft

Das Land, wo Energien fliessen. Die Energie zupackender Leute. Als Europa aus dem Dämmerschlaf des Mittelalters erwachte, fanden initiative Leute im Aargau gute Bedingungen vor.
Dieses Bild zeigt den Ausschnitt einer grossen Turbine
Wasser, das ihre Räder antrieb, Menschen, die Arbeit suchten, und Verkehrswege, auf denen Produkte rasch in alle Welt verschickt wurden. So entwickelte sich ausgangs des 17. Jahrhunderts im Kanton die Textilindustrie. Die Pioniere im Westen verarbeiteten vor allem Baumwolle. Im Freiamt etablierte sich – mit Zentrum Wohlen – die Strohflechterei.

Deren Produkte, vor allem die Strohhüte, wurden zu einem Exportschlager, der die Pariser Mode beeinflusste und die Köpfe von Hollywood-Stars schmückte. In ihrer Blütezeit beschäftigten die Strohbarone in und um Wohlen 4 400 Fabrik- und etwa 24 000 Heimarbeiter. Als Mitte des 20. Jahrhunderts das Huttragen ausser Mode kam, musste sich die Freiämter Industrie neu orientieren. Etlichen Firmen ist das gelungen: Sie übertrugen ihr Know-how im Formen und Veredeln von Materialien auf die Welt der Kunststoffe und Metalle und bilden heute eine der Stützen der Exportleistung des Kantons.

Der Aargau ist der an verwertbaren Bodenschätzen reichste Kanton der Schweiz. Die Kies- und Kalkvorkommen sind immens. Die im Tagbau gewonnenen Rohstoffe werden zu Bausteinen geformt (zu besichtigen beispielsweise am Basler Münster oder am Bundesgericht in Lausanne), sie dienen der Landschaftsgestaltung, werden weiterverarbeitet zu modernen Baustoffen. Gegen 500 000 Tonnen beträgt die Jahresproduktion der Aargauer Zementhersteller.

Land der Ströme, Land des Stroms. Der Aargau steuert einen grossen Teil zur gesamtschweizerischen Elektrizitätsproduktion bei. Der Aargau ist aber nicht nur ein wichtiger Standort der Energieproduktion, sondern auch der Entwicklung und Herstellung von Systemen zum Betrieb von Kraftwerken. Der Name Brown Boveri in Baden, später ABB und Alstom, steht beispielhaft für diese Nähe von Erfindung und Anwendung. Entstanden sind Unternehmen von Weltrang.

Der Aargau befindet sich im Zentrum Europas. Seine Lage als Schnittpunkt nationaler und internationaler Transitachsen hat dem Aargau vor allem seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Auftrieb gegeben. Die Eröffnung der Bahnlinie Zürich-Baden (Spanischbrötli-Bahn, 1847) lieferte die Initialzündung, und bald zog sich ein dichtes Geflecht von Schienen durch den Kanton. Hundert Jahre später sorgte der Ausbau des Autobahnnetzes für weiteren Schub. Das dichte Netz von Verkehrsachsen bringt dem Aargau heute bemerkenswerte Vorteile: Standorte entlang dieser Achsen sind gesucht von Transporteuren und Logistikfirmen, aber auch von Produzenten, die auf schnelle Vertriebswege angewiesen sind. Ebenso begünstigt die Verkehrslage die Ansiedlung von Einkaufszentren, Möbelhäusern, Fachmärkten – also von Firmen, die für die Konsumenten aus einem grossen Einzugsgebiet schnell und einfach erreichbar sein wollen.

Mit Maschinen, Steuerungstechniken, hochwertigen Metallen und Kunststoffen verfügt die Aargauer Industrie über einige erfolgreiche Exportartikel, die gute Wachstumsaussichten eröffnen. Während die Exportleistung der gesamten Schweiz seit 1990 um 56 Prozent zunahm, erreichten die Aargauer Exportumsätze ein Wachstum von 66 Prozent; gut die Hälfte der Exporte geht in die Europäische Union. Hintergrund dieses Erfolgs bilden die Verfügbarkeit von Fachpersonal, aber auch die enge Zusammenarbeit von Industrie und öffentlichen Bildungsinstituten in Forschung und Entwicklung. Die Aargauer Wirtschaft insgesamt zeichnet sich durch einen ausgewogenen Branchenmix aus und profitiert in schwierigeren Zeiten vom grossen Anteil kleiner und mittelgrosser Unternehmungen, die langsam aber stetig wachsen.

Die Bedeutung von Land- und Forstwirtschaft bemisst sich weniger nach der Zahl der Beschäftigten (weniger als 10 000) als nach der Fläche, die sie bewirtschaftet: Im Aargau beträgt sie rund 1100km² oder 80 Prozent der gesamten Kantonsfläche. In der Landwirtschaft dominiert gegen Süden des Kantons hin die Viehwirtschaft. Im mittleren Aargau dehnen sich Gemüsefelder aus und im Fricktal blühen die Obstbäume. Ausserdem ist der Aargau mit 400 Hektaren Rebfläche der drittgrösste Weinbaukanton der Deutschweiz.


 
Portrait von Jasmin Staiblin

Portraits aus dem Aargau

Jasmin Staiblin, CEO ABB Schweiz AG


Allgemeines

aktuelle Seite ausdrucken zum Seitenanfang springen